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Rendering of the expanded New Museum.

Raum für Rebellion

Manhattans einziges Museum für zeitgenössische Kunst wächst: Die Architekten Shohei Shigematsu, Rem Koolhaas und Cooper Robertson haben die Erweiterung für das New Museum entworfen. Die Eröffnung ist für den 21. und 22. März 2026 geplant.
von Anna Moldenhauer | 23.01.2026

Was 1977 in einem kleinen Büro in New York City als Akt der Auflehnung gegen den etablierten Kunstbetrieb begann, treibt nun neue Zweige: Das von der Kuratorin Marcia Tucker gegründete New Museum erhält eine umfangreiche Erweiterung. Das bisherige Hauptgebäude in Lower Manhattan erdachte das japanische Architekturbüro SANAA, 2007 folgte die Eröffnung. Ein siebenstöckiger Turm, der mit Oberlichtern und großen Glasflächen im Sockel Offenheit symbolisiert, Schwellen niedrig hält, viel Tageslicht hereinlässt. Der im Kontrast zu den Monumenten der Weltstadt aus Glas und Stahl selbst einer Skulptur gleicht, dessen Etagen wie Boxen versetzt übereinandergestapelt sind. Es war der erste Bau von Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa in New York. Um ihre Ideen für das Museum zu realisieren, hatten sie nur ein kleines Grundstück von etwa zwanzig Metern Breite zur Verfügung, das zudem von den umliegenden Gebäuden eingefasst wurde. Eine Aufgabe, die sie in der Vertikalen mittels der schrittweisen Reduktion von Flächen und Raumhöhen lösten. Das Stahlskelett wurde indes nicht versteckt, sondern offen ausgestellt, wie die Böden aus Beton. Ein praktischer Purismus mit einer Außenhaut aus Aluminium-Streckmetall, die je nach Witterung strahlend Weiß bis Mattgrau wirkt.

Der futuristische Baukörper bietet einen hohen Wiedererkennungswert und zog von Beginn an ohne viel Aufhebens die Aufmerksamkeit auf sich – mutet dieser doch zwischen den historischen Backsteingebäuden samt eisernen Feuertreppen und von Ruß dunkel gewordenen Fassaden wie eine Computersimulation an. Selbst die Lage hatte einen besonderen Charakter: Die Bowery Street galt über Jahrzehnte als verwahrloste Gegend, eine sogenannte "Skid Row", die mit sozialem Abstieg und Kriminalität in Verbindung stand. Marcia Tucker griff das Thema Fremdkörper in ihrer inhaltlichen Ausrichtung für das New Museum auf, nachdem sie im Zuge einer öffentlichen Kontroverse über die 1975 als unkonventionell interpretierte Arbeit von Postminimalist Richard Tuttle ihre Anstellung als Kuratorin beim Whitney Museum verloren hatte. Ihr Programm war revolutionär, eigenwillig, experimentell. Die progressiven Schauen sorgten schnell für Aufsehen. KünstlerInnen, deren Arbeit nicht in gängige Kategorien passte, fanden im New Museum einen Raum für Ausdruck, Entfaltung und Vernetzung. Viele von ihnen sind heute international bekannt, wie William Kentridge, Bruce Nauman, Pipilotti Rist, Isa Genzken oder Jeff Koons. "New Art, New Ideas", so das Motto von Tucker.

Rendering of the expanded New Museum.

Auch eine architektonische Schau von OMA/Rem Koolhaas gehörte zu den ersten Präsentationen im New Museum. 2011 zeigten sie die Ausstellung "Cronocaos", die zuvor auf der Biennale Architettura in Venedig zu sehen war und Denkmalpflege wie Transformation als Fokus hatte. Für den Neubau, der das bisherige Flagschiff auf sieben Stockwerken ergänzt, wurde der Bestand in der 231 Bowery Street abgerissen und eine Struktur erdacht, die den Schulterschluss zum bisherigen Hauptgebäude bildet. Drei Etagen dienen der Ausstellung, während die restliche Fläche unter anderem als Inkubator New Inc für Kunst, Design und Technologie, als Archiv und KünstlerInnenresidenz sowie für die Gemeinschafts- und Bildungsprogramme des Museums dienen wird. Die terrassenförmig angelegten Flächen sind demnach mit einer flexibel veränderbaren Nutzung versehen. Hinzu kommt ein Restaurant und ein Forum im Obergeschoss, dass mit dem Skyroom des Baus von SANAA verbunden ist. Den Abschluss bildet das mit Photovoltaik ausgestattete Dach.

Die Fassade des neuen Objekts besteht aus Verbundglas mit einer Zwischenschicht aus Metallgewebe und zeigt architektonische Gesten, wie rechtwinklige Dreiecke, die zurückhaltend auftreten. Die Silhouette bildet so ein eigenständiges Element und steht dennoch harmonisch im Verbund. "Das New Museum ist eine Brutstätte für neue kulturelle Perspektiven und Produktionen, und die Erweiterung soll diese Haltung der Offenheit verkörpern", so Shohei Shigematsu, Partner bei OMA. Eingeweiht werden die neuen Räume mit der Ausstellung "New Humans: Memories of the Future", dessen interdisziplinäre Werke erkunden, wie technologische und gesellschaftliche Veränderungen neue Vorstellungen vom Menschsein und kreative Visionen für dessen mögliche Zukunft erzeugen.

Rendering of the expanded New Museum.
Rendering of the expanded New Museum.
New Museum, New Beginnings