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Fundstücke: Revoluzzer und Amoeben
von Daniel von Bernstorff | 1. April 2008
1970 war die Welt für die Kölner Möbelmesse noch in Ordnung. In der Stadt am Rhein spielte die „Design-Musik“, hier wurden neue Entwürfe und innovative Installationen präsentiert. Weder Mailand noch andere Störenfriede waren damals in Sicht, die Köln zurzeit die Vormachtstellung auf dem Designmarkt zu entreißen drohen – oder es längst schon getan haben. Es gab noch echte Visionen, und eine davon präsentierte der dänische Designer Verner Panton, damals bereits im Zenit seines Schaffens, 1970 mit seiner für die Bayer AG konzipierten Show „Visiona II“.

Verner Panton, geboren 1926 im dänischen Gamtofte, war einer der umtriebigsten und ungewöhnlichsten Möbeldesigner und Innenarchitekten seiner Zeit und des gesamten letzten Jahrhunderts. Nach dem Studium und kurzer Lehrzeit im Studio von Arne Jacobsen verließ er 1952 Dänemark und kurvte mit einem VW-Bus durch Europa. 1963 ließ er sich in Basel nieder und startete wenig später die Zusammenarbeit mit dem Möbelhersteller Vitra, zunächst für den längst zum Klassiker gewordenen Panton Chair, dem ersten und noch heute berühmtesten aus einem einzigen Stück Plastik geformten Stuhl. Panton war zeit seines Lebens ein echter Revoluzzer, der gewagte und verspielte Designs schuf, die die Verschmelzung von Funktionen und Raumeinheiten praktizierten. Diesem Ziel kam er mit seiner „Visiona“-Installation in Köln im Jahr 1970 besonders nahe. In dem höhlenartigen Raum war die Unterscheidung zwischen Sitz- und Entspannungsflächen, zwischen oben und unten, zwischen Boden, Wand und Decke, kaum noch nachzuvollziehen. Für diese Installation entwarf Panton unter anderem das Lounge-Möbel Amoebe, das wie kaum ein anderes den frechen und fröhlichen Zeitgeist der frühen 70er Jahre verkörpert. Bei der „Amoebe Highback“ ist die Rückenlehne skulptural bis über den Kopf gezogen und vermittelt dadurch ein Gefühl von Rückzug und Abgeschiedenheit, das im heutigen Alltagsstress wieder außerordentlich an Bedeutung gewinnt. So hatte die Amoebe 1970 tatsächlich visionären Charakter. Und die aktuelle Re-Edition belegt, dass die Kölner Möbelmesse immer noch von solchen Visionen zehren kann.

www.panton.ch
www.vitra.de