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Stadtlandschaft mit Autoterrasse
von Fabian Peters | 6. September 2016
Foto © Constantin Meyer
Sie wurden erdacht von jenen Planern, die uns auch die sogenannte autogerechte Stadt beschert haben: die zahllosen Parkhäuser, die in den bundesdeutschen Innenstädten, oft an den Rändern gleichförmiger Fußgängerzonen, gebaut wurden. In vielen Fällen sind sie Zeugnisse der autobesessenen 1960er und 1970er Jahre. Die weitgehend ungestalteten Zweckbauten, die oftmals ohne Rücksicht in die historischen Stadtzentren gerammt wurden, sind Nicht-Orte, von denen gleichwohl eine eigentümliche Faszination ausgeht: In wie vielen Filmen etwa – oft sind es Krimis – bilden verlassene Parkdecks über den Dächern der Stadt die Kulisse für konspirative Treffen und geheime Geldübergaben.

Den spröden Charme dieser rein funktionalen Autoterrassen hat der Kölner Architekturfotograf Constantin Meyer in einer großangelegten Bilderserie festgehalten. In der Ausstellung „Parklandschaften“ in der Kölner Design Post werden diese Arbeiten vom 16. September an nun erstmals gezeigt.

Es sind eindrucksvolle Aufnahmen großer öder Asphaltflächen, die in scharfem Kontrast stehen zu der Dichte der sie umgebenden Innenstädte. Überraschende Perspektiven auf die umliegende Stadtlandschaft eröffnen in keinem Reiseführer verzeichnete Aussichtspunkte. Beinahe zum Greifen nah etwa türmt sich der Kölner Dom in einigen von Meyers Aufnahmen hinter den Betonbrüstungen der Parkdecks auf. Diese Bilder rufen ob der Gegensätzlichkeit der fast 800 Jahre alten Kathedrale und der ruinösen Nachkriegsbausubstanz vielfältige Assoziationen wach, dokumentieren Constantin Meyers Aufnahmen doch zugleich auch den allmählichen Verfall dieser innerstädtischen Autoregale. Während der Titel „Parklandschaften“ bukolische Gefühle beschwört, erweist sich die Realität leerer Parkdecks und abblätternder Fassaden als weit weniger idyllisch. Viele von Meyers Aufnahmen zeigen es oder lassen es erahnen: Die Tage der zwar fleißig genutzten, aber wenig geliebten Hochgaragen scheinen gezählt. Bald werden die meisten dieser Gebrauchsbauten, die nach wie vor unzertrennlich zur (west-)deutschen Alltagskultur gehören, verschwunden sein. Vielleicht werden wir, sollte das automobile Zeitalter tatsächlich seinem Ende entgegengehen, dereinst die letzten erhaltenen Parkhäuser mit jenem romantisch verklärten Blick betrachten, mit dem wir heute auf die Relikte des Dampflokzeitalters schauen. Constantin Meyers Fotografien setzen ihnen vorsorglich schon einmal ein Denkmal.

Parklandschaften

Design Post Köln
Mülheimer Str. 22a
50679 Köln
16. September bis 01. Oktober 2016
www.designpostkoeln.de
Foto © Constantin Meyer
Foto © Constantin Meyer
Foto © Constantin Meyer
Fotos © Constantin Meyer
Foto © Constantin Meyer
News & Stories › 2016 › September
Stadtlandschaft mit Autoterrasse
von Fabian Peters | 6. September 2016
„Parklandschaften“ heißt eine Ausstellung des Fotografen Constantin Meyer in der Kölner Design Post. Von Idylle ist auf seinen Aufnahmen von Parkhäusern wenig zu sehen.
Sie wurden erdacht von jenen Planern, die uns auch die sogenannte autogerechte Stadt beschert haben: die zahllosen Parkhäuser, die in den bundesdeutschen Innenstädten, oft an den Rändern gleichförmiger Fußgängerzonen, gebaut wurden. In vielen Fällen sind sie Zeugnisse der autobesessenen 1960er und 1970er Jahre. Die weitgehend ungestalteten Zweckbauten, die oftmals ohne Rücksicht in die historischen Stadtzentren gerammt wurden, sind Nicht-Orte, von denen gleichwohl eine eigentümliche Faszination ausgeht: In wie vielen Filmen etwa – oft sind es Krimis – bilden verlassene Parkdecks über den Dächern der Stadt die Kulisse für konspirative Treffen und geheime Geldübergaben.

Den spröden Charme dieser rein funktionalen Autoterrassen hat der Kölner Architekturfotograf Constantin Meyer in einer großangelegten Bilderserie festgehalten. In der Ausstellung „Parklandschaften“ in der Kölner Design Post werden diese Arbeiten vom 16. September an nun erstmals gezeigt.

Es sind eindrucksvolle Aufnahmen großer öder Asphaltflächen, die in scharfem Kontrast stehen zu der Dichte der sie umgebenden Innenstädte. Überraschende Perspektiven auf die umliegende Stadtlandschaft eröffnen in keinem Reiseführer verzeichnete Aussichtspunkte. Beinahe zum Greifen nah etwa türmt sich der Kölner Dom in einigen von Meyers Aufnahmen hinter den Betonbrüstungen der Parkdecks auf. Diese Bilder rufen ob der Gegensätzlichkeit der fast 800 Jahre alten Kathedrale und der ruinösen Nachkriegsbausubstanz vielfältige Assoziationen wach, dokumentieren Constantin Meyers Aufnahmen doch zugleich auch den allmählichen Verfall dieser innerstädtischen Autoregale. Während der Titel „Parklandschaften“ bukolische Gefühle beschwört, erweist sich die Realität leerer Parkdecks und abblätternder Fassaden als weit weniger idyllisch. Viele von Meyers Aufnahmen zeigen es oder lassen es erahnen: Die Tage der zwar fleißig genutzten, aber wenig geliebten Hochgaragen scheinen gezählt. Bald werden die meisten dieser Gebrauchsbauten, die nach wie vor unzertrennlich zur (west-)deutschen Alltagskultur gehören, verschwunden sein. Vielleicht werden wir, sollte das automobile Zeitalter tatsächlich seinem Ende entgegengehen, dereinst die letzten erhaltenen Parkhäuser mit jenem romantisch verklärten Blick betrachten, mit dem wir heute auf die Relikte des Dampflokzeitalters schauen. Constantin Meyers Fotografien setzen ihnen vorsorglich schon einmal ein Denkmal.

Parklandschaften

Design Post Köln
Mülheimer Str. 22a
50679 Köln
16. September bis 01. Oktober 2016
www.designpostkoeln.de