Im Zeichen der Avantgarde
"Viele Städte versuchen heute, cool zu sein. Und Zürich ist das Gegenteil. Da ist so eine gewisse Gleichgültigkeit, eine Art von städtischem Selbstbewusstsein, das aber sehr dezent ist. Die Lebensqualität ist einfach toll, wie hinsichtlich der Dualität von Großstadt und Naturnähe", so Leopold Weinberg. Mit der Stadt ist er seit seiner Geburt eng verbunden: Der Zürcher hat an der namhaften ETH Zürich studiert, an der sein Vater Franz Weinberg einst das Institut für Operations Research aufbaute sowie im ETH Studio Basel bei Jacques Herzog und Pierre de Meuron diplomiert. Nach Stationen im Ausland gründete er gemeinsam mit dem Juristen Adrian Hagenbach die WAC Advisory GmbH in Zürich, ein Content Driven Real Estate Development. Seitdem bereichert das Duo mit seinem Team die Städte Zürich und Basel um kreative Nutzungskonzepte für Orte mit Geschichte. Diese sind mehr als nur ein Platz zum Verweilen – von der Wohnung über gemischt genutzte Gebäude bis zu eigenen Boutique-Hotels, wie das Helvetia in Zürich oder das Volkshaus in Basel. Stets ein bedeutsamer Teil des Ganzen: Die Liebe zur zeitgenössischen Kunst. Richtungsweisend ist auch die von ihm gegründete Plattform "wacollection.ch", die weltweit KunstsammlerInnen, KünstlerInnen und KunstliebhaberInnen miteinander verbindet. Mit dieser digitalen Vermittlung soll die Schwelle zur Kunst gesenkt werden, ein Beitrag, um die Kunstbranche zu demokratisieren.
Wo trifft man einen so spannenden Menschen wie Leopold Weinberg, um sich mit ihm über Zürich und sein Engagement für die Kreativität und das Handwerk zu unterhalten? Stilvolle Räume für den intellektuellen Austausch sind in unserer schnelllebigen Zeit selten geworden. Aus diesem Grund haben Zürich Tourismus und Stylepark in Kooperation mit COR Berlin "Friends of Zürich" in Frankfurt erdacht, ein Event, das auf die Salon-Tradition der Avantgarde verweist und Persönlichkeiten aus Architektur, Design, Kunst & Kultur sowie Recht und Finanzwesen zu einem gemeinsamen Abend einlädt. Den Rahmen bot die Privatwohnung von Robert Volhard, Architekt, Gründer wie Vorstandsmitglied von Stylepark und seiner Frau Patricia, Anwältin und Partnerin der internationalen Wirtschaftskanzlei Debevoise & Plimpton LLP. Ein "Midcentury-Traum aus Edelstahl und Kambala-Holz", resümierte erst kürzlich das AD Magazin mit Blick auf das von B.A.S. Architekten und Holzrausch ausgebaute Dachgeschoss eines Frankfurter Gründerzeitbaus. Kurzum: Die perfekte Kulisse für einen Abend der Extraklasse. In diesem Sinne wurden die gut 40 Gäste kulinarisch mit raffinierten Köstlichkeiten von Stefan Jäckel verwöhnt, dem Chefkoch des Gourmetrestaurants La Rôtisserie im Premium-Hotel Storchen Zürich, das direkt an der Limmat gelegen ist. Mit einem Glas Schaumwein vom Weingut Schwarzenbach am Zürisee in der Hand versammelte sich die illustre Runde vor dem eleganten Kamin des Apartments, um dem Gespräch von Robert Volhard und Leopold Weinberg zu lauschen.
Der Ehrengast berichtete so unter anderem von seiner Begeisterung für Farben, Materialität und der Überzeugung, dass Kunst nicht nur ein Abbild, sondern vielmehr eine Abstraktion sein kann. Eine Freude an zeitgenössischen Positionen, die von Kindheit an mit ihm gewachsen ist. Wie auch das spielerische, bisweilen freche Setzen von Akzenten, mit dem er den (Hotel-)Gästen der von ihm kuratierten "Künstlerzimmer" ein dynamisches Erlebnis bieten möchte, wie seitens der Initiative "Room for Art", eine Antithese zum White Cube eines Museums. "Kunst gehört in den Alltag. Mit der Kunst eine Zeit lang in einem privaten Raum wie einem Hotelzimmer zu sein, verändert den Bezug zu dem Werk, es entsteht eine neue Dimension", sagt er. Zu der vielschichtigen Vermittlung von Qualität gehört zudem ein vorausschauendes Denken im Interior Design. "Lederjacken-Prinzip" nennt das Weinberg. "Wir verwenden hochwertige Materialien, die durch die hohe Nutzung eine ansprechende Patina bekommen. Eine gute Lederjacke wird durch den Gebrauch schöner. In unserem Kontext hat das den Vorteil, dass wir nicht alle zwei Jahre renovieren müssen. Dieses Prinzip lässt sich auf viele Bereiche übertragen", sagt er.
Zürich, die mit circa 454.000 EinwohnerInnen bevölkerungsreichste Stadt der Schweiz, bietet ihm dafür den idealen Ausgangspunkt: "Zürich ist ein Platz, wo viele internationale Leute zu Hause sind. Wir haben eine große Galerieszene, mit dem Art Weekend im Juni das größte Festival für zeitgenössische Kunst in der Schweiz und die Art Basel ist nur einen Katzensprung entfernt". Die Metropolregion am malerischen Fluss Limmat war stets ein Hotspot der künstlerischen und politischen Avantgarde, brachte den Dadaismus wie prägende Grafik, Fotografie und Typografie hervor. Gefragt, mit welchen drei Persönlichkeiten der Zürcher Vergangenheit er gerne einen Abend verbringen würde, muss Leopold Weinberg nicht lange überlegen und wählt drei Frauen aus der Geschichte der Region, deren Lebenswerk er faszinierend findet: Als erste Dame würde er die deutsch-schweizerische Künstlerin und Lyrikerin Meret Oppenheim (1913 – 1985) gerne zum Gespräch einladen, eine der wichtigsten Vertreterinnen des Surrealismus. Hildegard (828 – 856), Tochter Ludwigs des Deutschen und die erste Äbtissin des Zürcher Fraumünsters, wäre für ihn die zweite im Bunde. Eine Stadtherrin aus der königlichen Abtei der Benediktinerinnen, die auch als "Fürstin von Zürich" bezeichnet wurde und bedeutenden Einfluss auf die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Region hatte. Als dritte Gästin nennt er Lux (Louise) Guyer (1894 – 1955), die als erste Architektin in der Schweiz 1924 ein eigenes Büro in Zürich eröffnete. Ihr Werk diente einer Erneuerung der bürgerlichen Wohnkultur, in der auch die Bedürfnisse an Wohnraum seitens alleinstehender und berufstätiger Frauen sowie älterer Personen berücksichtigt wurden. Die erste schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit SAFFA in Bern leitete sie als Chefarchitektin. "Sie hat wahnsinnig tolle Wohnbauten am Zürichsee entworfen, nicht protzige, schöne Räume, mit Eleganz und Funktionalität", so Weinberg.
Eine spannende imaginäre Runde, die gut zu den gegenwärtigen Gästen von "Friends of Zürich" in Frankfurt am Main gepasst hätte. Bis tief in die Nacht philosophierten, plauderten und diskutierten diese über Herausforderungen, Chancen und Ideen, begleitet von wunderbaren Weinen vom Zürisee und einem eleganten Flying Dinner, für das der Küchenchef Stefan Jäckel gewohnt souverän traditionelle wie aktuelle Einflüsse einfallsreich zu einem deliziösen Geschmackserlebnis komponierte. Seine Kreationen wurden bereits mit 17 Gault & Millau-Punkten und einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Eine Expertise, die die Gäste von der Makrele mit asiatisch abgeschmeckten Kaviar über die Ravioli, gefüllt mit Salzzitrone und Artischocke im Safran Sud, bis zur Erdbeere mit Holunderblüten begeisterte. Ein in jeder Hinsicht inspirierender Abend, der in Erinnerung bleibt und den Auftakt bietet für weitere, interdisziplinäre Plattformen, deren bedeutende Persönlichkeiten mit Weitblick den Fortschritt mitgestalten.
Wir hatten große Freude das Netzwerk zwischen Zürich und Frankfurt am Main mit dem Salonabend "Friends of Zürich" zu beleben und danken herzlich allen Gästen, KooperationspartnerInnen und Mitwirkenden!






































