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Erfahrene Hand
frischer Kopf
von Martina Metzner
25.06.2015

„Das Bambushafte hat sich mir nicht so ganz erschlossen, als ich das erste Mal im August 2014 bei Yoshihiro Yamagishi in Japan war, um mir seine Manufaktur, den dazugehörigen Bambuswald und deren Halbzeuge und Produkte anzuschauen“, erzählt Stefan Diez. „Ich wollte daher das Ursprüngliche, das grüne Holzrohr in den Vordergrund des Objektes stellen.“

Der Münchener Designer ist Teil einer Reihe von international bekannten Designern, die für die Initiative „Japan Creative“ mit traditionellen japanischen Manufakturen zusammenarbeiten und spezifische Produkte lancieren. Hinter der Initiative stehen der Architekt Hiroshi Naito und der Grafik-Designer Masaaki Hiromura. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Fähigkeiten traditionellen japanischen Handwerks unter einem zeitgemäßen Blickwinkel wiederzuentdecken und daraus neue Ideen und Produkte entstehen zu lassen. Um die Projekte realisieren zu können, haben sich Naito und Hiromura finanzstarke Partner gesucht, unter anderem die Tokioter Kaufhausgesellschaft Seibu, Japan Airlines sowie LVMH Japan. Auch verbinden die beiden Initiatoren ihre Idee mit umfassenden Marketingaktivitäten, um die inzwischen 15 Projekte weltweit bekannt zu machen und nach Möglichkeit zu kommerzialisieren. So waren einige der Projekte im vergangenen Februar zum Beispiel bei der „Stockholm Furniture Fair“ zu sehen.

Den Auftakt machte im Jahr 2012 Jasper Morrison, der mit der japanischen Firma Oigen, die bekannt ist für gusseisernes Kochgeschirr, ein Set aus Töpfen, Pfannen und einer Teekanne in seinem typischen „democratic design“ entwickelte. Wie auch andere kooperierende Manufakturen, befindet sich das Unternehmen in einer Gegend, in der sich Firmen darauf spezialisiert haben, ganz bestimmte Produkte herzustellen. Im Fall von Oigen handelt es sich um die Stadt Mizusawa, wo schon vom 7. Jahrhundert an das traditionelle „Nambu“-Gusseisengeschirr produziert wurde.

Es folgten Projekte mit Peter Marigold, der mit dem Holzmöbelhersteller Hinoki Kogei eine Sitzbank entwickelte und mit Paul Cocksedge, der zusammen mit Pioneer eine Wandleuchte realisierte. Des weiteren schufen Inga Sempé mit Koubei-Gama Keramik-Behälter, Nacho Carbonell mit Toray Carbon Magic ein Akustiksystem aus Carbon, Pauline Deltour mit Shibafune Koide süßes Konfekt und Cecile Manz mit der Kunstweberin Masako Mouryou Teppiche. Im vergangenen Jahr waren es dann Pierre Charpin, Barber Osgerby und Stefan Diez, die „Japan Creative“ zu einem Kooperationsprojekt eingeladen hatte.

Während Pierre Charpin sich gemeinsam mit den Experten des auf synthetischen Materialien spezialisierten Unternehmens Shindo mit Silikon auseinandersetzte, wurden Edward Barber und Jay Osgerby nach Hasami eingeladen, um sich mit der dortigen Keramikherstellung und der Firma Saikai Toki vertraut zu machen. Dabei entstanden bauchige und aufgrund ihrer Schlichtheit wunderschöne Porzellanleuchten. Stefan Diez reiste gleich zweimal auf die Insel Kochi, um vor Ort mit Yoshihiro Yamagishi zu arbeiten. Diez interessierte vor allem das Rohmaterial. Für seine Möbel entschied er sich denn auch für das grüne, volle Bambusrohr, das er, anders als die Japaner, nicht getrocknet und zugeschnitten hat, um es weiterverarbeiten zu können. Das allein schon überraschte die Bambus-Experten vor Ort. Hinzu kam: Diez verwendet die elastische Rinde als Verbindungselement. Ein integriertes Seilsystem, das mit Zugkraft arbeitet, hält die Rohre zusammen. Lange habe er, so Diez, mit Yamagishi daran gearbeitet, das ganze stabil zu machen, denn die Verbindungselemente könnten ja reißen.

Inzwischen ist man dazu übergegangen, getrockneten Bambus zu verwenden – auch, um das Projekt kommerziell tragfähig zu machen. Die „Soba“-Möbel – ein Hocker, Tischböcke, eine Bank und ein Sessel –, die aus der Kooperation von Stefan Diez mit „Japan Creative“ hervorgegangen sind, werden schon bald in Produktion gehen. Man müsse sich, so Diez, nur noch über einige Details klar werden, etwa darüber, wie sich der Versand von Kochi aus organisieren lässt. Das sei nicht ganz so einfach und stelle die kleine Manufaktur von Yamagishi vor neue Herausforderungen. Diez hat die Möbel also nicht ohne Grund so konzipiert, dass sie zerlegt transportiert werden können und erst der Kunde sie zusammensteckt. Wenn sich der frische Zugriff eines präzise vorgehenden Designers mit der Erfahrung traditionell geschulter Handwerker verbindet, sind jederzeit positive Überraschungen möglich.

www.japancreative.jp
www.stefan-diez.com
www.taketora.co.jp
www.pierrecharpin.com
www.barberosgerby.com

Leuchte aus Porzellan: Edward Barber und Jay Osgerby entwarfen sie zusammen mit Saikai Toki. Foto © Japan Creative
Kerzenständer aus Silikon: Pierre Charpin kam für „Japan Creative“ mit Shindo zusammen.
Foto © Japan Creative
Video © Jonathan Mauloubier, Diez Office
„Soba” ist eine Interpretation der traditionellen japanischen Bambus-Bank. Foto © Jonathan Mauloubier, Diez Office
Diez verwendet die elastische Rinde als Verbindungselement.
Foto © Jonathan Mauloubier, Diez Office
„Soba“ ist so konzipiert, dass sie zerlegt transportiert werden können.
Foto © Jonathan Mauloubier, Diez Office
Ein integriertes Seilsystem, das mit Zugkraft arbeitet, hält die Rohre zusammen.
Foto © Jonathan Mauloubier, Diez Office
Für den Zug verwendetet Diez Kevlar-Seile.
Foto © Jonathan Mauloubier, Diez Office
Die Linie beinhaltet einen Hocker, Tischböcke, eine Bank und einen Sessel.
Foto © Jonathan Mauloubier, Diez Office
Im August 2014 reiste Stefan Diez zum ersten Mal nach Kochi Island, um den Bambuswald zu besichtigen. Foto © Jonathan Mauloubier, Diez Office

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