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1 Bligh Street
von Daniel von Bernstorff | 16. November 2012
Gewinner des Internationalen Hochhaus Preises 2012 ist das Bürogebäude „1 Bligh Street“ in Sydney, Foto © H. G. Esch

Es ist ein würdiger Rahmen für einen würdigen Preisträger. In der bis auf den letzten Platz besetzten Frankfurter Paulskirche, der Wiege der deutschen Demokratie, wie es der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann in seiner Begrüßung nicht müde wurde zu betonen, ist der Internationale Hochhaus Preis 2012, einer der weltweit renommiertesten Architekturpreise, verliehen worden.

Aus 26 vom Deutschen Architektur Museum (DAM) nominierten Hochhäusern aus der ganzen Welt – die Gebäude müssen über hundert Meter hoch sein und innerhalb der letzten zwei Jahre fertig gestellt worden sein – hatte eine hochkarätige Jury unter Vorsitz des Frankfurter Architekten Albert Speer fünf besonders herausragende Projekte ausgewählt. Es darf als kleine Überraschung gewertet werden, dass sich nicht einer der spektakulären Entwürfe von Frank Gehry, Norman Foster oder dem Pekinger Büro MAD Architects durchgesetzt hat, sondern der „nur“ 139 Meter hohe und optisch eher zurückhaltend daherkommende Büro-Tower „1 Bligh Street“ in Sydney der deutsch-australischen Büro-Kooperation von Ingenhoven Architekten aus Düsseldorf und Architectus aus Sydney.

„Mit seiner moderaten Größe ist das Gebäude in Bezug auf die großartige Gesamtqualität herausragend. Es meidet das Ikonische zugunsten einer starken Akzentuierung der Nutzerbedürfnisse und des Ausblicks für alle Büros“, stellt die Jury die Qualitäten des Gewinners heraus.

In Bezug auf Nachhaltigkeit – als bisher einziges Bürogebäude erzielt „1 Bligh Street“ die höchstmögliche Zertifizierung des Green Building Council of Australia („6 Star Green Star Office Design“) – der Einbindung des öffentlichen Raums, Arbeitsplatzqualität und dem fantastischen Ausblick aus nahezu allen Büros, setzt das Gebäude neue Maßstäbe. Ob natürliche Belichtung, Wasseraufbereitung, Energie- und Frischluftversorgung oder die 370 Fahrradstellplätze im Untergeschoss mit angrenzenden Duschräumen – hier ist wirklich alles einem ernsthaften Streben nach Nachhaltigkeit untergeordnet.

Gleichwohl lohnt auch ein näherer Blick auf die anderen Finalisten. Alle sind sie Wohnhochhäuser, was einen internationalen Trend zur reinen Wohn- oder zur Mixed Use-Nutzung von Hochhäusern demonstriert, wie es Peter Cachola Schmal, der Direktor des Deutschen Architektur Museums erläutert. Jeweils zwei stehen in Nordamerika und Südostasien.

Ob „Eight Spruce Street“ in New York von Gehry Partners, die „Absolute World Towers“ in Mississauga (nahe Toronto) vom Pekinger Studio MAD Architects, das „Pinnacle@Duxton“ in Singapur von ARC Studio oder „The Troika“ in Kuala Lumpur von Foster + Partners – alle Gebäude sind architektonische Ikonen, die sowohl durch ihre gestalterische Kraft als auch durch die intelligente Schaffung von neuem Wohnraum im komplexen städtischen Umfeld überzeugen.

Die besondere Anerkennung der Jury für eine besonders gelungene Revitalisierung eines bestehenden Hochhauses erhielt der Doppelturm der Deutschen Bank in Frankfurt am Main mit der Sanierung durch das Hamburger Büro gmp – von Gerkan, Marg und Partner als technische Architekten in Zusammenarbeit mit dem Mailänder Büro Mario Bellini Architects als Entwurfsarchitekten. Diese Würdigung darf auch als Hinweis auf die zunehmende Bedeutung solcher Revitalisierungsmaßnahmen nach nachhaltigen Kriterien gewertet werden. Allerdings, so betonte Volkwin Marg in seiner Dankesrede, „dürfe man nicht ganz arm sein, um zu sparen“. Umso wichtiger erscheint es, dass solche Projekte umgesetzt und dann auch international ausgezeichnet werden.

Der Internationale Hochhaus Preis 2012 hat mit der klugen und ernsthaften Auswahl seines Preisträgers und sämtlicher Finalisten ein deutliches Zeichen gesetzt, was dazu beitragen wird, dass die wichtige Debatte zur Zukunft der Städte und des Wohnens weiter engagiert geführt wird.

Alle nominierten Gebäude können in einer Ausstellung im Deutschen Architektur Museum in Frankfurt besichtigt werden:

Best Highrises – Internationaler Hochhaus Preis 2012
17. November 2012 – 13. Januar 2013
Deutsches Architektur Museum Frankfurt
Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt
www.dam.online.de

Christoph Ingenhoven von Ingenhoven Architekten aus Düsseldorf (links) und Ray Brown von Architectus aus Sydney entwarfen das Gewinner-Gebäude, Foto © Edgar R. Schoepal/ Architectus
Der nun ausgezeichnete Büro-Tower „1 Bligh Street“ entstammt einer Kooperation der Architektenbüros Ingenhoven Architekten (Düsseldorf) und Architectus (Sydney), Foto © H. G. Esch
Finalist aus Mississauga (nahe Toronto): „The Absolute World Towers“ von MAD Architects aus Peking, Foto © Tom Arban
Finalist aus Singapur: „The Pinnacle@Duxton“ von ARC Studio Architecture + Urbanism aus Singapur, Foto © ARC Studio Architecture + Urbanism / RSP Architects, Planners & Engineers / David Phan Photographers
Finalist aus New York City: „Eight Spruce Street“ von Gehry Partners aus Los Angeles, Foto © Gehry Partners, Los Angeles
Finalist aus Kuala Lumpur: „The Troika“ von Foster + Partners aus London, Foto © Aaron Pocock
Besondere Anerkennung erhielt die Renovierungsarbeit am Deutsche Bank Gebäude in Frankfurt am Main, realisiert vom Studio gmp (Gerkan, Marg und Partner) aus Hamburg und Mario Bellini Architects aus Mailand, Foto © Deutsche Bank
Preisverleihung des Internationalen Hochhaus Preises in der Frankfurter Paulskirche, Foto © Sabrina Spee, Stylepark
Architektur › 2012 › November
1 Bligh Street
von Daniel von Bernstorff | 16. November 2012
In der Frankfurter Paulskirche wurde der Internationale Hochhaus Preis 2012 an das Bürogebäude „1 Bligh Street“ in Sydney der Büros Christoph Ingenhoven, Düsseldorf und Architectus, Sydney verliehen. Das prämierte Hochhaus besticht weniger durch seine Höhe oder futuristische Gestalt als durch seine Gesamtqualität.
Es ist ein würdiger Rahmen für einen würdigen Preisträger. In der bis auf den letzten Platz besetzten Frankfurter Paulskirche, der Wiege der deutschen Demokratie, wie es der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann in seiner Begrüßung nicht müde wurde zu betonen, ist der Internationale Hochhaus Preis 2012, einer der weltweit renommiertesten Architekturpreise, verliehen worden.

Aus 26 vom Deutschen Architektur Museum (DAM) nominierten Hochhäusern aus der ganzen Welt – die Gebäude müssen über hundert Meter hoch sein und innerhalb der letzten zwei Jahre fertig gestellt worden sein – hatte eine hochkarätige Jury unter Vorsitz des Frankfurter Architekten Albert Speer fünf besonders herausragende Projekte ausgewählt. Es darf als kleine Überraschung gewertet werden, dass sich nicht einer der spektakulären Entwürfe von Frank Gehry, Norman Foster oder dem Pekinger Büro MAD Architects durchgesetzt hat, sondern der „nur“ 139 Meter hohe und optisch eher zurückhaltend daherkommende Büro-Tower „1 Bligh Street“ in Sydney der deutsch-australischen Büro-Kooperation von Ingenhoven Architekten aus Düsseldorf und Architectus aus Sydney.

„Mit seiner moderaten Größe ist das Gebäude in Bezug auf die großartige Gesamtqualität herausragend. Es meidet das Ikonische zugunsten einer starken Akzentuierung der Nutzerbedürfnisse und des Ausblicks für alle Büros“, stellt die Jury die Qualitäten des Gewinners heraus.

In Bezug auf Nachhaltigkeit – als bisher einziges Bürogebäude erzielt „1 Bligh Street“ die höchstmögliche Zertifizierung des Green Building Council of Australia („6 Star Green Star Office Design“) – der Einbindung des öffentlichen Raums, Arbeitsplatzqualität und dem fantastischen Ausblick aus nahezu allen Büros, setzt das Gebäude neue Maßstäbe. Ob natürliche Belichtung, Wasseraufbereitung, Energie- und Frischluftversorgung oder die 370 Fahrradstellplätze im Untergeschoss mit angrenzenden Duschräumen – hier ist wirklich alles einem ernsthaften Streben nach Nachhaltigkeit untergeordnet.

Gleichwohl lohnt auch ein näherer Blick auf die anderen Finalisten. Alle sind sie Wohnhochhäuser, was einen internationalen Trend zur reinen Wohn- oder zur Mixed Use-Nutzung von Hochhäusern demonstriert, wie es Peter Cachola Schmal, der Direktor des Deutschen Architektur Museums erläutert. Jeweils zwei stehen in Nordamerika und Südostasien.

Ob „Eight Spruce Street“ in New York von Gehry Partners, die „Absolute World Towers“ in Mississauga (nahe Toronto) vom Pekinger Studio MAD Architects, das „Pinnacle@Duxton“ in Singapur von ARC Studio oder „The Troika“ in Kuala Lumpur von Foster + Partners – alle Gebäude sind architektonische Ikonen, die sowohl durch ihre gestalterische Kraft als auch durch die intelligente Schaffung von neuem Wohnraum im komplexen städtischen Umfeld überzeugen.

Die besondere Anerkennung der Jury für eine besonders gelungene Revitalisierung eines bestehenden Hochhauses erhielt der Doppelturm der Deutschen Bank in Frankfurt am Main mit der Sanierung durch das Hamburger Büro gmp – von Gerkan, Marg und Partner als technische Architekten in Zusammenarbeit mit dem Mailänder Büro Mario Bellini Architects als Entwurfsarchitekten. Diese Würdigung darf auch als Hinweis auf die zunehmende Bedeutung solcher Revitalisierungsmaßnahmen nach nachhaltigen Kriterien gewertet werden. Allerdings, so betonte Volkwin Marg in seiner Dankesrede, „dürfe man nicht ganz arm sein, um zu sparen“. Umso wichtiger erscheint es, dass solche Projekte umgesetzt und dann auch international ausgezeichnet werden.

Der Internationale Hochhaus Preis 2012 hat mit der klugen und ernsthaften Auswahl seines Preisträgers und sämtlicher Finalisten ein deutliches Zeichen gesetzt, was dazu beitragen wird, dass die wichtige Debatte zur Zukunft der Städte und des Wohnens weiter engagiert geführt wird.

Alle nominierten Gebäude können in einer Ausstellung im Deutschen Architektur Museum in Frankfurt besichtigt werden:

Best Highrises – Internationaler Hochhaus Preis 2012
17. November 2012 – 13. Januar 2013
Deutsches Architektur Museum Frankfurt
Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt
www.dam.online.de