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Pink mit Musik
von Ralf Wollheim | 14. April 2011
„nhow"? Der merkwürdige Name des neuen Hotels – gesprochen now – bezieht sich auf die spanische Hotelkette „nh", die europaweit Businesshotels betreibt. Für zwei sehr spezielle Standorte – die Via Tortona in Mailand und den Berliner Osthafen – entwickelten die Hoteliers Konzepte für „nhow"-Hotels, die nicht allein auf Übernachtungen, sondern auch auf Events ausgerichtet sind. Dafür entstanden großzügige und vor allem flexible Veranstaltungsbereiche, die überdies auf ein spektakuläres Design setzen. In Berlin können, mit einem Panoramablick auf die Spree, Modenschauen, Pressekonferenzen, Produktpräsentationen und Konzerte stattfinden. Die richtigen Nachbarn dafür hat das nhow schon. Die Musiksender MTV und Viva, das Label Universal Music und zahlreiche Schauräume bekannter Modelabels und Designfirmen sind in den letzten Jahren an die Spree gezogen. Auch Designmai, Fashion Week und Popkomm entdeckten diesen sehr speziellen Ort schon vor einigen Jahren.

Dabei ist der Berliner Osthafen eigentlich keine Adresse für ein Vier-Sterne-Hotel. Er liegt weit entfernt von den verschiedenen Zentren der Stadt, er ist meist menschenleer und kein eleganter Boulevard, kein bürgerlicher Szene-Kiez liegt in der Nähe. Aber die alten Lagerhäuser entlang der Spree versprühen einen rauen und recht großstädtischen Charme. Mitten in der Stadt öffnet sich hier plötzlich ein weites Panorama entlang der breit dahin fließenden Spree – und der Horizont reicht auf einmal weiter als nur bis zur nächsten Häuserecke. In deutlichem Kontrast zu dieser großzügigen Weite stehen die riesigen, blockhaften Speicherhäuser auf beiden Seiten des Flusses. An dem monumentalen Charakter dieser alten Gebäude, hinter deren dicken Mauern früher verderbliche Waren und Getreide gelagert wurden, orientierte sich der Entwurf für das neue Hotel.

Die Architekten von nps tchoban voss wählten beige-graue Klinker als Material für die Fassaden, die sich gut in das historische Ensemble einfügen. Auch die kantige Formensprache passt zu den Nachbarbauten und lässt den Neubau auf den ersten Blick als geschlossenen Block erscheinen. Dabei besteht das Gebäude aus einem L- und einem U-förmigen Teil, die sich auf einer zweigeschossigen Sockelzone zur Spree hin öffnen. Beide Gebäudeflügel werden an der stark befahrenen Stralauer Allee durch einen etwas zurückgesetzten gläsernen Trakt verbunden, der zugleich den Eingang des Hotels markiert. Hier wirkt der Neubau ähnlich massiv und kompakt wie die benachbarten Speicherhäuser. Ein metallverkleideter Block, der auf dem Klinkerbau ruht, fällt nicht weiter auf.

Auf der Spreeseite hingegen ragt der so genannte „Upper Tower" 21 Meter weit über die Fassade hinaus. Sehr spektakulär schwebt dieser Trakt ganz ohne Stützen in der Luft und wirkt durch seine die Spree spiegelnde Aluminiumverkleidung völlig schwerelos. Wandscheiben aus Stahlbeton tragen diesen Gebäudeteil, der an Kranbauten in Hafenanlagen erinnert. Ein Fabrikgebäude auf dem gegenüberliegen Kreuzberger Spreeufer wurde auf ähnliche, aber statisch weniger komplizierte Weise aufgestockt. Will Alsop hat solche horizontalen Erweiterungen bereits im Düsseldorfer Hafen vorgeführt, MVRDV bei einem Wohngebäude in Amsterdam; und dennoch verblüffen diese weit auskragenden Konstruktionen immer wieder aufs Neue. Im nhow sind in diesem „Überbau" zwei Tonstudios – eines digital, das andere analog – sowie eine exklusive Suite untergebracht. Die Aufnahmeräume – in Kooperation mit den legendären Hansastudios –, ein Gitarren-Roomservice, IPod-Anschlüsse in den über 300 Zimmern sowie unzählige Musikvideos auf den Hotelfernsehkanal sollen das nhow als erstes „Musikhotel" etablieren.

Das Hotel setzt aber nicht nur auf Musiker und Groupies als Gäste. Das Sockelgeschoss ist für Veranstaltungen aller Art gerüstet. Als Kontrast zu den massiv wirkenden Klinkerwänden ist die Basis großzügig verglast und aus den Konferenzräumen, der Lobby und dem Restaurantbereich bietet sich eine weite Panoramasicht auf die Spree. Wenn der Blick nicht von der Einrichtung abgelenkt wird. Denn im nhow hat man auch auf spektakuläres Design gesetzt. In einer Stadt, in der beinahe jeden Monat ein neues großes Hotel aufmacht, soll die Gestaltung für den entscheidenden Unterschied sorgen und vor allem Aufmerksamkeit erzeugen. Dafür wurde Karim Rashid beauftragt. Er hat – von dem vierzehn Meter langen Empfangstresen, der Einrichtung der Zimmer bis hin zur Bettwäsche – jedes erdenkliche Detail gestaltet. Im Geiste eines Verner Panton oder Luigi Colani dominieren hier Farbe und organische Formen – ergänzt um grafische Details, die auf das Computerzeitalter verweisen.

In Berlin hat sich das „rosa Hotel" schnell herumgesprochen, denn in fast jedem Raum taucht die Farbe Pink auf, auch wenn die Gestaltung jedes Hotelflügels einem anderen Farbschema folgt. Die Reaktionen auf die teilweise extreme Farbigkeit, zum Beispiel in den einfarbigen, strahlend hellen Fahrstühlen oder in den rosa- oder pinkfarben Bädern, sind so unterschiedlich wie die Geschmäcker. Äußerst gelungen ist das Restaurant in dem viel Weiß, grasgrüne Details und eine pinkfarbene Wand einen durchaus stimmigen Akkord bilden. Elegante Kühle trifft auf kräftige Farben, der Komplementärkontrast erzeugt bei aller Intensität von Grün und Pink aber einen harmonischen Eindruck. In anderen Räumen wurden weitere abgetönte Farben, digitale Muster sowie unterschiedliche Materialien ergänzt, wodurch die Kombinationen häufig beliebig oder sogar planlos zusammengewürfelt wirken.

Inneneinrichtung und Architektur arbeiten hier eher gegeneinander. Die klare, kubische Formensprache von nps tchoban voss kontrastiert deutlich mit der runden, organisch geschwungenen Einrichtung. Das kann einen schönen Kontrast ergeben, wie bei dem langen Empfangstresen, der frei in der Lobby steht und dem Raum eine gewisse Großzügigkeit verleiht. Im Loungebereich dagegen wirken die organisch geschwungenen Sitzgruppen recht verloren. Zu hoch und zu weit ist der Raum. Zusätzlich ignoriert die Anordnung im Kreis den Ausblick auf die Spree. Der anschließende Barbereich wiederum wirkt so überfüllt, dass man sofort mit dem Möbelrücken anfangen möchte. Es entsteht der Eindruck, dass alles nur am Computer entworfen wurde, ohne Bezug zum realen Raum. Auch viele Möbel – besonders die Vitrinen mit ihren frei geformten Ausschnitten, die Raumteiler in den Suiten und die Waschtische – wirken nur auf den ersten Blick organisch. In Wahrheit sind die Entwürfe offensichtlich nur zweidimensional gedacht – und wirken entsprechend flach. Die Grenzen zwischen Computersimulation und physischer Realität sind eben doch nicht fließend. Ein Gespür für räumliche Qualitäten kann auch Karim Rashid am Rechner nicht simulieren.

www.nhow-hotels.com/berlin
nhow Hotel an der Spree, Architekten: nps tchoban voss
Restaurant
Restaurant
Restaurant
Rezeption
Livingroom von der Suite
nhow Hotel in Berlin, Ansicht der Bar, gestaltet von Karim Rashid
Die Bar vom nhow Hotel
Lobbylounge
Lobbylounge
Lobby
Meetinglounge
Standardzimmer mit Blick ins Bad
Soundstudio