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Barber Osgerby haben unter dem Titel „Duble Space for BMW“ zwei rotierende Spiegelflügel unterhalb der Decke des Raphael-Saals im V&A Museum angebracht. Foto © London Design Festival
Spieglein, Spieglein an der Wand
von Antje Southern
26. September 2014
Spiegel waren auf dem diesjährigen London Design Festival (LDF) überall zu erblicken. Ob in kleinen Galerien, bei der Schau 100% Design oder in der Raffael-Galerie im Victoria & Albert Museum. Hier hat das Designerduo Barber Osgerby seine Installation mit dem Namen „Double Space for BMW” aufbauen lassen. Zwei sich um die Längsachse drehende Flügel – ähnlich denen von Flugzeugen – wurden unterhalb der Decke angebracht. Die spiegelnde Oberfläche der Flügel hatte eine leicht desorientierende Wirkung auf den Betrachter. Für einen kurzen Moment wurde er zur Schau gestellt und konnte von anderen Besuchern im Spiegel betrachtet werden. Die Gemälde an den Wänden wurden dabei in den Hintergrund gedrängt, verzerrt und waren zeitweilig doppelt zu sehen. Solche facettenreichen und kurzweiligen Seherlebnisse waren es auch, die das Festival ausmachten: An unterschiedlichen Orten wurden Designtalente, Ideen und Produkte vorgestellt. Wer möglichst viel auf dem LDF sehen wollte, der konnte Designern und Produkten lediglich einen Augenblick widmen.

Kaleidoskopische Eindrücke

„Serendipity” war das Motto der 100% Design, die in diesem Jahr ihr zwanzigjähriges Bestehen feierte. Gareth Williams, ehemaliger Dozent am Royal College, hat für die Schau die bekanntesten Produkte der vergangenen 20 Jahren der größten britischen Designmesse ausgewählt und präsentierte sie in verspiegelten Räumlichkeiten. Auch der Aufbau der Messe hatte etwas Kaleidoskopisches an sich: Große, etablierte Marken wurden neben jungen, neuen Marken präsentiert - innovative junge Designer, aber auch talentierte Studenten fanden ebenso einen Platz im „SCIN’s materials landscape” wie im „Making Carousel”. Eine ähnliche Mischung aus jung und etabliert war an allen Standorten zu finden und ließ eine eklektische Sammlung von Ansätzen und Disziplinen entstehen.

Räume doppelt sehen

Spiegel waren das Hauptgestaltungselement mit dem der Architekt John Soane den begrenzten Raum seines kleinen georgianischen Stadthauses schmückte. Sein meisterliches Geschick, mit dem er den Räumen trotz des dunklen englischen Interieurs eine Atmosphäre aus Licht und Großräumigkeit verlieh, hatte eine Reihe von aktuellen Entwürfen inspiriert, die im Sir John Soane’s Museum gezeigt wurden. Darunter die Hängeleuchte „King Edison” von Mineheart, Sebastian Bergnes „Flame Lamp” und Ab Rogers und Min San Chos kinetische Leuchte „Love is still alive”. „Mirror 6”, eine Installation der Marke Tiipoi, reflektierte die Umgebung der Leuchte. Tiipoi war, wie zahlreiche andere Hersteller, an unterschiedlichen Standorten des Festivals vertreten: So stellte man zeitgleich bei „Designjunction“ – der Festivalort nimmt die Gesamtfläche einer leerstehenden Sortierstelle gegenüber dem Britischen Museum ein – die neue Kollektion von Metallgeschirr vor.

Die Zukunft des Reisens

Im Eingangsbereich der Designjunction zeigte die Automarke Mini „Visionen der Mobilität von morgen“, wie es in der Pressemitteilung heißt und beauftragte hierfür sechs junge Designer. Ausgehend vom neuen Modell „Mini Hatch“ sollten diese der Frage nachgehen, wie das Design und neue Technologien die Welt des Reisens verändern würden. Pernila Ohrstedts virtuelle Reise durch 3D-kartografierte Städte mündete in einer digitalen Reproduktion des Ausstellungsraumes der Designjunction. Matthew Plummer-Fernandez hingegen personalisierte das Fahrerlebnis und erfand eine Figur für das smarte Armaturenbrett, die mit dem GPS-System des Autos verbunden ist und dem Fahrer auf sein Fahrverhalten und sein Tempo abgestimmte Tipps gibt. Designer Dominic Wilcox hatte ein Auto mit bleiverglasten Fenstern, die der Kathedrale von Durham nachempfunden sind, und mit einem integrierten Bett vorgestellt. Das Fahrzeug funktioniert völlig eigenständig und ist zugleich ein einzigartiges Kunstwerk. Daisy Ginsberg hatte in einer Werkstatt am Royal College of Art 112 Miniaturautos entworfen und ein „Modell-Ökosystem” aus Fahrzeugen entwickelt. In diesem Zusammenhang untersuchte sie, ob Autos sich wie Organismen verhalten können: Wären Autohersteller in der Lage, biologische oder genetisch modifizierte Materialien im Autodesign zu verwenden, könnte das Auto der Zukunft auf Klimaveränderungen reagieren, seine Materialien und Fähigkeiten verändern.

Die Alchemie der Materialien

Während die Top-Programmierer in der Ausstellung „Tokyo Imagine” auf der Tent London mit den Möglichkeiten digitaler Technologien spielten, sehnte sich eine junge Designgeneration nach nachhaltigen Produkten. Wie mittelalterliche Alchemisten erkundeten die Absolventen des Abschlussprogramms „Material Futures” am Central St. Martins College of Art and Design (CSM) die Eigenschaften von Materialien. Die CSM-Absolventin Ella Buley experimentiert zum Beispiel mit Zuckerrohr und Bioharzen, um biologisch abbaubare Fliesen und Schüsseln herzustellen, die wie Ton geknetet werden können. Ähnliche Beispiele finden sich auf der Messe 100% Design am Earls Court oder auch in schicken Designgalerien wie Mint und Aram.
Wie etablierte Designer sich die besonderen Eigenschaften von Materialien und Herstellungstechniken zu eigen machen, ist Thema der kleinen Ausstellung „Austurland: Designs from Nowhere” in einem Pop-up-Space von „Spark Design Space“, einer Galerie aus Reykjavik. Jeder Designer durchlief einen intensiven Lernprozess, um sich mit dem Potenzial der Materialien vertraut zu machen. Þórunn Árnadóttirs „Skip Ahoy”, eine Sammlung von Springseilen, Hula-Hoop-Reifen und Tragetaschen, entspringt einer Kooperation mit einer Fabrik, die in Eskifjörður Netze herstellt. Julia Lohman experimentierte mit der Lichtdurchlässigkeit und Geschmeidigkeit von Meeresalgen und stellt daraus Lampenschirme und Gefäße her.

Das sanfte Leuchten

Die Installation „Candela” des Produktdesigner Felix de Pass, des Grafikdesigners Michael Montgomery und des Keramikers Ian McIntyre im V&A veranschaulichte, wie das Museum die interdisziplinäre Zusammenarbeit unterstützt. Die Gestalter haben eine sich rotierende Maschine mit einer flachen, an das Ziffernblatt einer Uhr erinnernde Oberfläche entwickelt. Diese besteht aus einem fotolumineszenten Material, das durch aufeinander folgende LED-Lichtblitze aufgeladen wird und in der Drehbewegung ein sanftes Nachleuchten erzeugt. Der Fokus auf dem LDF lag auf der leidenschaftlichen Beschäftigung mit Materialien. So verliebte sich Jeremy Maxwell Wintrebert in die einzigartigen, mundgeblasenen Glaszylinder der Glashütte Lamberts in Waldsassen in Deutschland, aus denen im Auftrag des V&A und in Zusammenarbeit mit der Champagner-Marke Perrier-Jouët eine aufwendige Installation mit farbigen Glaszylindern entstand.

Die Wunschliste

Das Projekt „Wish List”, das ebenfalls im V&A gezeigt wurde, wurde gemeinsam vom LDF und dem American Hardwood Export Council organisiert. Im Rahmen dieses Projekts sollen die Designer Objekte aus amerikanischem Hartholz entwerfen. Hierfür wählten zehn etablierte Designer zehn junge Designtalente aus, die für ihre Mentoren ein Produkt entwerfen sollten, das die „alten Hasen“ schon immer einmal besitzen wollten. Norman Foster bat um einen Bleistiftspitzer aus möglichst preiswertem Holz, während Terence Conran sich einen privaten Arbeitsplatz wünschte – Sebastian Cox baute ihm einen abgerundeten Wandschirm, geflochten aus Streifen von Roteichenholz, die in jenem Fluss gewässert wurden, der durch das Grundstück von Terence Conrans Landhaus fließt. Dieser lokale Bezug ist ein wichtiger Aspekt in der Arbeit von Sebastian Cox, der an seinem Stand im Rahmen von Tent London Haselnüsse knackte. Cox arbeitet mit der Prämisse, nur Holz von Bäumen zu verwenden, die er auch selbst gefällt hat. So entstehen zum Beispiel Tischbeine aus Ästen, an denen sich noch die Baumrinde befindet.

Die verstärkte Beschäftigung mit Materialeigenschaften verändert kreative Prozesse, das hat das Beispiel „Drop Umbrella” und andere Abschlussarbeiten gezeigt. Der interdisziplinäre Austausch zwischen Wissenschaft und Design macht solch erstaunliche Projekte wie „Candela” und „Mini Frontiers“ möglich. Barber Osgerbys „Double Space for BMW” zeigt, wie die ausgewogene Beziehung zwischen einer Marke und einem Designer die Entwicklung eines Objekts ermöglicht, welches sich auf seine Umgebung bezieht und diese, ohne sie anzutasten, verwandelt. Durch die Liaison zwischen etablierten und jungen Designern und die Unterstützung von Zulieferern und Herstellern konnten im Rahmen von „Wish List“ überzeugende neue Produkte aus Holz entstehen. Die Zusammenarbeit an Projekten hatte auf dem diesjährigen LDF einen besonderen Stellenwert und verdeutlicht, dass ein offener und respektvoller Dialog, der traditionelle Techniken und fortschrittliche Technologien mit einschließt, neue Designstrategien für die Zukunft eröffnen kann.


www.londondesignfestival.com


MEHR auf Stylepark:

Zuhause – was ist das? Auf dem Trafalgar Square vor der National Gallery wurden vier Häuschen von Jasper Morrison, Raw Edges, Ilse Crawford und Patternity für das Projekt „A Place Called Home“ errichtet.
(25. September 2014)
Lichtinstallation von Daniel Libeskind am Eingang der Ausstellung „100% Design“ am Earls Court. Foto © 100% Design
Eingang zu der Ausstellung „100% Design, gestaltet von Studio Design UK. Foto © 100% Design
„Maker space” auf der „100% Design“-Schau, die dieses Jahr ihr zwanzigstes Jubiläum feierte. Foto © 100% Design
Ein Hocker zum mitnehmen. Foto © 100% Design
Für das „Mini Frontiers”-Projekt präsentiert Dominic Wilcox seine Vorstellung vom „driverless car” – inspiriert von Tiffany Leuchten und inclusive Bett. Foto © Antje Southern
„Tokyo Imagine” auf der Tent: Festoon Island experimentieren mit digitaler Ikebana Kunst. Foto © Antje Southern
Central St Martin’s Absolventin Ella Bulley stellt aus Rohrzucker und Harz recyclefähiges Geschirr her. Foto © Antje Southern
„Austurland: Designs from Nowhere” in South Kensington zeigt die „Skip Ahoy” Kollektion des Isländers Þórunn Árnadóttir. Foto © Antje Southern
Aram Gallery: „Pernilla” Holzschuhe von Cat Potter, der dafür 3D-Technologien verwendet. Foto © Antje Southern
Jeremy Maxwell Wintrebert kooperierte für diese Installation aus mundgeblasenen Glaszylindern mit der deutschen Firma Lamberts Glass, zu sehen im V&A. Foto © London Design Festival
Zaha Hadid enthüllte zum London Design Festival ihre Installation „Crest” im Garten des V&A. Foto © London Design Festival
Die “Wish List” im V&A: Sebastian Cox kreierte einen gebogenen Paravent für das Landhaus von Terence Conran. Foto © London Design Festival
Felix de Pass, Michael Montgomery und Ian McIntyre haben eine rotierende Maschine erfunden, die auf die Uhren des Sponsors Officine Panerai verweist. Foto © London Design Festival
“Military Sectret” von James Rigler. Foto © London Design Festival
News & Stories › 2014 › September
Spieglein, Spieglein an der Wand
von Antje Southern | 26. September 2014
Mit Sebastian Cox Holz hacken, sich in Barber Osgerbys riesigen Deckenspiegeln betrachten und die Zukunft der Mobilität durch Bleiglasfenster sehen. Neben solchen Attraktionen bot das diesjährige London Design Festival auch spannende Teamkonstellationen.
Spiegel waren auf dem diesjährigen London Design Festival (LDF) überall zu erblicken. Ob in kleinen Galerien, bei der Schau 100% Design oder in der Raffael-Galerie im Victoria & Albert Museum. Hier hat das Designerduo Barber Osgerby seine Installation mit dem Namen „Double Space for BMW” aufbauen lassen. Zwei sich um die Längsachse drehende Flügel – ähnlich denen von Flugzeugen – wurden unterhalb der Decke angebracht. Die spiegelnde Oberfläche der Flügel hatte eine leicht desorientierende Wirkung auf den Betrachter. Für einen kurzen Moment wurde er zur Schau gestellt und konnte von anderen Besuchern im Spiegel betrachtet werden. Die Gemälde an den Wänden wurden dabei in den Hintergrund gedrängt, verzerrt und waren zeitweilig doppelt zu sehen. Solche facettenreichen und kurzweiligen Seherlebnisse waren es auch, die das Festival ausmachten: An unterschiedlichen Orten wurden Designtalente, Ideen und Produkte vorgestellt. Wer möglichst viel auf dem LDF sehen wollte, der konnte Designern und Produkten lediglich einen Augenblick widmen.

Kaleidoskopische Eindrücke

„Serendipity” war das Motto der 100% Design, die in diesem Jahr ihr zwanzigjähriges Bestehen feierte. Gareth Williams, ehemaliger Dozent am Royal College, hat für die Schau die bekanntesten Produkte der vergangenen 20 Jahren der größten britischen Designmesse ausgewählt und präsentierte sie in verspiegelten Räumlichkeiten. Auch der Aufbau der Messe hatte etwas Kaleidoskopisches an sich: Große, etablierte Marken wurden neben jungen, neuen Marken präsentiert - innovative junge Designer, aber auch talentierte Studenten fanden ebenso einen Platz im „SCIN’s materials landscape” wie im „Making Carousel”. Eine ähnliche Mischung aus jung und etabliert war an allen Standorten zu finden und ließ eine eklektische Sammlung von Ansätzen und Disziplinen entstehen.

Räume doppelt sehen

Spiegel waren das Hauptgestaltungselement mit dem der Architekt John Soane den begrenzten Raum seines kleinen georgianischen Stadthauses schmückte. Sein meisterliches Geschick, mit dem er den Räumen trotz des dunklen englischen Interieurs eine Atmosphäre aus Licht und Großräumigkeit verlieh, hatte eine Reihe von aktuellen Entwürfen inspiriert, die im Sir John Soane’s Museum gezeigt wurden. Darunter die Hängeleuchte „King Edison” von Mineheart, Sebastian Bergnes „Flame Lamp” und Ab Rogers und Min San Chos kinetische Leuchte „Love is still alive”. „Mirror 6”, eine Installation der Marke Tiipoi, reflektierte die Umgebung der Leuchte. Tiipoi war, wie zahlreiche andere Hersteller, an unterschiedlichen Standorten des Festivals vertreten: So stellte man zeitgleich bei „Designjunction“ – der Festivalort nimmt die Gesamtfläche einer leerstehenden Sortierstelle gegenüber dem Britischen Museum ein – die neue Kollektion von Metallgeschirr vor.

Die Zukunft des Reisens

Im Eingangsbereich der Designjunction zeigte die Automarke Mini „Visionen der Mobilität von morgen“, wie es in der Pressemitteilung heißt und beauftragte hierfür sechs junge Designer. Ausgehend vom neuen Modell „Mini Hatch“ sollten diese der Frage nachgehen, wie das Design und neue Technologien die Welt des Reisens verändern würden. Pernila Ohrstedts virtuelle Reise durch 3D-kartografierte Städte mündete in einer digitalen Reproduktion des Ausstellungsraumes der Designjunction. Matthew Plummer-Fernandez hingegen personalisierte das Fahrerlebnis und erfand eine Figur für das smarte Armaturenbrett, die mit dem GPS-System des Autos verbunden ist und dem Fahrer auf sein Fahrverhalten und sein Tempo abgestimmte Tipps gibt. Designer Dominic Wilcox hatte ein Auto mit bleiverglasten Fenstern, die der Kathedrale von Durham nachempfunden sind, und mit einem integrierten Bett vorgestellt. Das Fahrzeug funktioniert völlig eigenständig und ist zugleich ein einzigartiges Kunstwerk. Daisy Ginsberg hatte in einer Werkstatt am Royal College of Art 112 Miniaturautos entworfen und ein „Modell-Ökosystem” aus Fahrzeugen entwickelt. In diesem Zusammenhang untersuchte sie, ob Autos sich wie Organismen verhalten können: Wären Autohersteller in der Lage, biologische oder genetisch modifizierte Materialien im Autodesign zu verwenden, könnte das Auto der Zukunft auf Klimaveränderungen reagieren, seine Materialien und Fähigkeiten verändern.

Die Alchemie der Materialien

Während die Top-Programmierer in der Ausstellung „Tokyo Imagine” auf der Tent London mit den Möglichkeiten digitaler Technologien spielten, sehnte sich eine junge Designgeneration nach nachhaltigen Produkten. Wie mittelalterliche Alchemisten erkundeten die Absolventen des Abschlussprogramms „Material Futures” am Central St. Martins College of Art and Design (CSM) die Eigenschaften von Materialien. Die CSM-Absolventin Ella Buley experimentiert zum Beispiel mit Zuckerrohr und Bioharzen, um biologisch abbaubare Fliesen und Schüsseln herzustellen, die wie Ton geknetet werden können. Ähnliche Beispiele finden sich auf der Messe 100% Design am Earls Court oder auch in schicken Designgalerien wie Mint und Aram.
Wie etablierte Designer sich die besonderen Eigenschaften von Materialien und Herstellungstechniken zu eigen machen, ist Thema der kleinen Ausstellung „Austurland: Designs from Nowhere” in einem Pop-up-Space von „Spark Design Space“, einer Galerie aus Reykjavik. Jeder Designer durchlief einen intensiven Lernprozess, um sich mit dem Potenzial der Materialien vertraut zu machen. Þórunn Árnadóttirs „Skip Ahoy”, eine Sammlung von Springseilen, Hula-Hoop-Reifen und Tragetaschen, entspringt einer Kooperation mit einer Fabrik, die in Eskifjörður Netze herstellt. Julia Lohman experimentierte mit der Lichtdurchlässigkeit und Geschmeidigkeit von Meeresalgen und stellt daraus Lampenschirme und Gefäße her.

Das sanfte Leuchten

Die Installation „Candela” des Produktdesigner Felix de Pass, des Grafikdesigners Michael Montgomery und des Keramikers Ian McIntyre im V&A veranschaulichte, wie das Museum die interdisziplinäre Zusammenarbeit unterstützt. Die Gestalter haben eine sich rotierende Maschine mit einer flachen, an das Ziffernblatt einer Uhr erinnernde Oberfläche entwickelt. Diese besteht aus einem fotolumineszenten Material, das durch aufeinander folgende LED-Lichtblitze aufgeladen wird und in der Drehbewegung ein sanftes Nachleuchten erzeugt. Der Fokus auf dem LDF lag auf der leidenschaftlichen Beschäftigung mit Materialien. So verliebte sich Jeremy Maxwell Wintrebert in die einzigartigen, mundgeblasenen Glaszylinder der Glashütte Lamberts in Waldsassen in Deutschland, aus denen im Auftrag des V&A und in Zusammenarbeit mit der Champagner-Marke Perrier-Jouët eine aufwendige Installation mit farbigen Glaszylindern entstand.

Die Wunschliste

Das Projekt „Wish List”, das ebenfalls im V&A gezeigt wurde, wurde gemeinsam vom LDF und dem American Hardwood Export Council organisiert. Im Rahmen dieses Projekts sollen die Designer Objekte aus amerikanischem Hartholz entwerfen. Hierfür wählten zehn etablierte Designer zehn junge Designtalente aus, die für ihre Mentoren ein Produkt entwerfen sollten, das die „alten Hasen“ schon immer einmal besitzen wollten. Norman Foster bat um einen Bleistiftspitzer aus möglichst preiswertem Holz, während Terence Conran sich einen privaten Arbeitsplatz wünschte – Sebastian Cox baute ihm einen abgerundeten Wandschirm, geflochten aus Streifen von Roteichenholz, die in jenem Fluss gewässert wurden, der durch das Grundstück von Terence Conrans Landhaus fließt. Dieser lokale Bezug ist ein wichtiger Aspekt in der Arbeit von Sebastian Cox, der an seinem Stand im Rahmen von Tent London Haselnüsse knackte. Cox arbeitet mit der Prämisse, nur Holz von Bäumen zu verwenden, die er auch selbst gefällt hat. So entstehen zum Beispiel Tischbeine aus Ästen, an denen sich noch die Baumrinde befindet.

Die verstärkte Beschäftigung mit Materialeigenschaften verändert kreative Prozesse, das hat das Beispiel „Drop Umbrella” und andere Abschlussarbeiten gezeigt. Der interdisziplinäre Austausch zwischen Wissenschaft und Design macht solch erstaunliche Projekte wie „Candela” und „Mini Frontiers“ möglich. Barber Osgerbys „Double Space for BMW” zeigt, wie die ausgewogene Beziehung zwischen einer Marke und einem Designer die Entwicklung eines Objekts ermöglicht, welches sich auf seine Umgebung bezieht und diese, ohne sie anzutasten, verwandelt. Durch die Liaison zwischen etablierten und jungen Designern und die Unterstützung von Zulieferern und Herstellern konnten im Rahmen von „Wish List“ überzeugende neue Produkte aus Holz entstehen. Die Zusammenarbeit an Projekten hatte auf dem diesjährigen LDF einen besonderen Stellenwert und verdeutlicht, dass ein offener und respektvoller Dialog, der traditionelle Techniken und fortschrittliche Technologien mit einschließt, neue Designstrategien für die Zukunft eröffnen kann.


www.londondesignfestival.com


MEHR auf Stylepark:

Zuhause – was ist das? Auf dem Trafalgar Square vor der National Gallery wurden vier Häuschen von Jasper Morrison, Raw Edges, Ilse Crawford und Patternity für das Projekt „A Place Called Home“ errichtet.
(25. September 2014)