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Klein und fein – für’s Arbeiten zuhause
10.10.2014

Was Sie gerade lesen, wurde nicht im Büro geschrieben, sondern zuhause, im Homeoffice. Das ist durchaus typisch für unsere Zeit, besonders für das mobile Leben in der Großstadt. Einen Haken hat die Sache allerdings: Unsere Wohnungen sind oft recht klein. Und so brauchen wir ein flexibles Mobiliar. Da passt es, dass derzeit besonders viele kleine, feine Schreibtische oder Sekretäre auf dem Markt sind. Gerade erst wurden auf der imm cologne einige neue Modelle vorgestellt.

Ob der „S 1200“ von Thonet, das „Mateo Desk“ von Marc Berthier für Ligne Roset, das „Pegasus Home Desk“ von IF Group/Tilla Goldberg für Classicon oder ein längst in die Designgeschichte eingereihtes Exemplar von Prouvé oder Nelson, all diese Schreibtische weisen ähnliche Charakteristika auf: Sie bieten auf einer Platte von maximal einem Meter Breite Platz zum Schreiben per Hand, mit dem Laptop oder dem Tablet, beanspruchen wenig Fläche, lassen sich leicht tragen und sind obendrein auch noch dekorativ und vorzeigbar. Hinzu kommen Ablagen und Staufächer, die für Ordnung sorgen und es manchmal erlauben, die technischen Geräte intelligent einzubetten. (mm)

Heiteres Arbeiten
„Mateodesk“ von Marc Berthier, Ligne Roset, 2014

„Mateodesk“ zählt, gemeinsam mit dem ebenfalls neu vorgestellten „Inside World“ von Noé Duchaufour-Lawrance, zu einer ganzen Reihe von kleinen Schreibtischen für den Wohnbereich, die Ligne Roset in den letzten Jahren herausgebracht hat. Mit seinen gegabelten Beinen aus hochglanzpoliertem Aluminium wirkt er leichtfüßig und kokett. Schubladenelemente in Weiß, Senfgelb oder Rangergrün in Kontrast zu heller oder schwarzlackierter Eiche geben ihm eine frische, spielerische Note.
Schmucker Kasten
„AT-AT” von Tomoko Azumi, Röthlisberger, 2007

„AT-AT“ ist klein und schmuck und vermittelt eine gewisse Geborgenheit. Entstanden ist der überdies praktische Schreibtisch aus der Zusammenarbeit der Schweizer Firma Röthlisberger mit der japanischen Designerin Tomoko Azumi. Ganz im Geist dieser beiden Kulturen tritt er dezent, zugleich aber hochwertig und solide auf und zitiert in Form und Funktion kleine Sekretäre. Hochwertig und langlebig ist übrigens auch das Material: Birnbaum sowie Leder für die hintere Ablagefläche.
Staksiger Tänzer
„Staks“ von Jan Armgardt, Müller Möbelwerkstätten

Für Memos hat „Staks“ eine eigene Wand, auf die sich mittels Magneten heften lässt, was man nicht vergessen möchte. Zum Verstauen von Büchern, Netzteil oder anderen Utensilien hinter der Platte einen Kanal. Und wenn auch das noch nicht reicht, so lassen sich auf die 15 Zentimeter tiefe Ablage über der leicht geneigten Memowand Bücher stapeln. Oder man stellt eine Lampe drauf. Man wird den Eindruck nicht los – „Staks“ ist ein Allrounder. Auch wenn er etwas staksig wirkt, was mit dem Namen nicht unbedingt etwas zu tun haben muss.
Für große Kragenweiten
„Inside World” von Noé Duchaufour-Lawrance,
Ligne Roset, 2014


„Inside World“ war eines der Highlights auf der vergangenen imm Cologne, überzeugt er doch mit seiner schlichten, eleganten Form und überrascht zudem mit einem geschwungenen Filzkragen, der auch zur funktionalen Staustufe taugt. Einen pfiffigen, gestalterisch ansprechenden Kontrast zum seriösen, dunklen Holz bildet er sowieso.
Très chic
„Wogg 54” von Christoph Marchand, Wogg, 2012

Es war eine kluge Entscheidung, die Regale „Wogg 25” und „Wogg 52” um einen ebenso strengen wie filigranen Schreibtisch zu ergänzen. Das Resultat passt nicht nur zu den Regalen, es tritt im Geiste der Moderne auch überaus charmant auf. Mit seiner Kombination aus Schwarz und Weiß entführt er uns in die Welt von Coco Chanel – und trippelt dabei verführerisch und galant auf seinem Metalluntergestell.
Klare Kante für Philosophen
„Kant“ von Patrick Frey und Markus Boge,
Nils Holger Moormann, 2002


Genial einfach – einfach genial: Man mache einen Knick oder eine Falte in die Platte. Und schon lösen sich viele Probleme auf einmal. Wohin mit meinen Stiften? Wohin mit meinen Büchern, Notizen, Radiergummis und Zeichenrollen? Runterrollen kann definitiv nichts mehr. Ob sich der Name – ein typisches Sprachspiel Moormanns – nun auf die „Kant“, also auf die abgekantete Platte, oder auf den Philosophen Immanuel Kant bezieht – wer weiß es schon?
Perfekte Sattlerarbeit
„Pegasus Home Desk“ von IF Group/Tilla Goldberg,
Classicon, 2014


Dieser kleine Tisch ist nicht nur handwerklich äußerst raffiniert gemacht, sondern auch ein kleines Ordnungswunder. Geräte wie Laptops, Tablets und Ladestationen kann man bequem im Innenfach verstauen, das unter einer aufrollbaren Platte aus Kernleder liegt. Darin versteckt, lassen sich die Geräte und Utensilien aber durch das feine Lochmuster im Leder erahnen, das zusätzlich für Belüftung sorgt. Ist alles verstaut, will man aber einfach nur an „Pegasus“ sitzen, um genüsslich über das weiche Leder zu streichen, das den Tisch vollkommen ummantelt.
Klappe zu – und Ruh
„PS 08“ , Lippert Studios, Müller Möbelfabrikation, 2011

Er nennt sich schlicht „PS“, besteht aus Metall und kann seidenmatt in jedem gewünschten RAL-Ton lackiert werden. Seine Füße sind in strapazierfähigem Mattlack gehalten, die Arbeitsfläche aus schwarzem Linoleum sorgt für ein angenehmes Schreibgefühl, und, der Clou, der Deckel lässt sich durch Gasdruckfedern sanft öffnen und schließen. Die Stromversorgung ist integriert und eine geräumige Schublade mit Stiftmulde und Kabeldurchlass machen die Organisation perfekt. Wer weniger braucht, für den gibt es den „PS 10“, offen, ohne Klappe, und den einfacher gehaltenen „PS 07“.
Frisch und bunt
„Desk” von Gesa Hansen, Hansen Family, 2010

Nur die besten Zutaten aus der Designgeschichte hat die dänische Designerin Gesa Hansen für ihr „Desk“ verwendet und neu gemischt. Ein Schuss „Home Desk“ von George Nelson und eine Prise vom klassischen englischen Davenport Sekretär, und schon entsteht ein hübscher, kleiner und funktionaler Tisch, dessen Platte sich herausziehen lässt. Ein wenig erinnert er an die Schulzeit, doch so bunt waren die Tische damals leider nicht.
Beschwingt Arbeiten
„Home Desk“ von George Nelson, Vitra, 1958

Als George Nelson in den 1950er Jahren die „Swag“-Serie mit Tischen und Stühle kreierte, dachte er an geschwungene, industriell gefertigte Beine aus Metall, die man leicht selbst montieren kann. Der kleine Tisch, der ursprünglich für Damen gedacht war, ist heute ein idealer und attraktiver Begleiter durch den Alltag – und natürlich eine geschichtsträchtige Designikone.
Zirkeltraining
„Compas Direction“ von Jean Prouvé, Vitra, 1949

Noch ein Klassiker. Entworfen hat Jean Prouvé den kleinen Schreibtisch „Compas Direction“ 1949. Wiederaufgelegt wurde er von Vitra 2012 im Zuge der Präsentation der RAW-Edition – einer Kooperation mit dem Modeunternehmen G-Star. Seit 2013 ist er Bestandteil der regulären Vitra-Prouvé-Kollektion. Das Konstruktionsprinzip wie auch der Name leitet sich von einem „Zirkel“ (französisch: Compas) ab. Passend dazu gibt es den Stuhl „Fauteil Direction“.
Bonjour Mademoiselle
„Ursuline“ von Pierre Paulin, Ligne Roset, 2009

Eher untypisch für Pierre Paulin ist dieser kleine Tisch, in lackiertem Weiß oder Nussbaum. Ligne Roset hat „Ursuline“ im Todesjahr des großen französischen Designers herausgebracht. Benannt ist er nach der Rue des Ursulines in Paris, in der Paulin einen Teil seines Lebens verbracht hat. Seine weibliche Note kann er kaum verbergen, ist er doch eine Reminiszenz an Paulins Entwurf „CM 193“ für Thonet France aus den 1950er Jahren, einem Schreibtisch für Damen.
Alles nur Theater?
„Pirandello“ von Jasper Morrison, Glasitalia, 2012

Jasper Morrison und Luigi Pirandello? Der aufs Schlichte abonnierte britische Designer und der gegen den Illusionismus auf dem Theater fechtende Autor? Welch‘ eine Begegnung! Und dann das: ein Schreibtisch aus Glas. Wer weiß, vielleicht hat Morrison an Pirandello, dessen bekanntestes Stück nicht von ungefähr den Titel „Sechs Personen suchen einen Autor“ trägt, ja zweierlei gereizt: dass er die Mechanismen des Theaters transparent machte, und dass auf diese Weise herauskommt: auch das Schreiben ist nichts als Theater? Wie dem auch sei, Morrisons „Pirandello“ macht kein Theater. Er ist nichts als eine Funktion.
Die Wand hilft
„Storch“ von Nando Schmidlin, Mox, 2010

Ein wenig unbeholfen wirkt „Storch“ schon, wie er da auf seinen zwei Beinchen gegen die Wand gelehnt steht. In der Tat erkennt man die Beine des Zugvogels und mit ein bisschen Fantasie auch Ansätze von Flügeln. Irgendwie muss man ihn lieb haben, diesen pfiffigen kleinen Kerl, aus pulverbeschichtetem Stahlblech und massivem Eichenholz. Aber praktisch ist er eben auch, sofern man eine freie Wand hat, die ihm hilft.
Stahlende Schönheit
„S 1200“ von Thonet, 2014

Auch wenn es verdächtig danach aussieht, bei dem „S 1200“ handelt es sich nicht um einen Bauhaus-Klassiker von anno dazumal. Das Thonet-Team hat diesen Schreibtisch vielmehr passend zu Stahlrohrstühlen wie dem „S 43“ von Mart Stam entworfen – und dabei äußerst praktische Funktionen wie Fußstütze und Ablagefach keineswegs vergessen.
Tradition verpflichtet
„K2C“ von Tecta, 2005

Der Konsoltisch aus dem Hause Tecta gehört in die Reihe der „Oblique“-Tische und Sitzgelegenheiten und besticht vor allem durch die markante Form des Stahlrohrs. Eine schlanke Angelegenheit, in Schwarz, Weiß oder Rot, in Eiche oder Nussbaum.

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