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The Silo, 2017

Transformation weiterdenken

Die Architektur Galerie Berlin zeigt aktuell eine Schau zum Thema Transformation, die das Werk des Kopenhagener Architekturbüros Cobe in den Fokus rückt. Anhand von siebzehn Projekten wird sichtbar, wie sich der vielschichtige Prozess aus Vorausdenken, Bauen und der Weiterentwicklung der eigenen Praxis entfaltet.

Mit einer gut besuchten Vernissage eröffnete das dänische Architekturbüro Cobe kürzlich seine Ausstellung in der Architektur Galerie Berlin: Noch bis zum 4. Juli 2026 zeigt das namhafte Büro 17 Projekte, die sich dem Begriff der Transformation widmen und diesen bewusst über das rein Bauliche hinaus erweitern. Zur Eröffnung sprachen Olaf Grawert von b+ sowie Bürogründer Dan Stubbergaard und gewährten Einblicke in eine Praxis, die sich seit zwei Jahrzehnten im stetigen Wandel befindet. Die Kuration ist somit von der Überzeugung geleitet, dass Architektur untrennbar mit ihrer Zeit verbunden ist. Sie reagiert auf wirtschaftliche Bedingungen, gesellschaftliche Werte und technologische Entwicklungen und knüpft zugleich an bestehende Strukturen sowie historische Spuren an. Die präsentierten Projekte verdeutlichen, dass sich dieser Prozess nicht allein im Umgang mit bestehender Bausubstanz manifestiert, sondern ebenso die eigene Haltung und Arbeitsweise umfasst.

Für die Schau wurden Projekte unterschiedlicher Maßstäbe und Typologien ausgewählt, die in den vergangenen zwanzig Jahren entstanden sind oder sich derzeit in Entwicklung befinden. Neben großmaßstäblichen städtebaulichen Strategien stehen prägnante Einzelprojekte: Arbeiten wie die Umgestaltung ehemaliger Industrieareale oder das bekannte Silo in Kopenhagen veranschaulichen die zentrale Rolle der Weiterverwendung bestehender Strukturen in Cobes Ansatz. Der Bestand wird dabei nicht als Einschränkung, sondern als produktiver Ausgangspunkt für neue räumliche und soziale Qualitäten verstanden.

The Silo, 2017
The Silo, 2017
The Silo, 2017

Daran anschließend richtet sich der Blick auf die Bedingungen, unter denen Transformation in der Architektur entsteht: Mit veränderten Aufgaben wandeln sich auch die Anforderungen an die Prozesse. Während Neubauten häufig klaren Hierarchien und festen Abläufen folgen, sind für eine Weiterentwicklung des Bestands flexiblere Strukturen, kleinere Teams und eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit essenziell. Cobe passt infolgedessen seine Organisation kontinuierlich an die aktuellen Herausforderungen an. Zugleich verschiebt sich der Maßstab der Bewertung: Neben wirtschaftlichen Kriterien gewinnen kulturelle und gesellschaftliche Werte an Bedeutung, wodurch sich die Qualität eines Projekts nicht allein in finanziellen Kennzahlen erfassen lässt.

Begleitend zur Ausstellung erscheint bei Danish Architectural Press die Publikation "Cobe. In Transformation", die die Entwicklung der Praxis des Architekturbüros über zwei Jahrzehnte nachzeichnet. Diese verbindet die einzelnen Arbeiten zu einer übergreifenden Erzählung, die sich im Ausstellungsraum fortsetzt: An den Wänden hängen limitierte Drucke aus der Publikation, die zum Mitnehmen gedacht sind. Durch ihr sukzessives Verschwinden verändert sich die Präsentation im Verlauf der Zeit und wird selbst Teil eines Prozesses. An Arbeitstischen können die Besucherinnen und Besucher eigene Zusammenstellungen der Inhalte erstellen und direkt vor Ort binden. Mit Materialien wie Multiplex und Aluminium wird indes in der Ausstellungsarchitektur die Ästhetik einer Werkstatt aufgegriffen und auf die Arbeitsumgebung von Cobe am Orientkaj in Kopenhagen verwiesen.

Im Juni ergänzt die Schau ein begleitendes Gesprächsprogramm: Anstelle klassischer Podiumsdiskussionen setzt Cobe auf informelle Formate, in denen interne Perspektiven auf externe Stimmen aus Architektur und Stadtentwicklung treffen. Im Fokus stehen sowohl konkrete Projekte als auch grundsätzliche Fragen nach den Herausforderungen von Umnutzungen und der zukünftigen Entwicklung des Berufsbildes. Moderiert von Sigurd Larsen, vertiefen die Gespräche die in der Ausstellung angesprochenen Themen. Die Präsentation fügt sich in die Entwicklung des Büros ein, das 2006 von Dan Stubbergaard gegründet wurde und seither insbesondere im Bereich der Stadterneuerung internationale Aufmerksamkeit erlangt hat. Bekannt wurde Cobe unter anderem mit dem Masterplan für Nordhavn in Kopenhagen, der einen ehemaligen Industriehafen in ein lebendiges Stadtquartier überführte. Seither hat das Büro zahlreiche Projekte realisiert, die den Alltag der Menschen in den Mittelpunkt stellen und zugleich die Identität ihrer Umgebung stärken.

Vor diesem Hintergrund lässt sich die Ausstellung als Momentaufnahme eines kontinuierlichen Wandels begreifen. Sie zeigt Transformation nicht als abgeschlossenen Zustand, sondern als offene Haltung, die sich gleichermaßen auf Gebäude wie auf die eigene Praxis bezieht. Gerade in dieser Verbindung wird deutlich, wie eng architektonisches Arbeiten mit den sich verändernden Anforderungen der Gegenwart verknüpft ist. 

18. Juni, 19 Uhr: Gesprächsrunde "Aus dem Maschinenraum": Mit Jacob Blak, Leiter Nachhaltigkeit, Karoline Liedtke-Sørensen, Leiterin der Abteilung Landschaftsarchitektur, Mads Birgens, Leiter der Abteilung Stadtplanung und Ole Storjohann, Projekt- und Nachhaltigkeitsleiter. Moderation: Sigurd Larsen

COBE In Tranformation
Architektur Galerie Berlin
Karl-Marx-Allee 96
10243 Berlin

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag, 14 - 19 Uhr
Samstag 12 - 18 Uhr
Eintritt frei