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Spanische Spitzen
von Adeline Seidel | 11. Mai 2015
Die neue Philharmonie im polnischen Stettin von Barozzi / Veiga Architekten hat den Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe-Preis 2015 gewonnen. Foto © Simon Menges
Bei manchen Architekturpreisen ist es so, dass man als Architekt bereits stolz sein kann, wenn das eigene Projekt zu jenen gehört, die in die engere Auswahl gekommen sind. Eine solche Auszeichnung ist der „Mies van der Rohe Award“, den die Europäische Union in Zusammenarbeit mit der Fundaciò Mies van der Rohe alle zwei Jahre für herausragende zeitgenössische Bauten in Europa vergibt. Was mit Spannung erwartet wurde, ist nun von der hochkarätigen Jury entschieden: Der erste Preis geht an die Philharmonie im polnischen Stettin – ein geisterhafter Bau, den die Architekten Alberto Veiga und Fabrizio Barozzi – gemeinsam sind sie Barozzi Veiga – entworfen haben. Mit ihrer strahlend weißen Silhouette aus spitzen Türmen, die dicht aneinander gedrängt miteinander zu verschmelzen scheinen, umfasst der Bau einen Konzertsaal für 1.000 Zuschauer, einen kleineren für Kammermusik sowie einen großzügigen Bereich mit Cafeteria, der in den kalten Jahreszeiten mitunter als öffentlicher Raum für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt wird.

Gewinner in der Kategorie „Emerging Architects“ – also die Youngster-Sektion – ist das spanische Büro Arquitectura-G, die mit ihrem Wohnhaus „Casa Luz“ die Jury überzeugten. Hinter Arquitectura-G stehen Jonathan Arnabat, Jordi Ayala-Bril, Aitor Fuentes und Igor Urdampilleta, die allesamt zwischen 34 und 40 Jahre alt sind. Das Haus von knapp 80 Quadratmetern befindet sich im spanischen Ort Cilleros in der Extremadura unweit der portugiesischen Grenze. Die Architekten nutzten die auf dem Grundstück vorhandenen, alten Steinmauern und integrierten diese in einen Neubau. Um auch die Birke auf dem Baugrund zu erhalten, formten Arquitectura-G um sie herum einen Innenhof, der nun den Mittelpunkt des Hauses bildet.

Heimspiel in Barcelona

Die Preisverleihung am 8. Mai im Mies’schen Barcelona Pavillon war für die Preisträger ein Heimspiel – stammen doch beide Büros aus Barcelona. Der „European Union Prize for Contemporary Architecture – Mies van der Rohe Award“ gilt mit einem Preisgeld in der Höhe von 60.000 Euro für den ersten Platz und 20.000 Euro für den Gewinner der Kategorie „Emerging Architect“ als einer der renommiertesten europäischen Architekturpreise. Wohl auch, weil die Projekte der Jury von unabhängigen Fachleuten, Mitgliedern des Europäischen Architektenrates, nationaler Architektenverbände und dem Beratungsausschuss vorgeschlagen werden. So gab es in diesem Jahr 420 Einreichungen aus 36 europäischen Ländern.

Beide Gewinner-Projekte gehen äußerst sensibel mit dem Bestand um. Während Barozzi Veiga mit der neuen Philharmonie das städtische Leben in den Bau integrieren und gleichzeitig ein kraftvolles , aber dennoch leichtes und unaufdringliches Monument für die Stadt geschaffen haben, zeigen Arquitectura-G mit ihrer „Casa Luz“ nicht nur, dass gute Architektur mit knapp 500 Euro pro Quadratmeter auch günstig sein kann, sondern auch den respektvollen und klugen Umgang mit der historischen Substanz des Ortes, ohne dabei die Vergangenheit zu romantisieren.


www.miesarch.com
www.barozziveiga.com
www.arquitectura-g.com
Die neue Philharmonie befindet sich auf dem Grundstück des alten Konzerthauses, das während des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde. Foto © Simon Menges
Das großzügige Foyer kann auch als Ort für Events genutzt werden und wird an kalten Tagen zu einem öffentlichen Raum in der Stadt. Foto © Simon Menges
Die äußere Nüchternheit und der schlichte Aufbau der inneren Durchgangsräume stehen im Kontrast zu dem ausdrucksstarken Hauptsaal und dem mit Gold getäfelten Konzertraum.
Foto © Simon Menges
Querschnitt durch den Konzertsaal. Zeichnung © Barozzi / Veiga
Links: Grundriss 2. Etage Philharmonie. Zeichnung © Barozzi / Veiga || Rechts: Tagsüber wirkt der Körper nüchtern-weiß – in der Nacht hingegen wird der Bau durch die transluzente Glasfassade zu einem Leuchtobjekt. Foto © Simon Menges
Der "Emerging Architect" Preis ging an das katalanische Studio Arquitectura-G für sein "Haus Luz", ein Einfamilienhaus, das auf den Umbau einer bestehenden Struktur in dem spanischen Ort Cilleros zurückging. Foto © José Hevia
Die alten Mauern auf dem Grundstück blieben erhalten – die neue Struktur haben die Architketen dazwischen eingefügt. Fotos © José Hevia
Rund um einen Hof sind vier Etagen mit verschiedenen Nutzungen arrangiert – mit einer anderen Nutzung: Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer 1 und Schlafzimmer 2.
Zeichnungen © Arquitectura-G
Der Innenhof wird von einer Birke dominiert – so hat man von den Wohnbereichen immer eine Blick ins Grüne. Foto © José Hevia
Luz, der Besitzer, wollte ein Haus mit viel Tageslicht. Im ursprünglichen Zustand fehlte es dem Haus an natürlichem Licht und einer ausreichenden Belüftung. Diese Faktoren, zusammen mit einem extrem niedrigen Budget, führten dazu, das Projekt so simpel wie möglich zu gestalten. Fotos © José Hevia
Architektur › 2015 › Mai
Spanische Spitzen
von Adeline Seidel | 11. Mai 2015
Der Gewinner des „Mies van der Rohe Award“ steht fest: Die Philharmonie im polnischen Stettin von Barozzi Veiga. Der erste Preis der Kategorie „Emerging Architect“ geht an Arquitectura-G mit ihrer „Casa Luz“ im spanischen Cilleros.
Bei manchen Architekturpreisen ist es so, dass man als Architekt bereits stolz sein kann, wenn das eigene Projekt zu jenen gehört, die in die engere Auswahl gekommen sind. Eine solche Auszeichnung ist der „Mies van der Rohe Award“, den die Europäische Union in Zusammenarbeit mit der Fundaciò Mies van der Rohe alle zwei Jahre für herausragende zeitgenössische Bauten in Europa vergibt. Was mit Spannung erwartet wurde, ist nun von der hochkarätigen Jury entschieden: Der erste Preis geht an die Philharmonie im polnischen Stettin – ein geisterhafter Bau, den die Architekten Alberto Veiga und Fabrizio Barozzi – gemeinsam sind sie Barozzi Veiga – entworfen haben. Mit ihrer strahlend weißen Silhouette aus spitzen Türmen, die dicht aneinander gedrängt miteinander zu verschmelzen scheinen, umfasst der Bau einen Konzertsaal für 1.000 Zuschauer, einen kleineren für Kammermusik sowie einen großzügigen Bereich mit Cafeteria, der in den kalten Jahreszeiten mitunter als öffentlicher Raum für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt wird.

Gewinner in der Kategorie „Emerging Architects“ – also die Youngster-Sektion – ist das spanische Büro Arquitectura-G, die mit ihrem Wohnhaus „Casa Luz“ die Jury überzeugten. Hinter Arquitectura-G stehen Jonathan Arnabat, Jordi Ayala-Bril, Aitor Fuentes und Igor Urdampilleta, die allesamt zwischen 34 und 40 Jahre alt sind. Das Haus von knapp 80 Quadratmetern befindet sich im spanischen Ort Cilleros in der Extremadura unweit der portugiesischen Grenze. Die Architekten nutzten die auf dem Grundstück vorhandenen, alten Steinmauern und integrierten diese in einen Neubau. Um auch die Birke auf dem Baugrund zu erhalten, formten Arquitectura-G um sie herum einen Innenhof, der nun den Mittelpunkt des Hauses bildet.

Heimspiel in Barcelona

Die Preisverleihung am 8. Mai im Mies’schen Barcelona Pavillon war für die Preisträger ein Heimspiel – stammen doch beide Büros aus Barcelona. Der „European Union Prize for Contemporary Architecture – Mies van der Rohe Award“ gilt mit einem Preisgeld in der Höhe von 60.000 Euro für den ersten Platz und 20.000 Euro für den Gewinner der Kategorie „Emerging Architect“ als einer der renommiertesten europäischen Architekturpreise. Wohl auch, weil die Projekte der Jury von unabhängigen Fachleuten, Mitgliedern des Europäischen Architektenrates, nationaler Architektenverbände und dem Beratungsausschuss vorgeschlagen werden. So gab es in diesem Jahr 420 Einreichungen aus 36 europäischen Ländern.

Beide Gewinner-Projekte gehen äußerst sensibel mit dem Bestand um. Während Barozzi Veiga mit der neuen Philharmonie das städtische Leben in den Bau integrieren und gleichzeitig ein kraftvolles , aber dennoch leichtes und unaufdringliches Monument für die Stadt geschaffen haben, zeigen Arquitectura-G mit ihrer „Casa Luz“ nicht nur, dass gute Architektur mit knapp 500 Euro pro Quadratmeter auch günstig sein kann, sondern auch den respektvollen und klugen Umgang mit der historischen Substanz des Ortes, ohne dabei die Vergangenheit zu romantisieren.


www.miesarch.com
www.barozziveiga.com
www.arquitectura-g.com