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Licht- und Reifenspuren – Selbstdarstellungen der Autoindustrie 4
von Thomas Wagner | 30.11.2009
Advertorial BMW Z4 Roadster

Unterm Pflaster liegt der Strand, unterm Reifen aber selten Papier. Und Jackson Pollock fuhr auch keinen BMW. Hinter der allzu typischen „Kreatividee" der globalen Kampagne für den neuen BMW Z4 Roadster steckt mithin nicht „Jack the Dripper", sondern der südafrikanische Streetart-Künstler Robin Rhode, der unter dem Motto „Ausdruck purer Fahrfreude" das neue BMW Modell in verschiedenen Farben einen Fußballfeldgroßen Bodenbelag befahren und mit den Reifen „bemalen" ließ, was der Hollywood-Regisseur - und Hollywood muss es sein - Jake Scott dynamisch in Szene setzte.

Der Sportwagen als künstlerisches Werkzeug, das auf einer riesigen Leinwand farbige, chaotische und expressive Spuren hinterlässt - das ist von guter Kunst so weit entfernt wie ein Tretboot von einem Z4. Von den bescheidenen gestischen Fingerübungen, die der Künstler zwischendurch auf kleineren Papieren vorführt, ganz zu schweigen. Als ob ein Sportwagenfahrer nichts anderes im Sinn hätte als vermeintlich kreative Farbkreise zu ziehen. Warum man sich so etwas antut, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Dabei hat der Reifen in der Kunst - ob bei Robert Rauschenberg oder Richard Hamilton - durchaus seine Spuren hinterlassen, allerdings ohne Automobil und im Sinne eines Abdrucks. Aufgewärmtes Action Painting im Roadster war aus guten Gründen bislang nicht dabei.

Weniger verkrampft in Richtung Kunst geht es, wenn Audi seinen Q5 mit Hilfe eines netten, gezeichneten Bastlers aus der Box holt und von der Schachtelform befreit, auch wenn wir hoffen wollen, dass das Design am Ende nicht von Pappe ist. Auch der technisch recht virtuose Einsatz animierter kleiner Daumenkinos biedert sich eben nicht bei der Kunst an, sondern nutz ein einfaches Medium auf überraschende Weise.

Besonderer Beliebtheit bei den Werbern erfreut sich offenbar der Einsatz von Lichteffekten. Der Weg von Hans Richters filmischen Experimenten mit rhythmisierten abstrakten Formen aus den zwanziger Jahren und Oskar Fischingers animierten Reklamefilmen der dreißiger Jahre - man denke nur an die paradierenden Zigaretten von „Muratti greift ein" - bis zu solch aktuellem, computeranimiertem Kunsthandwerk, ist freilich allzu weit und verrät viel von der Ängstlichkeit, mit der heutige Werbung avancierten Formen der Kunst begegnet.
Wenn der sonore Sound des Motors eines Lexus ISF nun also mittels abstrakter Computergrafiken illustriert wird, die mal als Linienbündel, mal als metallisch glänzende Halme erscheinen und mit zunehmender Drehzahl immer schneller durch einen dunklen Raum eilen, so kommt einem das seltsam bezugslos und beliebig vor. Spannend wäre es gewesen, hätte man bei Lexus einen Künstler wie Takashi Murakami gebeten, einen Film zu machen.

Anders, aber nicht besser, macht es Mazda. Dass die Karosserieform des neuen Mazda 3 so dynamisch ist, weil sie aus Lichtspuren entstand, die ein Künstlerdesigner in die Luft gezeichnet hat, ist jedenfalls nicht halb so poetisch wie sich Techniker das vorstellen. Und mit Design hat es auch nichts zu tun.

Advertorial BMW Z4 Roadster
Advertorial Audi Q5
Advertorial Audi Q5
Advertorial Lexus ISF
Advertorial Mazda 3