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Der Parfümdiffusor "Nuto" verteilt den Duft mithilfe einer Straußenfeder, die sanft von einem Motor sanft bewegt wird.

imm cologne 2019
Design für alle Sinne

Pierre Charrié ist der diesjährige Preisträger des Kaldewei Future Award by A&W. Fabian Peters hat im Rahmen der imm cologne 2019 mit ihm gesprochen.
25.01.2019

Pierre Charrié ist einer der originellsten jungen Entwerfer, die die französische Designszene zurzeit zu bieten hat. Jetzt wurde er am Vorabend der imm cologne 2019 mit dem Kaldewei Future Award by A&W ausgezeichnet, den der westfälische Spezialist für Badlösungen jährlich gemeinsam mit der A&W vergibt. Fabian Peters hat Pierre Charrié anlässlich der Preisverleihung im neuen 25hours Hotel "The Circle" in Köln interviewt.

Fabian Peters: Können Sie in wenigen Worten Ihre Designphilosophie beschreiben?

Pierre Charrié: Natürlich hängt mein Zugang zum jeweiligen Entwurf zunächst vom Auftrag ab. Wenn ich um ein Regal gebeten werde, entwerfe ich ein Regal. Aber grundsätzlich gilt, das ich immer versuche, ein "Mehr" bei meinen Objekten zu schaffen. Jede meiner Arbeiten soll etwas Überraschendes, Magisches besitzen. Beim Tisch "Campane" beispielsweise umfängt den Tischfuß eine Metallglocke. Der Schlegel ragt an seinem oberen Ende durch einen Spalt in der Tischplatte und bringt durch einen kleinen Schwung die Glocke zum Klingen.

Pierre Charrié

Viele Ihrer Entwürfe sind sehr dekorativ. Wie wichtig ist diese Eigenschaft für Sie?

Pierre Charrié: Ich versuche immer, meine Ideen in etwas Schönes, etwas Dekoratives zu übersetzen. Wobei am Anfang immer die Idee steht. Sensualität steht für mich dabei häufig im Zentrum. Wie etwa bei meinem Parfümdiffuser "Nuto" oder den Lautsprechern "Surfaces Sonores". Weil Gerüche und Geräusche unsichtbar sind, versuche ich diese Sinneseindrücke für das Auge in eine Form zu übersetzen. 

Ihre Formensprache ist unübersehbar von der Kunst und dem Design Japans beeinflusst!

Pierre Charrié: Ich war schon immer von der japanischen Kultur fasziniert. Vor drei Jahren hatte ich das Glück, dank eines Stipendiums in Kyoto mit japanischen Handwerkern zusammenarbeiten zu dürfen. Diese Handwerker arbeiten mit wunderbaren Werkstoffen, die sie perfekt zu bearbeiten wissen. So habe ich mit einem Betrieb gearbeitet, der in der Raden-Technik arbeitet, der traditionellen japanischen Intarsienkunst. Gemeinsam mit diesen Handwerkern habe ich die Objektserie "Vison-Visu" gestaltet, bei der Perlmutt-Intarsien in Form der verwendeten Muschelart in eine Lackoberfläche eingefügt wurden. Für die Tische "Tankaï" habe ich die Hyogu-Technik verwendet, die auch für Paravents benutzt wird. Die Tische sind mit Washi-Papier und Blattsilber beklebt.

Den Fuß des Tisches "Campane" umschließt eine Glocke. Der Schlegel, der durch die Tischplatte ragt, bringt sie zum klingen.

Woran arbeiten Sie zurzeit?

Pierre Charrié: Gegenwärtig arbeite ich an einem Schaukel-Loungechair mit integriertem Glockenspiel – für einen musikuntermalten Moment der Entspannung. Außerdem entwickle ich zurzeit eine Art Fernrohr, wie es an Aussichtsplätzen steht. Nur dass man hier, wenn man hindurchblickt, in die Vergangenheit schaut. Man sieht den Ort, an dem man gerade steht, vor hundert oder auch tausend Jahren. Wer sich also etwa in Paris auf der Place de la Bastille befindet und sich fragt, wo denn bis zur Französischen Revolution die Bastille stand, der kann es durch dieses besondere Fernrohr herausfinden.

Der Tisch aus der Serie "Tankaï" ist mit Washi- oder Japanpapier und versengtem Blattsilber dekoriert.
Im Griff des Krugs "Pan" versteckt sich eine Flöte, der die Bewegung der Flüssigkeit im Gefäß Töne entlockt. Pierre Charrié entdeckte diese Technik bei südamerikanischem Ritualgeschirr.
Bei den Lautsprechern der Serie "Surfaces Sonores" macht sich Pierre Charrié die akustischen Eigenschaften des gebogenen Holzes zunutze, ein Prinzip nach dem etwa auch die Resonanzböden von Geigen funktionieren.