transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369373_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2139 Forward End
Ausstellung des Unausstellbaren
von Carsten Krohn | 21. Mai 2010
Wir leben in einer post-ideologischen Gesellschaft. Mit dieser Beobachtung führt die japanische Architektin Kazuo Sejima in ihre Ausstellungskonzeption ein. Für die am 29. August in Venedig eröffnende 12. Architekturbiennale verspricht sie weniger Spekulationen um die Zukunft, als viel mehr konkrete Situationen und Atmosphären. Sie ist weniger an theoretischen Positionen interessiert, als viel mehr an direkten Interaktionen von Menschen.

Architektur ist an sich nicht ausstellbar. Es können zwar Modelle, Pläne oder Filme gezeigt werden, die auf Bauwerke verweisen, oder es kann der Raum selbst zu einer Installation umgestaltet werden. Doch die überzeugendsten Resultate erzielten oft Kombinationen aus beidem, wie etwa Le Corbusiers Pavillon des Esprit Nouveau, der eine möblierte Musterwohnung mit einem Panorama verknüpfte, so dass die Besucher nicht nur den Raum körperlich erfahren, sondern auch die Stadtvision wie ein Blick durchs Fenster erleben konnten.

Indem die diesjährige Biennalekuratorin mit 43 Teilnehmenden vergleichsweise wenige Positionen präsentiert, räumt sie ihnen im Gegenzug viel Platz ein, denn sie erwartet auch eine Gestaltung der Räume. „So wird die Atmosphäre der Ausstellung durch vielfältige Sichtweisen erreicht, und nicht durch eine einzige Orientierung." Dieser Ansatz zeigt sich daran, dass auch Künstler eingeladen sind, unter anderem Janet Cardiff, Thomas Demand, Olafur Eliasson und Fiona Tan sowie Architekten, die sich durch Rauminszenierungen profiliert haben, wie das Atelier Bow-Wow und die Gruppe raumlaborberlin. Letztere sind diesen Sommer in Venedig gleich mit zwei Beiträgen vertreten: Neben ihrer Arbeit für die Architekturbiennale, zeichnen sie zugleich für die Ausstellungsgestaltung des Wettbewerbs um den Audi Urban Future Award 2010 in der Scuola Grande della Misericordia verantwortlich.

Während Sejima einerseits hervorhebt, dass die Ausstellung „eine Reflektion über Architektur" verfolge, stellt sie andererseits klar, dass nicht nur Architekten, sondern auch Künstler und Ingenieure wie Cecil Balmond Arbeiten präsentieren. Den als redundant erscheinenden Fokus auf die Architektur begründet sie mit einer Abgrenzung von urbanistischen Themen, die bei vergangenen Biennalen dominierten. Wer sich durch die Internetseiten, der meist jungen Büros klickt, wird eher auf innovative und bescheidene Häuser, als auf gigantische Komplexe stoßen. Als ginge es darum, ein möglichst breites Spektrum des gegenwärtigen Schaffens aufzuspannen, ist die architektonische Disziplin durch einen erweiterten Begriff definiert. Es werden Beziehungen und Verknüpfungen thematisiert - Beziehungen von Räumen zu Menschen und von Menschen untereinander, die durch Räume bewirkt werden. Der Fokus liegt nicht auf Gebäuden als Objekten, sondern auf Interaktionen und Kommunikation. Um diese zu initiieren und zu dokumentieren wurden auch Fotografen und Filmemacher wie Wim Wenders eingeladen sowie der Kurator Hans Ulrich Obrist mit seinem fortlaufenden Interviewprojekt. Von den etablierten Stararchitekten finden sich nur Herzog und de Meuron, Rem Koolhaas und Toyo Ito.

Nach den formalen Exzessen in der Architektur des letzten Jahrzehnts, nach dem Boom von „skulpturalen" ikonischen Bauten, die bereits Kurt Forster auf der Biennale 2004 unter dem Titel „Metamorph" als ein globales Phänomen präsentierte, ist nun ein Bedürfnis nach Minimalismus eingekehrt. Dies spiegelt sich darin, dass Sejima - die Ito als eine Architektin beschreibt, „welche die maximale Einfachheit sucht, um das Materielle und das Abstrakte zu verbinden" - dieses Jahr mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde. Für Venedig kündigt sie auch als einen eigenen Beitrag eine Architekten-Künstler-Kooperation an. Zusammen mit ihrem Büropartner Ryue Nishizawa und der Künstlerin Fiona Tan will sie demonstrieren, „wie sich Architektur, Landschaft, Kunst und Gesellschaft auf eine neue Art und Weise harmonisch vereinen."

www.labiennale.org/it
Promenade auf dem Gelände der Länderpavillons in den Giardini della Biennale
Architektur › 2010 › Mai
Ausstellung des Unausstellbaren
von Carsten Krohn | 21. Mai 2010
Vier Monate vor Eröffnung der 12. Architekturbiennale in Venedig präsentierte die Kuratorin Kazuo Sejima ihr Konzept der Öffentlichkeit.
Wir leben in einer post-ideologischen Gesellschaft. Mit dieser Beobachtung führt die japanische Architektin Kazuo Sejima in ihre Ausstellungskonzeption ein. Für die am 29. August in Venedig eröffnende 12. Architekturbiennale verspricht sie weniger Spekulationen um die Zukunft, als viel mehr konkrete Situationen und Atmosphären. Sie ist weniger an theoretischen Positionen interessiert, als viel mehr an direkten Interaktionen von Menschen.

Architektur ist an sich nicht ausstellbar. Es können zwar Modelle, Pläne oder Filme gezeigt werden, die auf Bauwerke verweisen, oder es kann der Raum selbst zu einer Installation umgestaltet werden. Doch die überzeugendsten Resultate erzielten oft Kombinationen aus beidem, wie etwa Le Corbusiers Pavillon des Esprit Nouveau, der eine möblierte Musterwohnung mit einem Panorama verknüpfte, so dass die Besucher nicht nur den Raum körperlich erfahren, sondern auch die Stadtvision wie ein Blick durchs Fenster erleben konnten.

Indem die diesjährige Biennalekuratorin mit 43 Teilnehmenden vergleichsweise wenige Positionen präsentiert, räumt sie ihnen im Gegenzug viel Platz ein, denn sie erwartet auch eine Gestaltung der Räume. „So wird die Atmosphäre der Ausstellung durch vielfältige Sichtweisen erreicht, und nicht durch eine einzige Orientierung." Dieser Ansatz zeigt sich daran, dass auch Künstler eingeladen sind, unter anderem Janet Cardiff, Thomas Demand, Olafur Eliasson und Fiona Tan sowie Architekten, die sich durch Rauminszenierungen profiliert haben, wie das Atelier Bow-Wow und die Gruppe raumlaborberlin. Letztere sind diesen Sommer in Venedig gleich mit zwei Beiträgen vertreten: Neben ihrer Arbeit für die Architekturbiennale, zeichnen sie zugleich für die Ausstellungsgestaltung des Wettbewerbs um den Audi Urban Future Award 2010 in der Scuola Grande della Misericordia verantwortlich.

Während Sejima einerseits hervorhebt, dass die Ausstellung „eine Reflektion über Architektur" verfolge, stellt sie andererseits klar, dass nicht nur Architekten, sondern auch Künstler und Ingenieure wie Cecil Balmond Arbeiten präsentieren. Den als redundant erscheinenden Fokus auf die Architektur begründet sie mit einer Abgrenzung von urbanistischen Themen, die bei vergangenen Biennalen dominierten. Wer sich durch die Internetseiten, der meist jungen Büros klickt, wird eher auf innovative und bescheidene Häuser, als auf gigantische Komplexe stoßen. Als ginge es darum, ein möglichst breites Spektrum des gegenwärtigen Schaffens aufzuspannen, ist die architektonische Disziplin durch einen erweiterten Begriff definiert. Es werden Beziehungen und Verknüpfungen thematisiert - Beziehungen von Räumen zu Menschen und von Menschen untereinander, die durch Räume bewirkt werden. Der Fokus liegt nicht auf Gebäuden als Objekten, sondern auf Interaktionen und Kommunikation. Um diese zu initiieren und zu dokumentieren wurden auch Fotografen und Filmemacher wie Wim Wenders eingeladen sowie der Kurator Hans Ulrich Obrist mit seinem fortlaufenden Interviewprojekt. Von den etablierten Stararchitekten finden sich nur Herzog und de Meuron, Rem Koolhaas und Toyo Ito.

Nach den formalen Exzessen in der Architektur des letzten Jahrzehnts, nach dem Boom von „skulpturalen" ikonischen Bauten, die bereits Kurt Forster auf der Biennale 2004 unter dem Titel „Metamorph" als ein globales Phänomen präsentierte, ist nun ein Bedürfnis nach Minimalismus eingekehrt. Dies spiegelt sich darin, dass Sejima - die Ito als eine Architektin beschreibt, „welche die maximale Einfachheit sucht, um das Materielle und das Abstrakte zu verbinden" - dieses Jahr mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde. Für Venedig kündigt sie auch als einen eigenen Beitrag eine Architekten-Künstler-Kooperation an. Zusammen mit ihrem Büropartner Ryue Nishizawa und der Künstlerin Fiona Tan will sie demonstrieren, „wie sich Architektur, Landschaft, Kunst und Gesellschaft auf eine neue Art und Weise harmonisch vereinen."

www.labiennale.org/it