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Dialog zwischen Alt und Neu

In München haben der Leuchtenhersteller Erco und der Gebäudetechnikspezialist Jung einen gemeinsamen Showroom eröffnet. Die Räumlichkeiten im denkmalgeschützten Ledigenheim von Theodor Fischer greifen den Charakter des Bestands auf und treten in einen Austausch mit der Stadt.
von Alexander Russ |

Mit der Neueröffnung des Erco x Jung Showrooms im Münchner Westend haben die beiden Unternehmen einen Ort geschaffen, an dem Architektur, Licht und Technik zusammenkommen. Die Räumlichkeiten befinden sich in einer Architekturikone: dem denkmalgeschützten Ledigenheim von Theodor Fischer, einem der prägenden Baumeister der Alpenmetropole. Der 1927 errichtete Ziegelbau gilt als prägnantes Beispiel der "Neuen Sachlichkeit" in München. Bis heute wird das Gebäude als Wohnheim für alleinstehende Männer mit geringem Einkommen genutzt. Betreiber ist der Verein Ledigenheim München e. V., der kostengünstigen Wohnraum zur Miete anbietet. Dazu stehen rund 380 möblierte Zimmer zur Verfügung. Hinzu kommen Gemeinschaftsküchen, Sanitärbereiche und Aufenthaltsräume.

Beim Entwurf schrieb Fischer dem Bau einen kommunikativen Gedanken ein, indem er gewerbliche Nutzungen in der Sockelzone vorsah. Dadurch sollte sich das Ledigenheim zur Stadt öffnen und so mit ihr in einen Dialog treten. In der nordwestlichen Ecke des viergeschossigen, H-förmigen Ensembles war jahrelang eine Bank ansässig. Nach deren Auszug bot sich für Erco und Jung die Möglichkeit, den ersten gemeinsamen Showroom zu verwirklichen. Für die Planung zeichnet Lehmann, Tabillion & Castorph Architektur Stadtplanung Gesellschaft mbH verantwortlich, die momentan auch das Ledigenheim in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege sanieren.

Während Erco auf Architekturbeleuchtung mit LED-Technologie spezialisiert ist, bietet der Gebäudetechnikspezialist Jung intelligente Lösungen im Bereich Licht, Beschattung, Klima, Energie, Sicherheit, Türkommunikation und Multimedia an. Im neuen Showroom treten beide Bereiche, analog zu Theodor Fischers Ansatz, in einen räumlichen Dialog. "Das Ledigenheim ist ein außergewöhnlicher Rahmen, um Architekturgeschichte mit zeitgemäßer Gebäudetechnik zu verbinden. Noch wichtiger ist für uns aber, dass der Showroom zum Treffpunkt wird: für gemeinsame Projekte, inspirierende Formate und den offenen Austausch mit ArchitektInnen und Planenden", erläutert Deniz Turgut, Head of Marketing bei Jung.

Die Kooperation beider Unternehmen dient dabei als Leitfaden für die Planung: Zwar hat jede Marke ihre klar zugeordneten Bereiche. Trotzdem bietet das offene Raumkonzept eine Plattform, um die Produkte beider Hersteller im gemeinsamen Zusammenspiel von Licht, Gebäudesteuerung und Architektur kennenzulernen. Damit soll der Showroom ein Beispiel für ein integratives Planungsverständnis sein, in dem sich intelligente Steuerung und wahrnehmungsorientierte Beleuchtung gegenseitig ergänzen. "Architekturbeleuchtung und Gebäudetechnik treten hier in einen Dialog, der neue Gestaltungsspielräume eröffnet. Wir sehen diesen Ort als lebendiges Forum, das wir künftig mit Workshops, Veranstaltungen und besonderen Erlebnissen füllen möchten", sagt Frank Busch, Geschäftsführer Erco, über das Konzept.

Dazu wurde die ursprüngliche Raumgröße wiederhergestellt. Weiß verputzte Wände, zurückhaltende Einbauten und der hellgraue Terrazzo-Boden bilden einen dezenten Rahmen. Die Gesamtfläche umfasst etwa 450 Quadratmeter. Sie verteilt sich auf das Erdgeschoss und ein Souterrain mit Zugang zu einem der Innenhöfe des Ledigenheims. Der Eingangsbereich liegt im Erdgeschoss und öffnet sich über große Glasflächen zur Stadt. Hier befindet sich eine Lounge mit Café, die als Verbindungselement zwischen den beiden Markenflächen funktioniert. Hinzu kommen verschiedene Präsentations- und Besprechungsbereiche. Auf der Ausstellungsfläche von Erco gibt es ein leicht erhöhtes und mit Vorhängen abtrennbares Séparée, in dem die Wirkung verschiedener Lichtstimmungen erprobt werden kann. Zudem kann es bei Veranstaltungen als Bühne genutzt werden. Die Produkte sind hier teilweise fast museal anmutend in eigens angefertigten Regalwänden inszeniert. Der Ausstellungsbereich von Jung bietet dagegen aufgeräumte Beratungs- und Bemusterungszonen, in denen die Schalterserien und Steuerungssysteme demonstriert werden.

Ein gemeinsames Highlight ist das Souterrain: Hier werden die Schließfächer des ehemaligen Tresorraums der Bankfiliale zu Ausstellungsvitrinen, in denen zukünftig etwa die Jung-Schalter der Reihe "Les Couleurs® Le Corbusier®" in allen 63 Farben aufbewahrt und von Erco-Leuchten in Szene gesetzt werden. Im Unterschied zum hellen Erdgeschoss ist alles in dunklen Farben gehalten. Einzige Ausnahme sind die weißen Piktogramme von Otl Aicher, die als Leitsystem dienen. Der legendäre Grafikdesigner gestaltete das Corporate Design der Olympischen Spiele 1972 in München und zeichnet auch für die Markenidentität von Erco verantwortlich.

Wie sich Altes und Neues verbinden lassen, zeigt nicht nur der Showroom selbst: Am Eröffnungstag boten Erco und Jung die Möglichkeit, eine weitere Münchner Architekturikone zu besichtigen: die Herz Jesu Kirche vom Architekturbüro Allmann Sattler Wappner, aus dem Jahr 2000. Für die ursprüngliche Lichtplanung wurde der amerikanische Lichtplaner George Sexton beauftragt, die Beleuchtung lieferte Erco. Damals kamen Halogen-Reflektorlampen für 120V Spannung zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine Technik, die aus heutiger Sicht viel Energie verbraucht und eine kurze Haltbarkeit aufweist. Um das ursprüngliche Lichtkonzept zu bewahren und trotzdem eine nachhaltigere Lösung anzubieten, steuerte Erco vier neue Leuchtentypen bei, die praktisch unverändert in die vorhandenen Einbauöffnungen passen. Das Ergebnis ist eine behutsame Lichtsanierung, die den Bestand respektiert und gleichzeitig in die heutige Zeit trägt – etwas, das auch für den neuen Erco x Jung Showroom gilt.

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