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Vier Jahre hat der Um- und Neubau gedauert, nach dessen Abschluss sich das Museum im Inneren wie im Äußeren grundlegend verändert zeigt. Foto © Lenbachhaus
N minus X – Lesen bildet, Teil 3
von Thomas Wagner
23. Januar 2014
Seit seiner Wiedereröffnung im Mai letzten Jahres präsentiert sich das Münchner Lenbachhaus in einer überraschend neuen Gestalt. „Das Lenbachhaus Buch“ stellt die rundum erneuerte Städtische Galerie nun im Hinblick auf „Geschichte, Architektur, Sammlungen“ vor. Vier Jahre hat der Um- und Neubau gedauert, nach dessen Abschluss sich das Museum im Inneren wie im Äußeren grundlegend verändert zeigt. Nicht nur wurde der Eingang an jene Stelle verlegt, an der sich das ehemalige Ateliergebäude Lenbachs mit dem Neubau von Foster + Partners berührt; das Haus öffnet sich nun zum Königsplatz mit Leo von Klenzes klassizistischem Ensemble.

Im Lenbachhaus verspürte man immer schon ein besonderes Flair, bildet seinen Kern doch die Villa des Münchner Malerfürsten Franz von Lenbach, die nach Plänen des Architekten Gabriel von Seidl im italienischen Stil 1890 fertiggestellt wurde. 1924 von der Stadt erworben, um darin eine Städtische Galerie einzurichten, bildeten die durch weitere Ankäufe ergänzten Hinterlassenschaften Lenbachs zunächst den Grundstock der Kollektion. 1929 eröffnet, erhielt die Galerie 1957 eine große Zahl von Werken des „Blauen Reiter“ und Wassily Kandinskys durch eine Schenkung von Gabriele Münter.

Nicht allein der Mangel an Platz, auch der bauliche Zustand des zuletzt 1972, im Jahr der Olympischen Spiele, um einen Anbau auf der Südseite erweiterten Gebäude-Ensembles machte eine Grundsanierung dringend notwendig. Die älteren Gebäudeteile befanden sich in einem schlechten Zustand, die Haustechnik war veraltet, eine Klimaanlage nicht vorhanden, Brandschutz und Sicherheitseinrichtungen nicht mehr auf dem aktuellen Stand. In dieser Situation beauftragte die Stadt München 2002 - nach einem Wettbewerb und Gesprächen mit zahlreichen Architekturbüros - Foster + Partners, Sanierung und Erweiterung in Angriff zu nehmen. Aus Sicht des Direktors Helmut Friedel galt es, mehrere Ziele zu erreichen: Die Villa sollte von den späteren Anfügungen befreit, sämtlichen Besuchern ein barrierefreier Zugang gewährt, die Hauptausstellungsräume auf einer Ebene vereint und im Ganzen ein zur Stadt hin einladendes, außerhalb der Öffnungszeiten wenigstens in Teilen zugängliches Haus geschaffen werden. Was dazu nötig war, wie Foster + Partners vorgegangen sind und was am Ende dabei herausgekommen ist, lässt sich in Ken Powells Aufsatz „Foster, der Alchimist: Neu und Alt im Lenbachhaus“ nun detailliert nachlesen.

Doch nicht allein die architektonische Erneuerung wird beleuchtet. Hinzu kommt ein fundierter Überblick über die Bestände mit Abbildungen der wichtigsten Werke. Abgerundet wird der Band zudem von einer Serie von Fotografien, die Michael Wesely „in der Zeit des Neuen Lenbachhauses“ von Lord Norman Foster, dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, dem Direktor Helmut Friedl, dem Künstler Olafur Eliasson sowie Mitarbeitern und Sammlern aufgenommen hat. Wesely, ein Meister der Langzeitbelichtung, hat nicht einen einzigen, kurzen Moment zum Bild gefrieren lassen, er hat die, die er aufgenommen hat, 300 Sekunden lang der Apparatur ausgesetzt, als folge ihnen das abbildende Verfahren durch die Zeit. Plötzlich wirkt Lord Foster im Gegensatz zur Fassade seines Erweiterungsbaus weich und doch konzentriert, Olafur Eliassons Kopf löst sich fast vollständig auf und die auf einer Treppe posierenden Mitarbeiter wirken vollends, als habe sie Altmeister Gerhard Richter in seiner Wischtechnik aus der Fotografie in die Malerei gerettet.

Das Lenbachhaus Buch
Geschichte, Architektur, Sammlungen
Hrsg. v. Helmut Friedel u. Matthias Mühling
240 Seiten, 200 Farbabbildungen
Verlag Schirmer/Mosel
49,80 Euro

Neben dem einzigartigen Bestand an Werken des „Blauen Reiter“ und Arbeiten der Münchner Malerei des 19. Jahrhunderts enthält die Sammlung des Lenbachhauses auch einen Block mit Arbeiten von Joseph Beuys. Was sammlungsgeschichtlich 1979 mit dem seinerzeit heftig umstrittenen und heiß diskutierten Ankauf von Beuys’ Environment „Zeige deine Wunde“ seinen Anfang genommen hat und 2012 durch den Erwerb von „Vor dem Aufbruch aus Lager 1“ fortgesetzt wurde, das wurde zur Wiedereröffnung durch die Donation einer Gruppe von Arbeiten aus den Jahren 1948 bis 1968 abgerundet. Dem Lenbachhaus geschenkt hat die Sammlung der Verleger Lothar Schirmer, untergebracht sind die Werke von Beuys in vier Räumen im ehemaligen Ateliertrakt Lenbachs, und eigens dokumentiert ist der gesamte Bestand in dem Band „Joseph Beuys – Lenbachhaus und Schenkung Lothar Schirmer“.

15 plastische Originalarbeiten von Joseph Beuys aus dessen Frühwerk (darunter auch die legendäre „Badewanne“) hat Schirmer der Galerie geschenkt, zwei weitere Objekte und großformatige Fotografien mit verlorenen plastischen Situationen als Dauerleihgaben überlassen. Wer nach München kommt, sollte sich die erstmals gemeinsam ausgestellten Objekte und Environments in den neuen Räumen anschauen. In der Publikation aber, die alle Beuys-Objekte in ganzseitigen Reproduktionen bedenkt und überdies fünf frühe Originalinterviews von Joseph Beuys enthält, passiert etwas anderes.

Wer Lothar Schirmers Text mit dem schlichten Titel „Kleine Geschichte der Beuys Sammlung“ liest, der erfährt nicht nur etwas über den Sammler und seine Leidenschaft, darüber, wie seine Begeisterung für Beuys erwachte, obgleich die Zeichnungen, die der damals 19Jährige auf der documenta III sah, ihn abstießen. Dem Leser wird – besonders in Schirmers Beschreibungen einzelner Werke – auch auf unverkrampfte, luftig-leichte und doch präzise Weise eine Lektion in Sachen Beuys zuteil.

Was bei einem als eher sperrig und romantisch, wenn nicht gar mystisch und verschroben geltenden Künstler alles andere als selbstverständlich ist. So erfährt man zum Beispiel, wie sich Beuys in dem „kleinen Schaf“ (Ohne Titel, 1949) langsam von seinem Lehrer Ewald Mataré emanzipiert und in den „großen, wie Doppelkristalle ausgebildeten Ohren“ das „Hören als sinnlichen Vorgang vor allen anderen“ zu akzentuieren scheint. Oder, was die „Badewanne“ (und den „Ofen“) als Fall angeht, wie verantwortungslos die Stadt Leverkusen agierte, nachdem das Objekt als Leihgabe für eine Ausstellung in den städtischen Museen 1973 schon vor der Eröffnung „gereinigt“, sprich ruiniert worden war – samt aller juristischen Folgen. „1977 hat Beuys dann“, so Schirmer, „nach der Vorstellung eines Multiples in einer Münchner Galerie, in einer langen, arbeitsreichen Nacht und am folgenden Vormittag sowohl den „Ofen“ als auch die Badewanne wiederhergestellt.“ Und zu Beuys’ „Hasengrab“ (1962-67) notiert Schirmer am Ende kurz und knapp: „Der Normalverbraucher würde im „Hasengrab“ vielleicht einen Abfallhaufen vermuten, aber Vorsicht: im anthroposophischen Kunstverständnis von Joseph Beuys gibt es die Kategorie Abfall nicht. Alles ist zuerst Material und letztlich Substanz.“

Joseph Beuys
Lenbachhaus und Schenkung Lothar Schirmer
Mit Texten von Joseph Beuys, Helmut Friedel u. Lothar Schirmer
152 Seiten, 111 farbige Abbildungen
Verlag Schirmer/Mosel
49,80 Euro



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N minus X – Lesen bildet, Teil 1: Wenn ein neues Jahr beginnt, befällt einen eine seltsame Unruhe. Als gelte es, einen Virus zu bekämpfen, fängt man an, aufzuräumen
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N minus X – Lesen bildet, Teil 2: Schauen wir weiter. Diesmal in Richtung Fotografie und Zeichnung.
(19. Januar 2014)
„Wirbelwerk“ von Olafur Eliasson, 2012, ziert das Entrée des neuen Lenbachhauses. Foto © 2012 Olafur Eliasson,
Foto aus dem Band „Das Lenbachhaus Buch“ © Thomas Wagner, Stylepark
„Der Blaue Reiter“ in der Sammlung des Lenbachhauses: „Porträt mit Äpfeln“, 1909, „Zoologischer Garten I“, 1912, beide von August Macke.
Foto aus dem Band „Das Lenbachhaus Buch“ © Thomas Wagner, Stylepark
Blick ins Buch: „Joseph Beuys Lenbachhaus und Schenkung Lothar Schirmer“.
Foto aus dem Band © Thomas Wagner, Stylepark
Joseph Beuys, „Lavendelfilter“, 1961 © Joseph Beuys Estate/VG Bild-Kunst 2013, Foto: Mario Gastinger/ Städtische Galerie im Lenbachhaus/ Schenkung Lothar Schirmer
Joseph Beuys, „Badewanne“, 1960 © Joseph Beuys Estate/VG Bild-Kunst 2013, Foto: Mario Gastinger/ Städtische Galerie im Lenbachhaus/ Schenkung Lothar Schirmer
Joseph Beuys, „Ofen“, 1960 © Joseph Beuys Estate/VG Bild-Kunst, Bonn 2013 Foto: Mario Gastinger, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München/ Schenkung Lothar Schirmer
Joseph Beuys, „Hasengrab“, 1962-67 © Joseph Beuys Estate/VG Bild-Kunst 2013, Foto: Mario Gastinger, Städtische Galerie im Lenbachhaus/ Schenkung Lothar Schirmer
Joseph Beuys, Figur aus gebranntem Ton (Detail aus der „Bienenkönigin I“) © Joseph Beuys Estate/VG Bild-Kunst, Bonn 2013, Foto: Mario Gastinger, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München/ Schenkung Lothar Schirmer
Joseph Beuys, „Schaf“, 1949 © Joseph Beuys Estate/VG Bild-Kunst, Bonn 2013, Foto: Mario Gastinger, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München/ Schenkung Lothar Schirmer
News & Stories › 2014 › Januar
N minus X – Lesen bildet, Teil 3
von Thomas Wagner | 23. Januar 2014
Der Stapel wird kleiner. Noch aber ist die Arbeit des Erinnerns an das, was liegengeblieben ist, nicht beendet. Denn auch was Architektur und Museum angeht, hat sich einiges angesammelt.

Seit seiner Wiedereröffnung im Mai letzten Jahres präsentiert sich das Münchner Lenbachhaus in einer überraschend neuen Gestalt. „Das Lenbachhaus Buch“ stellt die rundum erneuerte Städtische Galerie nun im Hinblick auf „Geschichte, Architektur, Sammlungen“ vor. Vier Jahre hat der Um- und Neubau gedauert, nach dessen Abschluss sich das Museum im Inneren wie im Äußeren grundlegend verändert zeigt. Nicht nur wurde der Eingang an jene Stelle verlegt, an der sich das ehemalige Ateliergebäude Lenbachs mit dem Neubau von Foster + Partners berührt; das Haus öffnet sich nun zum Königsplatz mit Leo von Klenzes klassizistischem Ensemble.

Im Lenbachhaus verspürte man immer schon ein besonderes Flair, bildet seinen Kern doch die Villa des Münchner Malerfürsten Franz von Lenbach, die nach Plänen des Architekten Gabriel von Seidl im italienischen Stil 1890 fertiggestellt wurde. 1924 von der Stadt erworben, um darin eine Städtische Galerie einzurichten, bildeten die durch weitere Ankäufe ergänzten Hinterlassenschaften Lenbachs zunächst den Grundstock der Kollektion. 1929 eröffnet, erhielt die Galerie 1957 eine große Zahl von Werken des „Blauen Reiter“ und Wassily Kandinskys durch eine Schenkung von Gabriele Münter.

Nicht allein der Mangel an Platz, auch der bauliche Zustand des zuletzt 1972, im Jahr der Olympischen Spiele, um einen Anbau auf der Südseite erweiterten Gebäude-Ensembles machte eine Grundsanierung dringend notwendig. Die älteren Gebäudeteile befanden sich in einem schlechten Zustand, die Haustechnik war veraltet, eine Klimaanlage nicht vorhanden, Brandschutz und Sicherheitseinrichtungen nicht mehr auf dem aktuellen Stand. In dieser Situation beauftragte die Stadt München 2002 - nach einem Wettbewerb und Gesprächen mit zahlreichen Architekturbüros - Foster + Partners, Sanierung und Erweiterung in Angriff zu nehmen. Aus Sicht des Direktors Helmut Friedel galt es, mehrere Ziele zu erreichen: Die Villa sollte von den späteren Anfügungen befreit, sämtlichen Besuchern ein barrierefreier Zugang gewährt, die Hauptausstellungsräume auf einer Ebene vereint und im Ganzen ein zur Stadt hin einladendes, außerhalb der Öffnungszeiten wenigstens in Teilen zugängliches Haus geschaffen werden. Was dazu nötig war, wie Foster + Partners vorgegangen sind und was am Ende dabei herausgekommen ist, lässt sich in Ken Powells Aufsatz „Foster, der Alchimist: Neu und Alt im Lenbachhaus“ nun detailliert nachlesen.

Doch nicht allein die architektonische Erneuerung wird beleuchtet. Hinzu kommt ein fundierter Überblick über die Bestände mit Abbildungen der wichtigsten Werke. Abgerundet wird der Band zudem von einer Serie von Fotografien, die Michael Wesely „in der Zeit des Neuen Lenbachhauses“ von Lord Norman Foster, dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, dem Direktor Helmut Friedl, dem Künstler Olafur Eliasson sowie Mitarbeitern und Sammlern aufgenommen hat. Wesely, ein Meister der Langzeitbelichtung, hat nicht einen einzigen, kurzen Moment zum Bild gefrieren lassen, er hat die, die er aufgenommen hat, 300 Sekunden lang der Apparatur ausgesetzt, als folge ihnen das abbildende Verfahren durch die Zeit. Plötzlich wirkt Lord Foster im Gegensatz zur Fassade seines Erweiterungsbaus weich und doch konzentriert, Olafur Eliassons Kopf löst sich fast vollständig auf und die auf einer Treppe posierenden Mitarbeiter wirken vollends, als habe sie Altmeister Gerhard Richter in seiner Wischtechnik aus der Fotografie in die Malerei gerettet.

Das Lenbachhaus Buch
Geschichte, Architektur, Sammlungen
Hrsg. v. Helmut Friedel u. Matthias Mühling
240 Seiten, 200 Farbabbildungen
Verlag Schirmer/Mosel
49,80 Euro

Neben dem einzigartigen Bestand an Werken des „Blauen Reiter“ und Arbeiten der Münchner Malerei des 19. Jahrhunderts enthält die Sammlung des Lenbachhauses auch einen Block mit Arbeiten von Joseph Beuys. Was sammlungsgeschichtlich 1979 mit dem seinerzeit heftig umstrittenen und heiß diskutierten Ankauf von Beuys’ Environment „Zeige deine Wunde“ seinen Anfang genommen hat und 2012 durch den Erwerb von „Vor dem Aufbruch aus Lager 1“ fortgesetzt wurde, das wurde zur Wiedereröffnung durch die Donation einer Gruppe von Arbeiten aus den Jahren 1948 bis 1968 abgerundet. Dem Lenbachhaus geschenkt hat die Sammlung der Verleger Lothar Schirmer, untergebracht sind die Werke von Beuys in vier Räumen im ehemaligen Ateliertrakt Lenbachs, und eigens dokumentiert ist der gesamte Bestand in dem Band „Joseph Beuys – Lenbachhaus und Schenkung Lothar Schirmer“.

15 plastische Originalarbeiten von Joseph Beuys aus dessen Frühwerk (darunter auch die legendäre „Badewanne“) hat Schirmer der Galerie geschenkt, zwei weitere Objekte und großformatige Fotografien mit verlorenen plastischen Situationen als Dauerleihgaben überlassen. Wer nach München kommt, sollte sich die erstmals gemeinsam ausgestellten Objekte und Environments in den neuen Räumen anschauen. In der Publikation aber, die alle Beuys-Objekte in ganzseitigen Reproduktionen bedenkt und überdies fünf frühe Originalinterviews von Joseph Beuys enthält, passiert etwas anderes.

Wer Lothar Schirmers Text mit dem schlichten Titel „Kleine Geschichte der Beuys Sammlung“ liest, der erfährt nicht nur etwas über den Sammler und seine Leidenschaft, darüber, wie seine Begeisterung für Beuys erwachte, obgleich die Zeichnungen, die der damals 19Jährige auf der documenta III sah, ihn abstießen. Dem Leser wird – besonders in Schirmers Beschreibungen einzelner Werke – auch auf unverkrampfte, luftig-leichte und doch präzise Weise eine Lektion in Sachen Beuys zuteil.

Was bei einem als eher sperrig und romantisch, wenn nicht gar mystisch und verschroben geltenden Künstler alles andere als selbstverständlich ist. So erfährt man zum Beispiel, wie sich Beuys in dem „kleinen Schaf“ (Ohne Titel, 1949) langsam von seinem Lehrer Ewald Mataré emanzipiert und in den „großen, wie Doppelkristalle ausgebildeten Ohren“ das „Hören als sinnlichen Vorgang vor allen anderen“ zu akzentuieren scheint. Oder, was die „Badewanne“ (und den „Ofen“) als Fall angeht, wie verantwortungslos die Stadt Leverkusen agierte, nachdem das Objekt als Leihgabe für eine Ausstellung in den städtischen Museen 1973 schon vor der Eröffnung „gereinigt“, sprich ruiniert worden war – samt aller juristischen Folgen. „1977 hat Beuys dann“, so Schirmer, „nach der Vorstellung eines Multiples in einer Münchner Galerie, in einer langen, arbeitsreichen Nacht und am folgenden Vormittag sowohl den „Ofen“ als auch die Badewanne wiederhergestellt.“ Und zu Beuys’ „Hasengrab“ (1962-67) notiert Schirmer am Ende kurz und knapp: „Der Normalverbraucher würde im „Hasengrab“ vielleicht einen Abfallhaufen vermuten, aber Vorsicht: im anthroposophischen Kunstverständnis von Joseph Beuys gibt es die Kategorie Abfall nicht. Alles ist zuerst Material und letztlich Substanz.“

Joseph Beuys
Lenbachhaus und Schenkung Lothar Schirmer
Mit Texten von Joseph Beuys, Helmut Friedel u. Lothar Schirmer
152 Seiten, 111 farbige Abbildungen
Verlag Schirmer/Mosel
49,80 Euro



MEHR auf Stylepark:

N minus X – Lesen bildet, Teil 1: Wenn ein neues Jahr beginnt, befällt einen eine seltsame Unruhe. Als gelte es, einen Virus zu bekämpfen, fängt man an, aufzuräumen
(15. Januar 2014)

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(19. Januar 2014)