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Zwei neue Entwürfe von Vincent Van Duysen für Flos: Die Tischleuchte "Oblique" und das Lichtsystem "Infra-Structure Episode 2"

NOVELTY STORY
Form und Struktur

Mit dem Lichtsystem "Infra-Structure Episode 2" und der Tischleuchte "Oblique" setzt Vincent Van Duysen seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Flos fort.
von Fabian Peters | 30.04.2020

"Licht ist für mich das ultimative Baumaterial!" sagt Vincent Van Duysen. "Es immer zentraler Bestandteil jedes architektonischen Konzeptes, das ich entwickle. Mit seinen Entwürfen ist der Architekt und Designer längst zu Weltruhm gelangt: Das Hotel August in Antwerpen oder auch das Anwesen von Kim Kardashian und Kanye West, das er als belgisches Gemeinschaftsprojekt mit Axel Vervoordt und den Gartengestaltern von Wirtz Landscape Architects realisiert hat, waren im letzten Jahr in beinahe jedem bedeutenden Architektur- und Designmagazin vertreten. Sein Stil zeichnet ein Minimalismus aus, der sich an Archetypen orientiert, aber dabei nie nüchtern, nie spartanisch wirkt. Dazu trägt vor allen Dingen Van Duysens Liebe zum Material bei, aber auch die Tatsache, dass seine ruhigen Designs und Architekturen nicht durch radikales Weglassen entstehen. Vielmehr führt er die Häuser und Gegenstände, die er entwirft, auf geometrische Grundformen zurück und verleiht ihnen durch seine Materialauswahl eine edle Einfachheit. Auch was Licht anbetrifft, verabscheut Van Duysen Lautes und Grelles. "Ich versuche immer, Licht diskret einzusetzen", sagt er. Ruhig und atmosphärisch solle es sein. Nicht unsichtbar – aber zurückhaltend.

2016 bat der italienische Leuchtenhersteller Flos Vincent Van Duysen um den Entwurf für ein Lichtsystem. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits zahlreiche Möbel und andere Gegenstände gestaltet hatte, war es das erste Mal, dass er eine Leuchte designte. Und es war sogleich ein voller Erfolg. "Infra-Structure" ist ein äußerst vielseitiges Programm, dessen Grundkomponente röhrenförmige Lichtschienen bilden. Sie werden mit Trägern von der Decke abgehängt und können in beliebiger Länge miteinander verbunden werden. Leuchten und Strahler können mittels Magneten in die Schienen eingehängt werden. Vincent Van Duysen hat für "Infra-Structure" auch mehrere markante Leuchten entworfen, die dem Programm einen hohen Wiedererkennungswert verleihen. Etwa einen röhrenförmigen Leuchtkörper, der zwischen zwei Leuchtschienen gespannt wird. Mehrere dieser Leuchten ergeben im Zusammenspiel mit den Lichtschienen ein industriell anmutendes Rohrnetz unter der Decke – eine Infrastruktur, wie der Name bereits sagt. Ebenfalls unverwechselbar ist die scheibenförmige Leuchte, die Van Duysen für das System entworfen hat. Ihre Gestaltung leitet sich unmittelbar aus der Formensprache des Designers her und findet Entsprechung etwa in seinen frühen Keramikentwürfen. Ihre Flächigkeit und ihre Kreisform bilden einen effektvollen Gegenakzent zu den Lichtschienen, betonen aber gleichfalls das grafische Erscheinungsbild von "Infra-Structure".

Pedelleuchte aus der Serie "Infra-Structure Episode 2"
Röhrenförmige Leuchte mit Schirm aus der Serie "Infra-Structure Episode 2"

Vincent Van Duysen hatte das System hauptsächlich als Lichtlösung für den "Contract"-Bereich – für Büros, Hotels und Läden – entworfen. "Wir haben aber schnell entdeckt, dass viele Kunden "Infra-Structure" auch in ihrer privaten Wohnung einsetzten. Das war der Ausgangspunkt zu unseren Überlegungen für die ‘Episode 2’." Während "Infra-Structure" für die Beleuchtung großer Räume oder Flächen gedacht ist, erlaubt "Episode 2" auch kompakte Lösungen. Grundelement sind hier nicht mehr Lichtschienen, sondern Deckenhalterungen, an deren Enden Pendelleuchten montiert werden können. Außerdem können zwei Deckenhalterungen mittels einer röhrenförmigen Leuchte verbunden werden. So entstehen zahllose Kombinationsmöglichkeiten, bei denen auch mit verschiedenen Höheniveaus gearbeitet werden kann. "Ich wollte bei ‘Episode 2’ das grafische Element gegenüber der Ursprungsversion steigern und zugleich auch einen spielerischen und poetischen Aspekt hineinbringen. Zudem sollten auch attraktive Lichtlösungen möglich werden, die sich eher für den privaten Bereich und kleinere Räume, etwa Flure und Treppenaufgänge, eignen", beschreibt Van Duysen seinen Ansatz beim Entwurf. "Deswegen war es mir wichtig, dass die einzelnen Elemente auch als Stand-Alone-Pieces funktionieren." Aus diesem Grund hat der Designer für "Infra-Structure Episode 2" der markanten Leuchtscheibe einen neue kegelförmige Pendelleuchte zur Seite gestellt. Mit ihrer klaren geometrischen Form ergänzt sie das Programm um ein zentriertes Licht, das sich ideal für die Ausleuchtung oder Hervorhebung begrenzter Flächen, etwa einen Esstisch oder einem Arbeitsbereich, eignet. Aus den Elementen lassen sich Gebilde schaffen, die weniger die technische Anmutung der Urversion von " Infra-Structure" besitzen, sondern vielmehr die Leichtigkeit und Anmut eines modernen Kunstwerks. "Ich wollte ‘Episode 2’ eine ganz eigene Expressivität verleihen", beschreibt es Vincent Van Duysen.

Die Tischlampe "Oblique" von Vincent Van Duysen

Eng verwandt mit der Formensprache von "Infra-Structure" und doch ganz anders ist die zweite Neuheit, die Vincent Van Duysen für Flos gestaltet hat: die Schreibtischleuchte "Oblique". "Ausgangspunkt für den Designprozess war eine völlig neue Technologie, die Flos entwickelt hat," erklärt Van Duysen. Eine raffinierte Kombination aus LEDs und Linsen, die nur minimalen Platz benötigt, erzeugt dabei einen extrem hellen und gebündelten Lichtstrahl, der ‘oblique’, zu deutsch ‘schräg’, vom Leuchtenkopf auf den Schreibtisch fällt. "Wir haben die Leuchte quasi um dieses Herzstück herum gestaltet", erläutert Van Duysen. "Die Technik hat es uns erlaubt, die Leuchte sehr leicht zu bauen und ihr äußerst knappe und präzisen Formen zu verleihen."

Innovation ist ein Schlüsselbegriff in Van Duysens Zusammenarbeit mit Flos. Auf die Frage, was er an dem italienischen Leuchtenhersteller besonders schätzt, antwortet er: "Sie bringen mich dazu, mich aus meiner Komfortzone zu begeben und etwas wirklich Innovatives zu schaffen." Ein Erfolgsrezept, ganz offenbar. Van Duysen betont jedenfalls, dass er sehr froh und stolz sei, für Flos arbeiten zu dürfen. Und auch bei Flos weiß man offenbar, was man an dem belgischen Designer hat – die nächsten gemeinsamen Projekte befinden sich bereits in der Entwicklung.

Entwurfsskizzen von Vincent Van Duysen für "Infra-Structure Episode 2"