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Viele bunte Bauklötze
von Werner Lippert | 24. Juli 2010
Alle Fotos © Dimitrios Tsatsas, Stylepark

Möchten Sie in einem Container wohnen? Und das auch noch freiwillig? Die Antwort ihres tiefsten Inneren lautet vermutlich: „Wenn es sich vermeiden lässt, lieber nicht". So sehr Sie auch sonst auf Ihr Bauchgefühl hören sollten, in diesem Fall hat es unrecht! Zu dieser Einsicht werden Sie spätestens nach der Lektüre des - wie immer im Gestalten Verlag - sorgsam umgesetzten „Container Atlas - Handbuch der Container Architektur" kommen. Die Herausgeber haben sich nicht mehr und nicht weniger als ein Standardwerk zur Container Architektur vorgenommen, und das Ergebnis ist eben dies - und noch mehr.

Herausgekommen ist ein Buch, das sich mit den großartig fotografierten 91 Projektbeschreibungen durchaus als Coffee Table Book eignet. Es lässt einen vergessen, dass Container-Architektur in der Vergangenheit eine häufig aus der Not geborene Architektur war und mit einem negativen Image kämpfte. Architektur, die nicht der Gestaltung sondern dem reinen Nutzen zu folgen hatte. Schnell errichtete temporäre Bauten, auf Baustellen, in Flüchtlingslagern, als mobile Sanitäreinheiten, als Informationsboxen, im höchsten Fall als mobile Messestände.

Der Container Atlas tritt den Beweis an, dass ein neues, wenn nicht überhaupt das Zeitalter für den Bau mit Containern angebrochen ist. Container Architektur arbeitet sich in den urbanen Raum vor. Sie folgt dem Trend nach temporären Bauten, eine Art Pop-up Architektur, die nicht mehr den Anspruch auf historische Langlebigkeit postuliert, treibende Kraft dahinter ist die zunehmende Verdichtung in den Städten. Containerhäuser werden als Lofts auf bestehende Bauten gesetzt oder als ultra schmale Häuser in vorhandene Baulücken eingepasst. Sie werden zu aberwitzigen Türmen gestapelt, wie der Flagship Store der Firma Freitag in Zürich oder zu avantgardistischen Studentenheimen aus tausend Frachtcontainern wie das Projekt Keetwonen in Amsterdam. Sie werden zu atemberaubenden Firmenzentralen komponiert und transportieren mit ihrem trashigen Aussehen Zeitgeist und Jugendnähe, wie zum Beispiel Puma City.

Die Spanne der Gestaltung reicht von purer Funktionalität, mit einer Fläche von dreißig Quadratmetern, ausgestattet mit einem Bett, einem Tisch, einem Stuhl, einer Pantry-Küche und einer Nasszelle bis hin zu luftigen, stylischen Gebilden mit viel Glas, Holz und großzügiger Raumaufteilung bei denen der unkundige Betrachter niemals auf die Idee käme, dass dies ein Containerbau ist. Der Boom der Container-Architektur scheint aber auch einer veränderten Haltung zur Umwelt geschuldet. Wenngleich auch Containerhäuser klima- und verbrauchstechnisch nicht wirklich weit vorne liegen, so transportieren sie dennoch den Gedanken, dass das Haus jederzeit rückstandsfrei von seinem Platz in der Natur wieder entfernt werden kann. Dies mag ein Grund dafür sein, dass im Container-Atlas eine Vielzahl von Projekten Sommerhäuser in der freien Natur sind.

So sehr sich das Buch auch als Bilderbuch und Traumvorlage für Bauherren eignen mag, in Wirklichkeit ist es ein Fachbuch. Es wurde von einem Team ausgewiesener Experten im Bereich des modularen Bauens und der Container-Architektur für Architekten geschrieben. So sind die aufschlussreichen Essays des Buches eher wissenschaftlich, sie beschäftigen sich mit dem Container als Baumodul in seinen unterschiedlichen Ausprägungen und erläutern Typen, Maße, Ausbau, Bauphysik, Baurecht, Ökonomie oder Ökologie.

Damit rundet der Container Atlas eine inzwischen veritable kleine Bibliothek zur Container-Architektur und zur Mikro-Architektur ab. Man denke zum Beispiel an „Container Architektur" von Jure Kotnik, das mit 6.441 Containern protzt, bis hin zu Ausgaben des Magazins „Metropolitan", die beispielhaft die starke Medienpräsenz des Themas untermauern. Kurzum: Der Container Atlas ist vielleicht kein Atlas im kartografischen Sinne, aber ein mit viel Bildmaterial versehenes Nachschlagewerk.

Container Atlas / Handbuch der Container Architektur
Herausgegeben von Han Slawik, Julia Bergmann, Matthias Buchmeier und Sonja Tinney, 256 Seiten, vollfarbig, Hardcover, 49,90 Euro

www.gestalten.com


Werner Lippert ist Ausstellungsdirektor des NRW-Forum Düsseldorf, einem Ausstellungshaus von dem die Vogue schmeichelnd schreibt „Kaum einer anderen Institution gelingt die Allianz zwischen Kunst, Mode, Design, Architektur, neuen Medien, Diskurs und Ökonomie derart elegant". Im Mai 2011 wird das NRW-Forum eine große Ausstellung zum Thema Containerarchitektur zeigen.

Architektur › 2010 › Juli
Viele bunte Bauklötze
von Werner Lippert | 24. Juli 2010
Gerade neu erschienen, tritt der Container Atlas den Beweis an, dass ein neues, Zeitalter für den Bau mit Containern angebrochen ist. Es folgt dem Trend nach temporären Bauten, eine Art Pop-up Architektur, die nicht mehr den Anspruch auf historische Langlebigkeit postuliert.
Möchten Sie in einem Container wohnen? Und das auch noch freiwillig? Die Antwort ihres tiefsten Inneren lautet vermutlich: „Wenn es sich vermeiden lässt, lieber nicht". So sehr Sie auch sonst auf Ihr Bauchgefühl hören sollten, in diesem Fall hat es unrecht! Zu dieser Einsicht werden Sie spätestens nach der Lektüre des - wie immer im Gestalten Verlag - sorgsam umgesetzten „Container Atlas - Handbuch der Container Architektur" kommen. Die Herausgeber haben sich nicht mehr und nicht weniger als ein Standardwerk zur Container Architektur vorgenommen, und das Ergebnis ist eben dies - und noch mehr.

Herausgekommen ist ein Buch, das sich mit den großartig fotografierten 91 Projektbeschreibungen durchaus als Coffee Table Book eignet. Es lässt einen vergessen, dass Container-Architektur in der Vergangenheit eine häufig aus der Not geborene Architektur war und mit einem negativen Image kämpfte. Architektur, die nicht der Gestaltung sondern dem reinen Nutzen zu folgen hatte. Schnell errichtete temporäre Bauten, auf Baustellen, in Flüchtlingslagern, als mobile Sanitäreinheiten, als Informationsboxen, im höchsten Fall als mobile Messestände.

Der Container Atlas tritt den Beweis an, dass ein neues, wenn nicht überhaupt das Zeitalter für den Bau mit Containern angebrochen ist. Container Architektur arbeitet sich in den urbanen Raum vor. Sie folgt dem Trend nach temporären Bauten, eine Art Pop-up Architektur, die nicht mehr den Anspruch auf historische Langlebigkeit postuliert, treibende Kraft dahinter ist die zunehmende Verdichtung in den Städten. Containerhäuser werden als Lofts auf bestehende Bauten gesetzt oder als ultra schmale Häuser in vorhandene Baulücken eingepasst. Sie werden zu aberwitzigen Türmen gestapelt, wie der Flagship Store der Firma Freitag in Zürich oder zu avantgardistischen Studentenheimen aus tausend Frachtcontainern wie das Projekt Keetwonen in Amsterdam. Sie werden zu atemberaubenden Firmenzentralen komponiert und transportieren mit ihrem trashigen Aussehen Zeitgeist und Jugendnähe, wie zum Beispiel Puma City.

Die Spanne der Gestaltung reicht von purer Funktionalität, mit einer Fläche von dreißig Quadratmetern, ausgestattet mit einem Bett, einem Tisch, einem Stuhl, einer Pantry-Küche und einer Nasszelle bis hin zu luftigen, stylischen Gebilden mit viel Glas, Holz und großzügiger Raumaufteilung bei denen der unkundige Betrachter niemals auf die Idee käme, dass dies ein Containerbau ist. Der Boom der Container-Architektur scheint aber auch einer veränderten Haltung zur Umwelt geschuldet. Wenngleich auch Containerhäuser klima- und verbrauchstechnisch nicht wirklich weit vorne liegen, so transportieren sie dennoch den Gedanken, dass das Haus jederzeit rückstandsfrei von seinem Platz in der Natur wieder entfernt werden kann. Dies mag ein Grund dafür sein, dass im Container-Atlas eine Vielzahl von Projekten Sommerhäuser in der freien Natur sind.

So sehr sich das Buch auch als Bilderbuch und Traumvorlage für Bauherren eignen mag, in Wirklichkeit ist es ein Fachbuch. Es wurde von einem Team ausgewiesener Experten im Bereich des modularen Bauens und der Container-Architektur für Architekten geschrieben. So sind die aufschlussreichen Essays des Buches eher wissenschaftlich, sie beschäftigen sich mit dem Container als Baumodul in seinen unterschiedlichen Ausprägungen und erläutern Typen, Maße, Ausbau, Bauphysik, Baurecht, Ökonomie oder Ökologie.

Damit rundet der Container Atlas eine inzwischen veritable kleine Bibliothek zur Container-Architektur und zur Mikro-Architektur ab. Man denke zum Beispiel an „Container Architektur" von Jure Kotnik, das mit 6.441 Containern protzt, bis hin zu Ausgaben des Magazins „Metropolitan", die beispielhaft die starke Medienpräsenz des Themas untermauern. Kurzum: Der Container Atlas ist vielleicht kein Atlas im kartografischen Sinne, aber ein mit viel Bildmaterial versehenes Nachschlagewerk.

Container Atlas / Handbuch der Container Architektur
Herausgegeben von Han Slawik, Julia Bergmann, Matthias Buchmeier und Sonja Tinney, 256 Seiten, vollfarbig, Hardcover, 49,90 Euro

www.gestalten.com


Werner Lippert ist Ausstellungsdirektor des NRW-Forum Düsseldorf, einem Ausstellungshaus von dem die Vogue schmeichelnd schreibt „Kaum einer anderen Institution gelingt die Allianz zwischen Kunst, Mode, Design, Architektur, neuen Medien, Diskurs und Ökonomie derart elegant". Im Mai 2011 wird das NRW-Forum eine große Ausstellung zum Thema Containerarchitektur zeigen.