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Tradition trifft Moderne: Die rasante Entwicklung der Architektur in Tokio wird anhand der Modelle im „Archi Depot“ deutlich.
© Toshiyuki Togashi
Tradition trifft Moderne: Die rasante Entwicklung der Architektur in Tokio wird anhand der Modelle im „Archi Depot“ deutlich.

Japan, maßstabsgetreu

von Anna Moldenhauer | 15.11.2016

Im Lagerhaus am Tennozu Kanal reihen sich die weißen Metallregale aneinander: Was dort zu finden ist, gebaut aus Pappe, Holz und Kunststoff, bietet einen umfassenden Einblick in die Architektur Japans – und zwar im Miniaturformat. „Archi Depot“ heißt das kürzlich in Tokios Shinagawa-Distrikt eröffnete Museum, das sich zum Ziel gesetzt hat, die filigranen Architekturmodelle zu erhalten und zu präsentieren. Statt in Büros auf engem Raum zu verstauben, können nun in 116 Regalen mit einer Fläche von 450 Quadratmetern die Entwürfe international bekannter, japanischer Architekten wie Kengo Kuma, Riken Yamamoto oder Shigeru Ban besichtigt werden.

Für die Präsentation der Architekturmodelle durchziehen meterhohe, weiße Stahlregale das 450 Quadratmeter große Lagerhaus und bilden ein umfassendes Archiv.
© Toshiyuki Togashi
Für die Präsentation der Architekturmodelle durchziehen meterhohe, weiße Stahlregale das 450 Quadratmeter große Lagerhaus und bilden ein umfassendes Archiv.

Die Bandbreite dessen, was bislang für die Öffentlichkeit unzugänglich war und nun vorgestellt wird, ist groß und reicht von Studienmodellen bis zu finalen Versionen. Mal veranschaulichen die Modelle eine erste Idee, mal handelt es sich um singuläre Exemplare mit künstlerischem Anspruch. Die zurückhaltende Präsentation in den weiß gehaltenen Innenräumen eines umgebauten Lagerhauses, wo die Modelle auf schlichten, meterhohen Metallregalen im Licht von Leuchtstoffröhren ausgestellt sind, macht es möglich, dass dem Auge des Betrachters kein Detail der zum Teil abstrakten Entwürfe entgeht. Gleichzeitig erinnert die kühl wirkende Ausstellungsfläche an das große Labor der Architektur, in dem an immer anderen und neuen Entwürfen geforscht und gefeilt wird.

Blick von oben: Dank der reduzierten Atmosphäre und dem hellen Licht der Leuchtstoffröhren entgeht dem Auge des Betrachters kein Detail.
© Toshiyuki Togashi
Blick von oben: Dank der reduzierten Atmosphäre und dem hellen Licht der Leuchtstoffröhren entgeht dem Auge des Betrachters kein Detail.

Jedes Modell ist zudem mit einem QR-Code ausgestattet, der mit dem Handy abgescannt werden kann und auf diese Weise einen schnellen Zugriff auf zusätzliche Informationen ermöglicht. Zu dem digitalen Angebot gehören beispielsweise Blueprints, Fotografien und ähnliche Projekte des jeweiligen Architekten. In den Regalen sind die Modelle nach Architekt beziehungsweise Architekturbüro sortiert, so dass für den Betrachter eine komplette Erfassung des jeweiligen Spektrums in kurzer Zeit möglich ist. Für die Schöpfer der Entwürfe ist das Museum im Lagerhaus ein doppelter Gewinn: Mit der Anmietung der Regalfläche lösen sie zum einem das Problem der Lagerung der empfindlichen Modelle in den eigenen Studios, und gleichzeitig können sie ihre aktuellen Werke einem großen Publikum präsentieren. Das Museum für Architekturmodelle ist die erste architektonische Plattform seiner Art in Japan.

Aktuell und noch bis März 2017 finden dazu im „Archi Depot“ regelmäßig öffentliche Gesprächsrunden zum Thema „Die Zukunft der architektonischen Kultur, entworfen von Architekten – Wert und Potenzial von maßstabsgetreuen Modellen“ statt, die von Gast-Architekten geleitet werden.