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Ein Haus zum Entdecken

Mit der Kinderoase an der Technischen Universität München übersetzt Kéré Architecture die räumlichen Herausforderungen eines verdichteten Campusstandorts in eine lebendige, vertikal organisierte Lern- und Spielwelt aus Holz, die für eine freie Bewegung gestaltet ist.

Mitten auf dem Campus der Technischen Universität München ist ein Ort entstanden, der die klassische Vorstellung einer Kindertagesstätte neu interpretiert: Die von Kéré Architecture entworfene Kinderoase erhebt sich fünf Geschosse über einem ehemaligen Parkplatz und entwickelt aus einem räumlich stark begrenzten Grundstück eine Architektur, die Offenheit, Bewegung und Entdeckungslust in den Mittelpunkt stellt. Nahezu vollständig in Holzbauweise ausgeführt, bietet sie Raum für 60 Kinder und verbindet anspruchsvolle Konstruktion mit einer konsequent nutzerorientierten Gestaltung.

Statt sich in die Fläche auszubreiten, wächst der Bau in die Höhe. Jede Altersgruppe belegt eine eigene Ebene, wodurch eine klare Organisation entsteht, ohne die räumliche Verbundenheit des Hauses aufzugeben. Gemeinschaftlich genutzte Bereiche für Spiel, Sport und Mahlzeiten schaffen Begegnungen über die einzelnen Gruppen hinweg. Den Höhepunkt bildet die teilweise überdachte Dachterrasse "Himmelswiese", die den Kindern einen geschützten Freiraum über den Dächern der Stadt eröffnet und Naturerfahrung mit ungewöhnlichen Ausblicken verbindet. Besonders eindrucksvoll zeigt sich der Entwurfsansatz an der Nordfassade. Hier verwandelt sich die Erschließung in einen vertikalen Spielraum, in dem Rutschen die Geschosse miteinander verbinden. Der Weg durch das Gebäude wird zur räumlichen Erfahrung, Bewegung zum gestaltenden Prinzip. Was andernorts reine Funktion wäre, wird hier zu einem Element der Aneignung und des Spiels. Gleichzeitig übernimmt dieser Bereich eine wichtige technische Rolle, indem er die Gruppenräume vor dem Lärm der angrenzenden Straße abschirmt.

Die Zusammenarbeit mit den Holzbauspezialisten von HK Architekten Hermann Kaufmann + Partner prägt die konstruktive Qualität des Projekts. Mit Ausnahme der Fundamente und eines Fluchttreppenhauses besteht das Gebäude nahezu vollständig aus Holz. Die sichtbare Materialität und der dynamische Wechsel aus Transparenz und Geschlossenheit verleiht den Innenräumen eine warme Atmosphäre, während Energieeffizienz, Bauphysik, Brandschutz und thermischer Komfort von Beginn an integraler Bestandteil der Planung waren. So ist ein Bauwerk entstanden, dessen Nachhaltigkeitsanspruch unmittelbar in Konstruktion und Raumerlebnis eingeschrieben ist. Ebenso ist der außergewöhnliche Baukörper dank des natürlichen Materials ein positives Statement, das die Nachbarschaftsbebauung wertig ergänzt. 

Das Projekt zeigt exemplarisch, wie sich aus den Zwängen eines innerstädtischen Standorts architektonische Qualitäten entwickeln lassen. Pädagogische Anforderungen, räumliche Verdichtung und konstruktive Innovation greifen dabei selbstverständlich ineinander. Entstanden ist eine Umgebung, die Kinder nicht nur beherbergt, sondern sie dazu ermutigt, ihre Räume aktiv zu erkunden, Beziehungen zu knüpfen und die Welt spielerisch zu entdecken. "Meine ersten Projekte entstanden für Schulkinder, und heute baue ich für die Allerkleinsten. Das ist eine wunderbare Verantwortung. Wir haben die Kinderoase konsequent aus der Perspektive der Kinder entworfen, die sie täglich nutzen werden. Entstanden ist ein vertikaler Spielplatz, in dem sie laufen, klettern und von einem Geschoss ins nächste rutschen können. Ich hoffe, dass dieses Gebäude ihre Neugier weckt und sie dazu anregt, gemeinsam zu spielen, eigene Spiele zu erfinden und miteinander aktiv zu sein.", so Francis Kéré.