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Wie eine Skizze, trotzdem stabil: Markus Jehs und Jürgen Laub hinter und in ihrer neuen „Sketch“ Standgarderobe für Schönbuch. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Die Linie besteht aus drei Teilen: Garderobenständer, Wandgarderobe und wandmontiertem Zeitungshalter.
Foto © Sarah Böttger, Stylepark
„Sketch“ ist 1,80 Meter hoch und aus Stahlrohr, Schwarz und pulverbeschichtet oder Hochglanzchrom (Grün ist nicht erhältlich). Rendering © Jehs + Laub
Wie minimal kann eine Garderobe sein? Rendering © Jehs + Laub
Kein Heizkörper, sondern der Zeitungshalter der Linie „Sketch”. Foto © Schönbuch
„Sketch" ist nun das siebte Produkt von Jehs + Laub für Schönbuch. Foto © Schönbuch
Striche im Raum
19.02.2015

Martina Metzner: Herr Jehs, Herr Laub, offen gestanden, würde ich nicht auf den ersten Blick erkennen, dass „Sketch" eine Garderobe von
Jehs + Laub ist.

Jürgen Laub: Es gibt Designer, die sind unheimlich kreativ. Dadurch entstehen Produkte, die haben so eine Art Ideenspeck. Also noch einmal eine Idee drauf, und nochmal. Das ist aber nicht unser Ding. Wir wollen an den Kern eines Produktes. Oft ist die Idee plötzlich da und dann arbeiten wir sehr lange daran, ob es wirklich die Idee ist – oder vielleicht nur eine Variante. Es gibt nichts Schlimmeres, wenn man im Jahr darauf eine andere Garderobe sieht – und die ist besser.

Nach Kleiderbügeln, den Garderoben „Stripes“, „Match“ und dem Sideboard „Fields“ ist es nun das siebte Produkt für Schönbuch. Wie kam’s zu der erneuten Zusammenarbeit?

Markus Jehs: Schönbuch gab uns den Auftrag, eine Objektgarderobe zu entwerfen. Und dann ging es los: Wie sieht die minimalste Struktur für eine Garderobe aus?

Jürgen Laub: Es ist unsere erste freistehende Garderobe – eine umgesetzte Skizze. Ein paar Striche im Raum. Sie ist aus geschweißtem Stahl. Man kann sie in der Mitte durchtrennen, so dass wir zwei gleiche Bauteile haben, die man ineinander stecken kann. Bei der dazugehörigen Wandgarderobe haben wir darauf geachtet, dass es möglichst wenig sichtbare Montageplatten gibt.

Sie sind in den Medien nicht so präsent wie manch andere Designer, die weitaus weniger gestalten. Auch, weil ihre Produkte weniger „laut“ sind. Wie kommt’s?

Jehs: Wir machen die Sachen auch immer für uns. Und wenn wir die Objekte nicht in unser Wohnzimmer stellen würden, ist die Sache gestorben – meist sind das die Dinge, die laut und modisch sind. Sie machen sich gut auf den Titelseiten der Zeitschriften, gehen aber einem nach ein paar Monaten auf die Nerven. Wenn man es laut und bunt haben will, dann kann man das ja mit Sofakissen oder einer Vase auf dem Sideboard machen.

Laub: Es gibt sehr viele immobile Objekte wie Schränke, Küchen, Sofas, Badewannen, die eher zurückhaltend sein sollten, weil sie sehr lange in unseren Wohnungen bestehen werden. Es gibt aber auch mobile Produkte wie Stühle oder Sessel, die durchaus modisch sein dürfen - die Kombination macht es aus.

Dann sehen Sie sich quasi für den Rahmen beziehungsweise das Grundrauschen zuständig?

Jehs: Nicht immer. Nehmen wir „Shrimp“ für Cor. Da haben wir ein Stück Holz zu einer Schale geformt, indem wir es einschneiden und hochbiegen. Wie bei diesen Fritt Kaubonbons.

Also so machen Sie Ihre Entwürfe...

Jehs: Wir falten gerne.

Laub: Und essen danach unsere Entwürfe auf (lacht).

Entwerfen Sie am Modell?

Jehs: Da wir 15 Jahre lang Modelle gebaut haben, brauchen wir das nicht mehr. Es reicht, die Modelle am Rechner zu planen. Wir wissen, wie es sich drin sitzt, wie es sich anfühlt. Und wenn wir es in 3D ausgedruckt haben, dann trifft es meist zu 95 Prozent zu.

Und wie arbeiten Sie zusammen?

Laub: Wir sitzen an einem riesigen, runden Tisch und fahren mit den Stühlen einer zum anderen alle fünf bis zehn Minuten rüber. Wichtig ist, sich dabei immer gut an der Tischkante festzuhalten (lacht).

Nach 25 Jahren weiß man, was der andere denkt...

Jehs: Wenn er mit einer Skizze anfängt, dann kann es schon vorkommen, dass ich sage: Lass es gut sein.

Laub: Wir streiten auch, wenn es um die Sache geht, das ist auch OK. Aber am Ende sind wir immer einer Meinung. Das liegt auch daran, weil wir keine personifizierten, emotionalen Entwürfe machen. Weil wir dem Produkt seine eigene Identität mitgeben und ständig diskutieren, was das Produkt braucht, um sie zu bekommen.

Sie gestalten auch ganze Innenräume, die Showrooms von Mercedes beispielsweise.

Laub: Wir machen das sehr euphorisch, bis wir merken, das artet in Arbeit aus und dann schwören wir uns, dass wir es nie wieder machen werden – bis wir es vergessen. Und dann machen wir es wieder. Also alle paar Jahre.

Kommen wir noch einmal auf die Garderobe zu sprechen. Wie lange haben Sie an dem Produkt gearbeitet?

Laub: Es gab schnell einen Entwurf und dann Fragen: Kann es mehr sein? Was ist mit der Wand? Gibt es eine Ablage für Zeitungen? Brauchen wir einen Spiegel? Auf welcher Höhe muss die Jacke hängen? Bis wir die Fragen beantworten konnten, hat es ein paar Tage, sogar Wochen gedauert.

Und auf welche Höhe muss denn die Jacke hängen?

Laub: Wir machen es immer falsch. Wir denken, es ist 1,60 Meter – und dann kommt einer, der hat einen längeren Mantel. Hier auf der imm cologne sehen wir nun das erste Modell. Wir haben Vertrauen in die Entwicklung bei Schönbuch. Das ist aber nicht mit allen Firmen so.

Darf man fragen, was „Sketch“ kosten wird?

Laub: Etwa 300 Euro. Fast zu wenig, das hat uns überrascht. Oft ist es so, dass man die Materialien und das Design erst richtig schätzt, wenn es etwas kostet. Da bin ich ganz offen. Man muss den Preis machen, wie man ihn sich im Laden vorstellt. Franco Cassina hat uns einmal gesagt, man solle den Ladenpreis eines Produktes einschätzen. Wenn man drüber liegt, hat man verloren, wenn man darunter liegt, ist es richtig. Dann nimmt man’s mit.

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