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Es leuchtet das Dodekaeder
von Sandra Hofmeister | 3. November 2009
In Kleidungsfragen war Adolf Loos so kompromisslos wie kaum ein anderer Ästhet um die Jahrhundertwende. In einem Essay über „Die Herrenmode" hielt er kategorisch fest: „Gut gekleidet sein, wer möchte das nicht? Unser Jahrhundert hat mit den Kleiderordnungen aufgeräumt und jedem steht nun das Recht zu, sich wie der König anzuziehen. Als Gradmesser für die Kultur eines Staates kann der Umstand gelten, wie viele seiner Einwohner von dieser freiheitlichen Errungenschaft gebrauch machen." Für Adolf Loos machen Kleider nicht nur Leute, wie man sich kleidet, gibt auch Auskunft über den Zustand einer Gesellschaft.

Ein unvergessenes Beispiel von Kleiderkultur ist das Interieur des Herrenschneiders Knize in Wien: Die Kunden, zu denen unter anderen Arnold Schönberg zählte, konnten sich beim Maßnehmen durchaus wie ein König fühlen. Schwedischer Granit, glänzende Kirschbaumvitrinen - mit dem Entwurf für die Räume am Wiener Graben hat Adolf Loos gezeigt, wie er sich das perfekte Ambiente eines Herrenausstatters vorstellt. Holzeinbauten, Teppiche, Türklinken und Leuchten - nichts wurde dem Zufall überlassen, alles von Loos selbst entworfen. Auch das strahlende Dodekaeder - eine Deckenleuchte, die als Knize-Kugel in die Geschichte eingegangen ist.

Aus zwölf kongruenten Fünfeckflächen mit Messingrahmen konstruiert, war die Knize-Kugel für Loos ein platonischer Körper, dessen Flächen funktional zu einer dreidimensionalen Einheit gefügt sind. Dass dieser Polyeder - seiner Struktur entsprechend - erweitert werden kann, zu Clustern und in der Fläche ausgebreiteten oder gekrümmten Fünfeckstrukturen, zeigt das Redesign der Knize-Kugel von Christiane Büssgen für Woka. Zugleich wurde aus der Hängeleuchte nun eine Bodenleuchte. Durch verschiedene Anbaumöglichkeiten erweitert das Dodekaeder die Geometrie der Pentagone, die den Leuchtkörper um ein Muster mit farbigen Fünfeckrahmen ergänzen. Vielleicht mag dieses Prinzip in Loos' Augen als Ornament gelten, wird die Funktionalität der Leuchte selbst dadurch doch nicht ergänzt. Gleichzeitig aber macht sich das Redesign eine ursprüngliche Entwurfsidee zueigen: Die strenge Funktionalität der Pentagone kann um einen Cluster ergänzt werden, was die Dimension der platonischen Idee greifbar macht. So breitet sich die neue Knize-Kugel im Raum aus wie ein geometrisches Muster, das obendrein noch leuchtet. Und so ist der Dodekaeder von Adolf Loos nun im 21. Jahrhundert angekommen.

www.woka.com
Leuchte "Knize-Kugel" von Adolf Loos