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Foto: Alexander Kilian

Bewahrendes Design

Werner Aisslinger hat seinen Sideboard-Klassiker "cube" von Interlübke behutsam weiterentwickelt und um ein Vitrinensystem ergänzt. Wir sprachen mit ihm über sein nun "just cube" genanntes Möbelprogramm.
07.06.2019

Fabian Peters: Was war dein Leitgedanke bei der Fortentwicklung von "cube" zu "just cube"? 

Werner Aisslinger: Das Programm weiterzuentwickeln war eine ziemliche Herausforderung. Schließlich ist "cube" bei Interlübke seit 18 Jahren eine der wichtigsten Modellreihen – "cube" ist fast schon zu so einer Art Untermarke bei Interlübke geworden. Deswegen mussten wir uns sehr intensiv und verantwortungsvoll mit der Frage auseinandersetzen, wie man ein solches System updaten kann.

Wie löst man so eine komplexe Aufgabe? 

Werner Aisslinger: In dem man das Produkt behutsam verändert, aber eben nicht zu sehr – quasi ein Redesign, ohne zu viel zu redesignen, damit die Essenz nicht verloren geht. Gleichzeitig muss man die Historie des Produktes berücksichtigen und es trotzdem in die Zukunft denken.

Was wolltest du auf jeden Fall bewahren?

Werner Aisslinger: "cube" hat ja eine ganz eigene Formensprache, bei der die Fuge das Möbel akzentuiert, ohne ihm etwas von seiner Reduziertheit zu nehmen. Dieses Grundkonzept wollte ich auf jeden Fall beibehalten und es vorsichtig weiterentwickeln. Ganz wichtig war es mir aber, aus einem solchen Klassiker nicht durch ein "Zuviel" ein reines Styling-Produkt zu machen.

Warum überhaupt etwas an dem klassischen Entwurf ändern?

Werner Aisslinger: Zum einen fand ich, dass die Abdeckplatte in die Jahre gekommen war und die Anmutung zwar immer noch klassisch, aber ein bisschen ältlich wirken ließ. Zweitens haben wir beschlossen, "cube" um ein komplettes Vitrinensystem zu erweitern. Reine Stauräume verlieren ja generell an Wichtigkeit. Man bekommt eben nicht mehr das große Geschirrservice zur Hochzeit geschenkt, das dann seinen Platz braucht. Umgekehrt reisen die Menschen aber mehr und bringen von ihren Trips Objekte mit. Oder sie sammeln und wollen ihre Identität gern auch durch ihre "persönliche Wunderkammer" zeigen – Gästen gegenüber oder einfach sich selbst. Deshalb ist eine Vitrine heute in einem Storage-System ein wichtiges Bauteil.

Foto: Studio Aisslinger

"Collagefähigkeit" ist ja für dich ein zentraler Begriff bei deinen Möbeldesigns. Deine Entwürfe sollen zu vielfältigen Umgebungen passen. Wie hast du diese Idee bei "just cube" umsetzen können?

Werner Aisslinger: "cube" ist ja vor allem ein Sideboard- oder Kommoden-Programm. Diese Möbel sind meistens Solitäre, egal, ob sie jetzt drei, vier oder nur einen Meter lang sind. Unsere Idee war, bei "just cube" die Materialpalette zu erweitern – mit unterschiedlichen Holzfurnieren und Steinplatten zu arbeiten. Das Spielfeld ist dadurch natürlich viel größer geworden und jeder Käufer hat dadurch noch mehr Möglichkeiten, das Möbel in seine eigene, individuelle Wohncollage einzubauen. 

Ein Interlübke-Möbel ist ja nichts, was man sich nur für zehn Jahre kauft. Spielt dieser Gedanke der Langlebigkeit eines solchen Produktes für dich beim Entwurf eine Rolle? 

Werner Aisslinger: Auf jeden Fall. Deswegen ist es für mich gerade bei meinen Designs für Interlübke so wichtig, das Archetypische eines Möbels herauszukitzeln. Schließlich sind die Gegenstände oft Investitionen, die fürs Leben getätigt werden. Für den Betrachter soll "just cube" so zeitlos wie möglich wirken. Dinge, die sich vielleicht im Verlauf der Zeit verändern – wie man eine Tür anschlägt, wie man etwas verbindet oder welche Scharniere man verwendet – sollen deshalb möglichst unsichtbar sein. Es ist immer ein Balanceakt, dem Möbel sein Wesen zu lassen, also das Wesentliche zu bewahren, und gleichzeitig den Entwurf soweit zu reduzieren, dass er etwas Pures, Endgültiges hat. Und schließlich darf er auch nicht langweilig werden. 

Schlussfrage: Spielt für dich selbst das Aufbewahren eine wichtige Rolle?

Werner Aisslinger: Ich bin begeisterter Sammler. Ich möchte eigentlich nie etwas wegwerfen, sondern alles behalten. Daher benötige ich viel Stauraum – auch wenn ich meine "Schätze" häufig nicht so sortiert aufbewahre, wie ich mir das selbst wünsche.

Foto: Interlübke
Foto: Interlübke
Foto: Interlübke
Foto: Interlübke