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imm cologne 2019
Objekte aus der Nendo-Zeit

Ein Interview mit Oki Sato, dem Gründer und Mastermind des Designstudios Nendo.
von Fabian Peters | 24.01.2019

Entwürfe des Tokioter Designstudios Nendo sind auf den ersten Blick zu erkennen. Vielleicht ist Oki Sato, der Kopf hinter Nendo, der erste seit Philippe Starcks Glanzzeiten in den 1980er und 1990er Jahren, dessen Design eine so charakteristische und einheitliche Handschrift zeigt. Jetzt hat er für Wonderglass eine Kollektion von Glasmöbeln entworfen, die anlässlich der Auszeichnung "A&W Designer des Jahres" in Köln präsentiert wurde. Fabian Peters hat Oki Sato zum Interview getroffen. 

Fabian Peters: Sie haben es geschafft, eine Formensprache zu entwickeln, die gleichermaßen universell wie individuell ist. Wie ist Ihnen das gelungen?

Oki Sato: Vielen Dank für das Kompliment. Eigentlich gestalte ich einfach nur Dinge, die mir selbst gefallen. Ich wüsste gar nicht, wie ich es anders machen sollte. Wahrscheinlich ist deshalb meine Formensprache so einheitlich. 

Was hat Sie für Ihre jüngste Zusammenarbeit mit Wonderglass inspiriert? 

Oki Sato: Ich war sehr beeindruckt, als ich die Glasmanufaktur in Venedig besucht habe. Ich habe zwar schon mehrfach mit Glasherstellern zusammengearbeitet, etwa mit der tschechischen Manufaktur Lasvit, dabei ging es aber um mundgeblasenes Glas. Wonderglass verwendet dagegen ein besonderes Verfahren, um Glas zu gießen. Das Glas hat dabei eine Konsistenz wie Lehm oder auch Knete. Es wird zunächst eine Platte aus heißer Glasmasse geformt, die die Glasmacher dann mit ihren Werkzeugen weiterbearbeiten. Meine Idee war es, große Objekte, Möbelstücke, zu entwerfen. Denn diese Technik ermöglicht es, ohne extremen Kostenaufwand auch ausladende Gegenstände zu schaffen, weil alles aus den Glasplatten hergestellt wird und nicht, wie bei der Glasbläserei, Formen angefertigt werden müssen. Außerdem habe ich die Glasmacher gebeten, das Glas so wenig wie möglich zu bearbeiten. Es sollte roh anmuten. Die Oberflächen und Kanten sind nicht poliert. Alles sollte so wirken, als sei es nicht das Werk eines Designers oder Kunsthandwerkers, sondern als hätte das Material sich selbst die Form gegeben.

Landauf, landab werden Sie mittlerweile kopiert, bringen Unternehmen Nendo-artig designte Produkte auf den Markt. Ärgert Sie das oder betrachten Sie es eher als Kompliment?

Oki Sato: Für mich ist es in erster Linie ein Ansporn, mich weiterzuentwickeln – und darüber freue ich mich offen gestanden. Auch wenn es Sie überraschen mag: Ich habe den Eindruck, dass ich als Designer immer noch viel besser werden kann. Was wäre langweiliger, als etwas gut zu können! Besser zu werden, ist meine wichtigste Motivation. 

In welche Richtung soll Ihre Weiterentwicklung denn gehen?

Oki Sato: Nendo hat ja bereits in vielen Bereichen gearbeitet – Möbeldesign, Industriedesign, Grafik, Innenarchitektur – aber jetzt würden wir uns gern der Architektur zuwenden. 

Sie sind ja von Hause aus Architekt.

Oki Sato: Richtig. Am Anfang meiner Karriere habe ich ein paar kleinere Häuser gebaut. Nach einiger Zeit habe ich gemerkt, dass ich gern pausieren würde, um darüber nachzudenken, was Architektur für mich bedeutet. Eigentlich wollte ich diese Zeit nur mit Designarbeiten überbrücken. Es kam anders. Aber jetzt, 15, 16 Jahre später, fühle ich mich wieder bereit, als Architekt zu arbeiten. Wenn es gut läuft, werde ich dieses Jahr zwei oder drei Projekte vorstellen können und 2020 noch einmal etwa die gleiche Anzahl. Fragen Sie mich bitte nicht, wo das hinführen wird, aber momentan bereitet es mir viel Freude!

Können Sie Ihre Idee von Architektur beschreiben?

Oki Sato: Nun, zunächst einmal versuche ich vieles, was ich als Produktgestalter gelernt habe, auch als Architekt für mich fruchtbar zu machen. Ich will auf diese Weise versuchen, einen neuen, eigenen Ansatz in der Architektur zu finden. Neue Materialien, neue Technologien – all das, was ich im Design erkundet habe, möchte ich jetzt auch beim Bauen erforschen. Architektur ist ja eine ziemlich traditionelle Disziplin, extrem langsam im Vergleich etwa mit dem IT-Bereich – oder auch dem Design. Es geht aber weniger darum, die Entwicklung zu beschleunigen, als vielmehr, neue Möglichkeiten zu schaffen! 

Fangen sie mit kleinen Projekten an oder arbeiten Sie sofort großmaßstäblich?

Oki Sato: Die ersten Bauten werden eher klein aber wir arbeiten parallel auch bereits an Entwürfen für größere Projekte. Wir werden versuchen, viel zu experimentieren in den kommenden Jahren. Und ich glaube, dass das auch wiederum Einfluss auf unsere Arbeit als Designer haben wird.

Sehen Sie Nendo auch als eine Art Thinktank, der sich über reine Gestaltungsaufgaben hinaus auch mit größeren Zusammenhängen beschäftigt?

Oki Sato: In Japan haben wir begonnen, auch als Design Consultants zu arbeiten. Meiner Meinung nach sollten wir aufhören, nur Aufträge auszuführen und stattdessen mit den Kunden zusammen die Aufgaben definieren. Denn wir können unseren Auftraggebern häufig eine neue Perspektive eröffnen. Zuweilen kommen wir dabei auf Ideen, die nicht unbedingt eine Designaufgabe lösen, aber trotzdem dazu angetan sind, die Welt zu verändern.