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Farah Ebrahimi: "Wir posierten schließlich am Fuße des Bettes, beide Hände gekreuzt, wie vom Maestro befohlen."

Makellose Legende: In Erinnerung an Alessandro Mendini

22.02.2019

Bisazza, Alessi, Kartell, Cappellini – die Liste der Hersteller, bei denen sich der Meister des "banalen Designs" und der eklektischen Kreationen verewigt hat, ließe sich fortsetzen. Zeit seines Lebens hat der italienische Designer, Architekt und Publizist Alessandro Mendini experimentiert, provoziert und dabei eine Jugendlichkeit verkörpert wie kein anderer seiner Zunft­­. Nun ist er 87-jährig in seiner Heimatstadt Mailand verstorben. Für uns Anlass auf das zu blicken, was bleibt. Etwa der Funke, der bei einem Treffen mit ihm stets überzuspringen schien. Wir haben die e15-Art-Direktorin Farah Ebrahimi gebeten, von ihrer besonderen Begegnung mit dem "Maestro", wie sie ihn nennt, zu berichten:

Das Treffen mit Alessandro Mendini ist eine dieser tiefen Erfahrungen, die ich nicht vergessen werde. 2017 kam er mit der damaligen A&W-Chefredakteurin Gabriele Thiels an unserem Messestand in Köln vorbei. Ein leise sprechender Mann, mit zunehmendem Alter zerbrechlich, aber mit einem durchdringenden und charmanten Blick. Mendini wollte an diesem Tag jedes Detail sehen. Ich erinnere mich, dass wir auch einige Gedanken über die dauerhafte Bedeutung italienischer und deutscher Designansätze ausgetauscht haben. Es versteht sich von selbst, dass neben Herrn Mendinis produktiven Arbeiten in Architektur, Industriedesign und Schriften sein eleganter Kleidungsstil seinen Geist und Charakter nach außen hin sehr prägte. Alessandro Mendini war einer der makellosesten Architekten, die ich je getroffen habe. An diesem Tag trug er einen klassischen marineblauen Gangsterstreifenanzug, über einer knallroten Opa-Strickjacke und einem weiß geknöpften Hemd – sehr Comme des Garçons! Wir beendeten den Rundgang über den Messestand am Fuße des von Philipp Mainzer gestalteten "MO"-Bettes. Als ich über einen Rechtsstreit und Kopien von e15-Möbeln klagte, gab er, wie es typisch für seine Persönlichkeit war, keinen väterlichen Rat, er lächelte nur und hielt meine Hände. Als ich schließlich darum bat, gemeinsam ein Foto zu machen, schlug er scherzhaft vor, dass wir für unser großes Bild beide auf dem Bett liegen sollten! Wir posierten schließlich am Fuße des Bettes, beide Hände gekreuzt, wie vom Maestro befohlen.

Letztendlich kann es in der sich schnell verändernden Welt des Designs ein erdender Moment sein, einer wahren Legende zu begegnen, und daran erinnert zu werden, dass Alessandro Mendini seine Karriere Schritt für Schritt aufgebaut hat, mit so viel Sorgfalt, Menschlichkeit, Fleiß und Humor.

Farah Ebrahimi

(mh)

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