Drei Fragen an Baptiste Reybier
Anna Moldenhauer: Die Branche hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Was ist Ihnen bei der strategischen Ausrichtung und mit Blick auf die Werte des Unternehmens für die kommenden Jahre wichtig?
Baptiste Reybier: Das Umfeld hat sich beschleunigt. Unsere Verantwortung besteht jedoch nicht darin, diesem Tempo hinterherzulaufen, sondern einen klaren Kurs zu halten. Seit der Übernahme des Unternehmens im Jahr 1989 basiert Fermob auf einer langfristigen Vision, Design als strategische Säule zu verankern, kontinuierlich zu innovieren, international zu wachsen und Nachhaltigkeit ins Zentrum des Geschäftsmodells zu stellen. Wir verbinden Agilität mit Beständigkeit. Agilität bedeutet für uns, unser Territorium zu erweitern, insbesondere in Richtung Indoor, und auf veränderte Nutzungsgewohnheiten zu reagieren. Beständigkeit zeigt sich in unseren Grundwerten, lokale Produktion, industrielle Kompetenz, Kreativität und ökologische Verantwortung. Unsere Strategie beruht auf kontrolliertem Wachstum, verantwortungsvoller industrieller Innovation und einer langfristigen Perspektive. Agilität ist notwendig, darf jedoch niemals zulasten unserer Werte gehen.
Was zeichnet Entwicklung, Fertigung und Lackierung bei Fermob aus, damit die Produkte ihre KundInnen ein Leben lang begleiten?
Baptiste Reybier: Unsere Kundinnen und Kunden ein Leben lang zu begleiten bedeutet, reparierbare, langlebige, wiederverwendbare und anpassungsfähige Produkte zu entwickeln. Unser metallurgisches Erbe bildet dabei ein tragendes Fundament. Metall ist ein traditionsreiches Material, das unendlich recycelbar ist und robuste, langlebige Produkte ermöglicht. Bei Fermob ist Ökodesign seit mehr als dreißig Jahren fest verankert. Wir betrachten jedes Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg. Dafür haben wir eigene Reparierbarkeits und Rezyklierbarkeitsindizes entwickelt. Heute sind 87 Prozent unserer Produkte als leicht reparierbar eingestuft, nahezu 95 Prozent sind vollständig recycelbar. Ein aktuelles Beispiel ist unser Indoor Sofa "Voulez Vous". Mithilfe einer Lebenszyklusanalyse konnten wir seine Umweltbelastung um 44 Prozent reduzieren, durch eine leichtere Struktur, biobasierten Schaum und einen Bezug aus 100 Prozent recyceltem Material. Unsere bereits in den 1990er Jahren eingeführte Lackieranlage ohne Emissionen arbeitet in einem geschlossenen Kreislauf und ohne Lösungsmittel. Sie vereint hohe Umweltleistung mit außergewöhnlicher Widerstandsfähigkeit. Mit dem Ausbau unseres Repaint Services in Deutschland im Jahr 2025 gehen wir einen weiteren Schritt, indem wir unseren Kundinnen und Kunden ermöglichen, ihre Möbel nach industriellen Standards aufarbeiten zu lassen, ihre Lebensdauer zu verlängern und Farbe konkret in eine Logik der Kreislaufwirtschaft einzubetten.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit angesichts der aktuellen Krisen für Fermob?
Baptiste Reybier: Für uns ist Nachhaltigkeit kein konjunkturelles Thema, sondern eine strukturelle Verantwortung. Sie ist zugleich ein Qualitätsversprechen und eines der wichtigsten Kaufkriterien für unsere Kundinnen und Kunden. Lange bevor diese Themen in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion rückten, haben wir umfassend in die Reduzierung der Umweltbelastung unserer Prozesse investiert. In den vergangenen zehn Jahren konnten wir unseren Wasserverbrauch um 62 Prozent senken. Auf drei unserer Industriestandorte haben wir Photovoltaikanlagen installiert, die je nach Standort bis zu 42 Prozent des Energiebedarfs im Eigenverbrauch decken.










































