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Endspurt 04:
Handy! Punkt.
4. Dezember 2015
Foto © Punkt.
Für die Freunde des Smartphones und alle App-Junkies, die immer noch ein Spiel, noch ein Navi, noch eine Produktivitätshilfe herunterladen müssen, die immer online sein wollen und, wo immer sie sind, twittern, facbooken und instagramen, was der Akku hergibt, und die am Ende womöglich zu glauben beginnen, die virtuelle Nachahmung einer Taschenlampe sei eine Taschenlampe und die Welt sehe aus wie in Googles Streetview – für all jene muss es ein Schock sein: Jasper Morrison hat für die Schweizer Firma Punkt ein mobiles Telefon entworfen, das genau das, aber nicht (viel) mehr sein will: ein mobiles Telefon.

Die Designsprache ist, wie man es von Jasper Morrison nicht anders erwartet, klar, übersichtlich, reduziert und nutzerorientiert. Und natürlich denken jetzt alle Design-Aficionados wieder wehmütig an Dieter Rams und seinen Braun-Taschenrechner, was, seit Morrison und Fukasawa das „Super-Normale“ geadelt haben, nur bestätigt, dass gutes Design nicht notwendig bedeutet, eine ganz neue Typologie kreieren zu müssen.

Das allein ist es aber nicht, was das Punkt MP 01 erwähnenswert macht. Sicher, es gibt auch andere Mobiltelefone, die sich auf ihre Grundfunktion beschränken und weitgehend auf das ubiquitäre Vernetztsein verzichten, doch keines aus der Hand eines namhaften Designers und keines, das gerade deshalb ein Signal sein könnte. Wer weiß, die schöne neue smarte Welt der Vernetzung ist ja noch sehr jung, und schon haben durch die Enthüllungen von Edward Snowden hartgesottene Propagandisten der digitalen Revolution und sogar die vielzitierten Digital Natives bemerkt, dass hier etwas nicht stimmt. Email, SMS, all das wird nicht wieder verschwinden, verändern könnte sich aber, wie wir damit umgehen, ob und inwieweit wir uns ihrer bedienen oder von all den überbordenden Möglichkeiten beherrschen lassen. Hat nicht jeder schon die Erfahrung gemacht, dass besonders technische Spielzeuge recht schnell anfangen, uns zu langweilen? Könnte es also nicht sein, dass man in zehn oder zwanzig Jahren diese kleine elektronische Maschine als einen ersten Schritt hin zu einer bewussten Selbstbeschränkung begreift? Weg von der Illusion, mit einem elektronischen Schweizermesser in der Tasche seien auch schon Kommunikation und Verständigung sichergestellt? Ja, auch Telefondaten werden gespeichert; aber alles andere ist eben nicht nur alles andere und nicht ohne weitere Folgen.

Wie es auch kommen mag, das Punkt MP 01 ist – bewusst oder nicht – eine Post-Snowden-Maschine. Es funkt im GSM-Netz, also in fast jedem Land der Welt; es speichert bis zu 1000 Nachrichten, kann Kontakte mit einem Rechner synchronisieren, ist dicker als ein iPhone, mit 88 Gramm aber leichter. So leicht und unbeschwert wie ein Tag, den wir außerhalb einer vernetzten und überwachten Welt verbringen. Der alte Werbespruch „Ruf doch mal an“, hier kommt er unverhofft zu neuen, gut gestalteten Ehren. (tw)


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News & Stories › 2015 › Dezember
Endspurt 04:
Handy! Punkt.
von Thomas Wagner | 4. Dezember 2015
Jasper Morrison hat ein mobiles Telefon entworfen, das nicht mehr und nichts anderes sein will. Hat Edward Snowden etwas damit zu tun?
Für die Freunde des Smartphones und alle App-Junkies, die immer noch ein Spiel, noch ein Navi, noch eine Produktivitätshilfe herunterladen müssen, die immer online sein wollen und, wo immer sie sind, twittern, facbooken und instagramen, was der Akku hergibt, und die am Ende womöglich zu glauben beginnen, die virtuelle Nachahmung einer Taschenlampe sei eine Taschenlampe und die Welt sehe aus wie in Googles Streetview – für all jene muss es ein Schock sein: Jasper Morrison hat für die Schweizer Firma Punkt ein mobiles Telefon entworfen, das genau das, aber nicht (viel) mehr sein will: ein mobiles Telefon.

Die Designsprache ist, wie man es von Jasper Morrison nicht anders erwartet, klar, übersichtlich, reduziert und nutzerorientiert. Und natürlich denken jetzt alle Design-Aficionados wieder wehmütig an Dieter Rams und seinen Braun-Taschenrechner, was, seit Morrison und Fukasawa das „Super-Normale“ geadelt haben, nur bestätigt, dass gutes Design nicht notwendig bedeutet, eine ganz neue Typologie kreieren zu müssen.

Das allein ist es aber nicht, was das Punkt MP 01 erwähnenswert macht. Sicher, es gibt auch andere Mobiltelefone, die sich auf ihre Grundfunktion beschränken und weitgehend auf das ubiquitäre Vernetztsein verzichten, doch keines aus der Hand eines namhaften Designers und keines, das gerade deshalb ein Signal sein könnte. Wer weiß, die schöne neue smarte Welt der Vernetzung ist ja noch sehr jung, und schon haben durch die Enthüllungen von Edward Snowden hartgesottene Propagandisten der digitalen Revolution und sogar die vielzitierten Digital Natives bemerkt, dass hier etwas nicht stimmt. Email, SMS, all das wird nicht wieder verschwinden, verändern könnte sich aber, wie wir damit umgehen, ob und inwieweit wir uns ihrer bedienen oder von all den überbordenden Möglichkeiten beherrschen lassen. Hat nicht jeder schon die Erfahrung gemacht, dass besonders technische Spielzeuge recht schnell anfangen, uns zu langweilen? Könnte es also nicht sein, dass man in zehn oder zwanzig Jahren diese kleine elektronische Maschine als einen ersten Schritt hin zu einer bewussten Selbstbeschränkung begreift? Weg von der Illusion, mit einem elektronischen Schweizermesser in der Tasche seien auch schon Kommunikation und Verständigung sichergestellt? Ja, auch Telefondaten werden gespeichert; aber alles andere ist eben nicht nur alles andere und nicht ohne weitere Folgen.

Wie es auch kommen mag, das Punkt MP 01 ist – bewusst oder nicht – eine Post-Snowden-Maschine. Es funkt im GSM-Netz, also in fast jedem Land der Welt; es speichert bis zu 1000 Nachrichten, kann Kontakte mit einem Rechner synchronisieren, ist dicker als ein iPhone, mit 88 Gramm aber leichter. So leicht und unbeschwert wie ein Tag, den wir außerhalb einer vernetzten und überwachten Welt verbringen. Der alte Werbespruch „Ruf doch mal an“, hier kommt er unverhofft zu neuen, gut gestalteten Ehren. (tw)


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