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Fredrik Mattsons Schwedische Tiefgründigkeit
von Sandra Hofmeister | 1. Dezember 2007
Er spielt Piano in einer Jazz-Band, ist ursprünglich gelernter Tischler und studierte Design in Stockholm: Seine Freunde nennen Fredrik Mattson gerne den Chick Corea des schwedischen Designs; ein nordisches Talent, hurmorvoll und nachdenklich, 35 Jahre alt und schon mit vielen Preisen ausgezeichnet. Erst kürzlich bekam Mattson einen Red Dot und schon vor einiger Zeit den Golden Chair. Eine Trophäe, die ihn nun buchstäblich inspiriert hat: Die neue Stuhl-Kollektion des Schweden heißt "The Black Chair". Das Ungewöhnliche an ihr ist eine Sonder-Version mit 24 Karat Gold-Veredelung - Preis auf Anfrage.

Die ungepolsterten Stühle, Sessel und Hocker sind aus schwedischer Birke getischlert und werden von Blå Station in Ahus produziert. Ihre Form ist dem antiken Klismos-Stuhl aus der Zeit der attischen Demokratie angeglichen - geschwungene Rückenlehne und nach außen gebogene Beine. Das archaische Sitzmöbel der Polisgesellschaft erfährt von Mattson ein Redesign, der es mit Wucht ins 21. Jahrhundert katapultiert und dort im heimischen Wohnzimmer ansässig machen möchte. Umweltbewusst wie Fredrik Mattson ist, hat er sich bei der Materialwahl des Stuhls, der schon im Biedermeier eine regelrechte Renaissance erlebt hatte, Gedanken gemacht: Schluss mit dem ökologischen Alptraum eines Naturholzstuhls, bei dem bis zu siebzig Prozent Verschnitt entstehen. Die Möbelgeschichte löste dieses Dilemma bis ins 19. Jahrhundert mit einem einfachen Trick: Hochwertige Stühle wurden lackiert, so dass unschöne Äste, Holzmaserungen oder gar Rinden unsichtbar blieben. Nur wer sich den Lack nicht leisten konnte, musste mit Naturholz vorliebnehmen. Erst Ende des 20. Jahrhunderts kam es in diesem Punkt zu einem Paradigmenwechsel. Ganze Wälder wurden geopfert, um der Nachfrage nach glatten Holzoberflächen gerecht zu werden. Fredrik Mattson und seine Freunde, zum Beispiel Stefan Borselius (unten sieht man die beiden zusammen arbeiten, Mattson ist unten rechts im Bild), wehren sich gegen diesen ökologischen Wahnsinn. Deswegen legen sie in Zeiten sterbender (Rest)wälder und der globaler Klimaerwärmung Wert auf einen Stuhl, den es nur lackiert gibt. Oder eben gleich in einer 24 Karat Gold-Version.


www.blastation.se
www.fredrikmattson.se"

Fundstücke" ist eine Kooperation der Baumeister-Redaktion mit Stylepark
Stefan Borselius, Fredrik Mattson (rechts im Bild)