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Im Wohnzimmer soll’s warm und gemütlich werden: Trotz Zentralheizung bleibt die Sehnsucht nach Kaminen.
Foto © Tim Lüking
Pelletöfen für Passivhäuser: das Modell „Lou“ mit Verkleidung aus siebbedrucktem Glas. Foto © Edilkamin
Solitär mit freier Sicht: Beim Heizeinsatz „Cubeo“ von Rüegg kann das Feuer von allen Seiten betrachtet werden.
Foto © Rüegg
Feuertüre in der Wand: der Heizeinsatz „Logaflame HLS116“, entworfen von Stefan Diez.
Foto © 2013 by Stefan Diez Office und e15 / Ingmar Kurth
Kompakter Feuerwürfel: der Pelletofen „HSP 2.17 Premium“ von Hass und Sohn mit vollautomatischer Raumtemperaturregelung. Foto © Hass und Sohn
Weitwinkel: Der Konvektionsofen „Faro“ bietet durch seine um 180 Grad gewölbte Glasscheibe eine besonders großzügige Sicht auf das Feuer. Foto © Cera Design
Lustfeuer und hybride Hausgenossen
von Thomas Edelmann
29.01.2015

Wer plant, bei Neu- oder Umbauten, die Heizung ganz oder teilweise auf feste Brennstoffe wie Scheitholz oder Holzpellets umzustellen, sieht sich einem riesigen Angebot verschiedener Konstellationen gegenüber. Über Konstruktion, Technik und Design neuster Einzelfeuerstätten und ihrer Anwendung gibt die ISH in Frankfurt am Main, die vom 10. bis 14. März 2015 stattfindet, einen guten Überblick. Als Weltleitmesse für Baddesign, Gebäude-, Energie-, Klimatechnik und erneuerbare Energien versammelt sie die wichtigsten Anbieter dieses Feldes.

Wer sich vornimmt, mit Holz zu heizen, sollte überlegen, was im konkreten Fall nützlich und sinnvoll ist. Welche Funktion soll die neue Feuerstätte in der Wohnung erfüllen? Soll sie Leib und Seele gelegentlich mit Wärme und stimmungsvollen Flammenspielen erfreuen? Oder aber ist sie als ständige Hauptquelle der Wärmeversorgung vorgesehen? Dient sie nur als Ergänzung?

Kessel im Keller

Entscheidet man sich für eine Zentralheizung und sieht für deren Betrieb nachwachsende Brennstoffe vor, wird das Gerät üblicherweise im Heiz- oder Technikraum untergebracht. Seine äußere Form ist dann zwar nicht belanglos, aber untergeordnet gegenüber einzelnen Feuerstätten, die im Wohnraum aufgestellt werden. Umso wichtiger dürfte beim Kellergerät die einfache, zuverlässige Bedienbarkeit und Wartung des Gerätes sein und die Möglichkeit, es platzsparend unterzubringen.
Während bei Öl- oder Gasheizungen über den Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser, die Platzierung der Heizkessel, die Leitungsführung und Art der Wärmeverteilung nachgedacht werden muss, bekommt der Begriff Nachhaltigkeit bei Planung und Betrieb von holzbefeuerten Heizungen eine zusätzliche, lebenspraktische Bedeutung. So empfiehlt sich eine Feuerstelle in einer hoch gelegenen Eigentumswohnung nur dann, wenn der Transport des Brennmaterials dorthin handhabbar bleibt. Denn idealerweise wird Scheitholz einige Jahre trocken im Freien gelagert, bevor es im Kamin im lodernden Feuer vergeht und dabei Wärme spendet. Kündige ich dann dem Fitness-Studio und entwickle von nun an beim Spalten des Holzes ungeahnte Kräfte? Oder möchte ich – vergleichbar mit der Ölheizung – lieber regelmäßig einen Vorratsbehälter mit Pellets auffüllen lassen? Hat man Fragen wie diese endlich für sich geklärt, erscheint die überwältigende Vielfalt des Angebotes schon übersichtlicher.

Zwischen Nostalgie und smarter Technologie

Wiederum anders stellt sich die Situation beim Speicher- oder Grundofen dar, wie er von historischen Kachelöfen bekannt ist. Dieser, einst als technologisches Relikt vergangener Epochen verachtet und mutwillig zerstört – erlangt als Nachbau oder zerlegtes und an anderem Ort neu errichtetes Original eine neue Bedeutung – und zwar als wärmender Hausgenosse. Viele spezialisierte Anbieter bedienen sich bei der Konstruktion und Gestaltung neuer Grundöfen aktueller Formensprachen. Das geht bis hin zur Verkleidung der äußeren Form mit Materialien wie Leder, Beton oder Stampflehm. Traditionell lodern die Flammen des Kachel- oder Grundofens hinter verschlossenen Türen. Seine Besonderheit ist die als angenehm empfundene Strahlungswärme. Damit er die Wärme speichern und auch noch nach Erlöschen des Feuers über Stunden abgeben kann, dienen Schamottesteine als Speicher und lassen den Ofen so besonders groß und schwer werden. Eine weitere Besonderheit sind Öfen und Kamine mit Wassertechnik, wie sie beispielsweise Spartherm oder Oranier anbietet, die einen gewissen Anteil der Warmwassererzeugung für die Heizkörper der übrigen Räume des Hauses liefern. Und auch dieser Bereich ist im Begriff, von smarten Technologien erobert zu werden. Einige Geräte, beispielsweise von Rika, lassen sich digital steuern, sodass man selbst entscheiden kann, ob und wie viel Wärme jeweils an den Heizkreislauf oder an die Speichermasse des Grundofens weiter gegeben werden soll. Doch trotz leichterer, digitaler Bedienung: Viele Arbeiten rund ums Feuermachen erscheinen verwöhnten Nutzern der Zentralheizung zunächst noch ungewohnt.

Das Feuer als Sinneserfahrung

Um den Grundofen heutigen Bedingungen anzupassen, haben etliche Hersteller hybride Modelle entwickelt, die als Kompaktspeicheröfen dessen Vorteile mit den typischen Eigenschaften des Kamins verbinden. Diese Hybride sind leichter und geben, nachdem das Feuer erloschen ist, weniger Wärme ab. Dafür aber ist das Feuer hinter einer Glasscheibe sichtbar.
Alle, denen das Feuer als visuelle Sinneserfahrung besonders wichtig ist, dürften sich für das ebenfalls schier grenzenlose Angebot von Panorama- und Architektur-Kaminen interessieren, wie sie beispielsweise Rüegg im Angebot hat. Diese sogenannten Lustfeuer lassen sich am besten gleich als integraler Bestandteil des Hauses mit einplanen, und auch für die nachträgliche Integration im Bestandsbau gibt es überzeugende Lösungen. Hersteller wie EdilKamin stimmen ihre Produkte zusätzlich auf die Bedürfnisse des gedämmten Passivhauses ab, sie werden ausschließlich von außen belüftet und ziehen keine Luft aus dem Wohnraum. Heute ist das Kaminfeuer stets hinter einer – möglichst großen – Glasscheibe geschützt: Sie leitet die Wärme besser in den Raum weiter, was den Wirkungsgrad des Kamins beträchtlich erhöht. Zusätzlich schützt die Scheibe vor Schmutz, Brandgeruch und Funkenflug in der Wohnung.

Auf der Suche nach dem Neuem

Vor zwei Jahren stellte der Hersteller Buderus auf der ISH Nachrüstelemente mit Glastür für bestehende Heizeinsätze vor, die Stefan Diez entworfen hatte. Auf der diesjährigen Messe wollen Buderus und Diez neue freistehende Öfen präsentieren. Neben der äußeren Form spielten Fragen nach der Farbgebung und den Bediendetails für den Münchner Designer eine besondere Rolle. Wie lassen sich Konventionen verändern? Und wie kann die Gestaltung der Öfen noch besser an aktuelle Wohnwelten angepasst werden? Denn obwohl es in der Branche eine große Vielfalt an Formen und Detaillösungen gibt – vom puristischen Bauteil bis zum dekorativ verspielten Rahmen – dominieren gerade bei anspruchsvolleren Öfen bestimmte Grundtypen und Material-Farbkombinationen: etwa runde Objekte mit gusseisernen Bauteilen, in Anthrazitfarben. Worin sich die Produkte verschiedener Hersteller unterscheiden, ist die Art der Modularisierung einzelner Bauelemente, die Anbringung und Präsentation der Markenzeichen. Und eben diese Details lassen sich am besten vergleichen und bewerten auf einer Messe mit bedeutenden Herstellern und Anbietern dieses Segmentes, wie es die ISH Frankfurt fraglos ist.

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