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Wohnraum neu definiert
Konstantin Grcic: Wir haben uns nie aus den Augen verloren. Seit über zehn Jahren stehen wir in einem kontinuierlichen Dialog und mit "PAR" setzen wir die Designentwicklung von Laufen fort.
Marc Viadot: Wir verfolgen große globale Pläne mit Laufen. Konstantins Einfluss ist dabei in den Produkten und der Markenidentität sichtbar. Durch den intensiven Austausch und das gegenseitige Vertrauen ermöglichten es, Entscheidungen pragmatisch zu treffen. Mit dem neuen Projekt "PAR" haben wir neue Herausforderungen angenommen.
Zeit ist ein zentrales Thema dieser Kollektion. Was braucht Design, um zeitlos zu sein? Oder ist das gar nicht der Anspruch?
Konstantin Grcic: Es geht uns nicht darum und zugleich geht es uns natürlich doch darum. Am Ende ist die Qualität entscheidend. Sie schafft Voraussetzungen für etwas, das Bestand haben kann, materiell wie stilistisch. Gleichzeitig finde ich den Begriff zeitlos schwierig. Viele Dinge, die wir heute als zeitlos empfinden, sind aus einem sehr konkreten Zeitgeist heraus entstanden. Dem können und wollen wir uns nicht entziehen. Natürlich reflektieren wir mit unserer Arbeit auch das Jetzt, die Stimmung unserer Zeit. Die Werte, um die es uns geht, sind jedoch größer: Qualität, Klarheit, verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen sowie mit den Bedürfnissen des Menschen. Das sind keine zeitlichen Kategorien, sondern ganzheitliche.
Die Kollektion könnte im Grunde in jedem Raum funktionieren. War es dein Ansatz, die klare Zuordnung zum klassischen Bad aufzulösen?
Konstantin Grcic: Deine Beobachtung überrascht mich ein wenig, aber sie trifft etwas sehr Wesentliches. Ich komme aus der Gestaltung von Objekten, die immer Teil von Räumen sind und eine Atmosphäre erzeugen. Ich wollte bewusst keine harte Trennung zwischen Bad, Wohnraum oder anderen Bereichen ziehen. Alles ist Teil eines Lebensraums. Das Bad ist ein sehr intimer Ort und oft ein Raum, in dem man allein ist. Aber gerade dort sind vertraute, einfache und verlässliche Dinge wichtig, wie mit Blick auf den Waschtisch, der eine Selbstverständlichkeit haben sollte, eine ruhige und klare Gestaltung. Wir haben viel über NutzerInnen gesprochen, die Lebenserfahrung haben, die wissen, was sie wollen. Kompromisse sind nicht gefragt, was aber Experimente nicht ausschließt.
Was hat Laufen ermöglicht, beispielsweise hinsichtlich der Radien und Materialstärken oder dank der ressourcenschonenden Technologie des elektrischen Tunnelofens, das dir gestalterischen Freiraum gegeben hat?
Konstantin Grcic: Wir haben Saphirkeramik eingesetzt, auch wenn das Design es zunächst nicht zwingend verlangt hätte. Dieses Material gibt uns die Präzision und Qualität, die eine hochwertige Serie braucht. Damit können in dieser Form nur wir arbeiten. Ebenso gibt es viele Funktionen, die bewusst nicht in den Vordergrund gestellt werden, weil sie selbstverständlich sein sollen. Ein Beispiel ist der neu entwickelte Siphon, der von oben gereinigt werden kann. Eine logische Idee, die jedoch in der Umsetzung sehr komplex ist, da sie weltweit industriell einsetzbar sein muss. Viele dieser Details sieht man nicht auf den ersten Blick, aber genau sie machen die Serie aus.
Marc, "Design ist Strategie, nicht Dekoration" ist ein Zitat von dir. Stichtwort Designintelligenz – was ist essenziell um Menschen, Materialien und Prozesse intelligent einzubinden, damit hochwertige Badprodukte entstehen?
Marc Viardot: Design ist für uns keine Oberfläche, sondern Strategie. Gutes Design entsteht durch Beziehungen und Vertrauen. Unsere erste gemeinsame Serie "VAL" ist dafür ein gutes Beispiel: Was 2014 als Experiment begann, führte zu einem Paradigmenwechsel und globalem Erfolg. Designintelligenz bedeutet, Gestaltung nicht isoliert zu betrachten. Hochwertige Badprodukte entstehen durch das intelligente Zusammenspiel von Funktion, Materialqualität, Technologie und Nutzerbedürfnissen. Entscheidend ist, dass ein Produkt langfristig relevant bleibt – ästhetisch wie funktional. Ein Bad ist eine große Investition und begleitet Menschen über viele Jahre hinweg. Die Anforderungen der NuterInnen verändern sich, das Produkt muss mitleben. Dekoration wäre dafür zu kurz gedacht.
Konstantin Grcic: Ich möchte das gerne erweitern. Dekoration ist kein Schimpfwort. Schönheit ist eine Funktion, sie hat einen Wert. Wir gestalten nicht nur Problemlöser. Gestaltung gehört dazu. Auch ein Radius kann schön sein, wenn er exakt richtig ist. Dann entsteht etwas Stimmiges. Vorher ist es nur eine technische Form.
Ist Perfektion also auch eine Form von Schönheit?
Konstantin Grcic: Ja, solange sie nicht anstrengend wird. Perfektion kann kühl wirken. Entscheidend ist die Balance.
Wie beeinflussen die Werkzeuge der KI, die Ressourcenknappheit und globalen Krisen aktuell eure Arbeit?
Konstantin Grcic: Ich habe den Eindruck, dass wir uns davon noch freimachen können. KI ist derzeit keine Bedrohung für unsere Disziplin. Sie bietet interessante Möglichkeiten, aber wir müssen lernen, was sie ist und wie wir sie nutzen. Gerade weil KI vorhandenes Wissen verarbeitet, müssen wir als GestalterInnen wieder stärker unsere eigene Intelligenz und Kreativität einsetzen. Vielleicht ist das eine Chance, uns darauf zurückzubesinnen.
Marc Viardot: ..und den persönlichen Austausch um so mehr zu pflegen.
Konstantin, die Gestaltung des Laufen Space zur Milan Design Week unter dem Motto "When Time becomes material"“ wirkte auf mich wie ein Gegenentwurf zu der Hektik vor der Tür. War es deine Intention, die BesucherInnen bewusst zu entschleunigen?
Konstantin Grcic: Ja, absolut. Es freut mich sehr, dass du das so wahrgenommen hast. Der Grundriss selbst ist schwierig, chaotisch. Unser erster Impuls war, einen Raum im Raum zu schaffen. Die Materialität, die Volumen, das Kunstwerk, all das sollte Ruhe erzeugen. Es ging uns um etwas Ehrliches, Einfaches, Reales. Ich war mir bis zuletzt nicht sicher, ob das gelingt. Umso schöner, dieses Feedback zu hören.
Laufen @ ISH 2027
15. bis 19. März 2027
Halle 3.1, C70








