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Designklassiker im Kinderbuchformat
von Nina Reetzke | 10.11.2011
Alle Fotos: Stylepark

Die Zeit, als es Designmöbel vor allem für Erwachsene gab, ist längst vorbei. In den letzten Jahren sind „Panton Junior", „S 43 K" von Mart Stam und der „Rocker" von Doshi Levien ins Kinderzimmer eingezogen. Design für Kinder avancierte zum Modethema und kaum eine design-affine Familie kommt seitdem darum herum, auch das Zimmer des Nachwuchses mit entsprechenden Möbeln auszustatten. Sogar vor bislang eher tristen Kindergärten und Schulen macht das Einrichten mit Designanspruch nicht halt. Klassenzimmer für projektbasiertes Lernen, so schloss die britische Royal Society of Architecture RSA in einer Studie, sollten wie kleine Akademien eingerichtet sein und beauftragte unter anderem Lord Norman Foster und John McAslan mit Modellprojekten wie der „Tipton Academy".

Selbst wenn dieser Boom ein Phänomen der letzten fünf Jahre ist, auch davor beschäftigten sich schon einige wenige Designer mit Entwürfen für Kinder. Man denke an die „Thonet-Wiege Nr. 1", das „Hang it all", die George Nelson „Zoo Timers", die Prouvé-Schulmöbel und das Alphabet-Buch von Bruno Munari. Als hätte es den kommenden Hype geahnt, zeigte das Vitra Design Museum schon 1997 die Themenausstellung „Kidsize", wenngleich damals mit stark ethnologischen Schwerpunkt. Was jedoch bis heute fehlt, ist eine Auswahl an Kinderbüchern zum Design, seien sie eher didaktischer oder unterhaltsamer Natur. „Farbe Form Orangensaft" von Eva Solarz Aleksandra und Daniel Mizielinscy bildet hier eine der wenigen Ausnahmen.

Die Zitronenpresse von Philippe Starck ist auf dem Titel, es folgen Entwürfe von Michael Thonet, Gerrit Rietfeld und Le Corbusier. Das Buch erinnert an eine Best-Off-Liste der Designklassiker. Wobei die Autoren sich nicht scheuen, bis nahe an die Gegenwart heran zu gehen, etwa bis zur „Mayday"-Leuchte von Konstantin Grcic und dem „Skygarden" von Marcel Wanders. Jedes Produkt wird prägnant in einer Vielzahl von Illustrationen und mittels kurzer Texte vorgestellt. Allein Grafik und Typografie irritieren etwas, da sie im Vergleich zu den dargestellten Produkten zu stark in den Vordergrund treten. Sicher hätte es dem Thema und der Publikation gut getan, hier etwas mehr „optische Ruhe" walten zu lassen.

Die Fragen, welches Ziel Designerziehung verfolgen sollte und in welchem Alter Eltern und Lehrer sinnvollerweise damit beginnen sollten, dem Nachwuchs das Beste aus der Welt der Gestaltung näher zu bringen, beantwortet dieses Buch freilich nicht abschließend. Die gleichnamige Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe war für Kinder ab fünf Jahren gedacht, das Buch richtet sich an Kinder ab neun. Geht es dabei darum, Kindern ein gutes Verständnis für Farbe und Form zu vermitteln? Oder entwickeln sich so markenbewusste Youngsters, die in den Kategorien „Apple", „Guess" und „Vitra" denken?

Vielleicht bietet eine solide Designerziehung ja gerade die Möglichkeit, eine Denkweise weiterzugeben, die über bestehende Normen und Produkte hinaus geht und auch die Qualitäten von Designklassikern neu zu denken vermag. Welche Schlüsse auch immer man daraus ziehen mag – gut, dass diese Diskussion zunehmend in Gang kommt.

Farbe Form Orangensaft
Von Eva Solarz Aleksandra und Daniel Mizielinscy
Hardcover, 168 Seiten, deutsch
Moritz Verlag, Frankfurt am Main, 2011
18 Euro
www.moritzverlag.de

Eine umfassende Übersicht an Kindermöbel finden Sie hier:
Kindermöbel bei Stylepark

Alle Fotos: Stylepark

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