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STYLEPARK x AUDEMARS PIGUET
Die Architektur der Uhr
Schon die Landschaft verströmt ein besonderes Aroma. Von Alpenromatik ist im Vallée de Joux im Schweizer Jura nicht viel zu spüren, selbst wenn die Wiesen im Spätsommer noch in sattem Grün leuchten und der Lac de Joux verlockend in der Sonne glitzert, wenn man über endlos verschlungene Serpentinen bis in das Tal vorgedrungen ist. Schroffe Felsen, feine Gräser, die durch die harte Decke des Boden zum Licht streben, und die kleinen Fensteröffnungen der gedrungenen Häuser lassen erahnen: dieses Hochtal ist ein rauer Ort, hier, auf tausend Meter Höhe, sind die Winter kalt und lang. Womöglich verdankt es sich dieser Mischung aus Abgeschiedenheit und Ruhe, dass eine Handwerkskunst wie die des Uhrmachers, die ohne Geschick, Präzision und einem besonderen Sinn für das Feine und Filigrane undenkbar wäre, sich gerade hier bis aufs höchste Niveau hat entwickeln können.

Bereits im 18. Jahrhundert avancierte die Uhrmacherei – bevorzugt in den langen Wintermonaten – zur willkommenen Einnahmequelle der Talbewohner. Was mit Heimarbeit und Zulieferdiensten begann, führte über die Jahre dazu, dass erste Uhrmacher-Unternehmen entstanden. Bis heute werden im Vallée de Joux in Handarbeit nicht einfach Uhren, sondern ausgeklügelte und raffinierte feinmechanische Zeitmesser gefertigt. Besonders edle Exemplare findet man bei der 1875 gegründeten und noch immer familiengeführten Uhrenmanufaktur Audemars Piguet.

In der Welt der Uhrmacher regiert die Stille. Es ist eine introvertierte Welt, ein eigener Kosmos. Mag das fertige Produkt auch noch so sehr beeindrucken, blickt man hinter die Kulissen und auf all die winzig kleinen Teile, aus denen so ein Wunderwerk sich zusammensetzt, so kennt die Faszination keine Grenzen mehr. Wer all die Zahnräder und Antriebselementen, all die Federn, die aus Edelsteinen bestehenden Lager, all die filigranen Zeiger und Ziffern betrachtet, der stellt überrascht fest, dass sie zuweilen wie Bauwerke oder ganze Städte aus dem Lande Liliput wirken. Wer weiß, vielleicht sind Uhrmacher ja Baumeister, die an einer Architektur der Zeit arbeiten.
Fotos © Robert Volhard, Stylepark (links), Audemars Piguet (rechts)
Manche Uhrwerke erinnern auf den ersten Blick an ummauerte Miniaturstädte: Auf unterschiedlichen Ebenen bilden die Einzelteile Quartiere, die mittels Brücken und federnden Stegen miteinander verbunden sind und einen in sich schwingenden Organismus bilden. Wenn man dann noch einen Blick durch das Okular des Uhrmachers in das Gehäuse werfen darf, so glaubt man vollendes, man entdecke eine ganz eigene Welt.
Fotos © Robert Volhard, Stylepark
Jedes einzelne Bauteil entsteht in Handarbeit. Aus einem ersten Vorschnitt fertigt der Uhrmacher Schritt für Schritt die einzelnen Teile mit all ihren Rundungen und Kanten. Um die geforderte Präzision zu erreichen, kommt zwar auch modernste Messtechnik zum Einsatz, ein guter Uhrmacher kennt aber auch so jede Krümmung und besitzt ein untrügliches Gespür für die richtigen Proportionen. Es dauert viele Jahre, bis ein Uhrmacher so erfahren ist, dass er sich an komplexere Systeme wagen darf. Gekrönt wird jede Uhrmacherkarriere, wenn er eine „Grande Complication“ zu fertigen versteht – ein Uhrwerk, das neben dem normalen Gehwerk mit Stunde, Minute und Sekunde noch weitere Funktionen aufweist, beispielsweise Repetition, Kalender, Mondphasenanzeige und Astrolabium.
Fotos © Robert Volhard, Stylepark (links), Audemars Piguet (rechts)
Das strenge Raster auf dem Ziffernblatt der „Royal Oak“ hat in seiner Plastizität durchaus Gemeinsamkeiten mit barocken Stadtgrundrissen, etwa der in Quadrate eingeteilten Stadt Mannheim. Was man mit bloßen Auge für eine Prägung halten mag, wird in Wirklichkeit aus dem Material gefräst, wobei, der Blick durch die Uhrmacherlupe offenbart es, auf der Oberfläche feine kreisförmige Muster entstehen.
Fotos © Robert Volhard, Stylepark
Die Antriebskraft der komplexen Uhrenmechanik entsteht aus einem feinen Band aus Federstahl. Spiralförmig aufgewickelt, findet die Antriebsfeder ihren Platz im Federhaus – dem Zentrum der Uhr. Auch wenn die Feder für das Auge oft nicht sichtbar ist, so ist sie doch mit demjenigen verbunden, der die Uhr aufzieht, indem er die Krone dreht.
Fotos © Robert Volhard, Stylepark (links), Audemars Piguet (rechts)
Im Vergleich zu der filigranen Mechanik, die es enthält und schützt, wirkt das Uhrgehäuse sehr robust. Fast möchte man es mit einer Vorhang-Fassade vergleichen, ummantelt es doch auch die Konstruktion und die innere Architektur der Uhr. Die Gestaltung der Hülle vermittelt, nicht viel anders als bei einem Gebäude, aber auch ein „Image“, gibt Kunde vom Charakter der Uhr. Bei der „Royal Oak“ ist das Widerstandskraft, bei anderen Modellen, beispielsweise, der „Millenary“ eher eine kultivierte Verspieltheit.
Fotos © Robert Volhard, Stylepark
Auf dem Dachboden des ältesten Gebäudes von Audemars Piguet findet man das, was man in einer Manufaktur erwartet: Schätze mit Geschichte. Es riecht nach dem Holz der Schränke und Werkbänke und die bedächtige Stille, die sich ausbreitet, lässt jeden, der den Raum betritt, unwillkürlich leiser sprechen. Die Dielen knarren und man verlangsamt den Schritt ob der Ordnung, die hier herrscht und der man voll Ehrfurcht begegnet. Hier lagern die Ersatzteile von Modellen, die teilweise mehr als hundert Jahre alt sind. Hier werden die alten Schätze, wenn nötig, auch repariert und aufgearbeitet. Man bildet sich ein, man befinde sich in einem jener Uhrmacherateliers, wie sie in den Anfängen von Audemars Piguet gewesen sind.
Taktvolle Grille

Der Künstler und Komponist Robin Meier hat im Rahmen der ersten Audemars Piguet Art Commission ein faszinierendes Environment geschaffen: „Synchronicity“ erkundet Formen spontaner Selbstorganisation und kollektiver Intelligenz. Es ist lebende Skulptur und Labor zugleich.

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Unruhe im stillen Tal

Uhrmacher und Architekt haben einiges gemein: Präzision bis ins Detail, ein Sinn für Ästhetik und das Ausreizen konstruktiver und technischer Grenzen. Adeline Seidel hat mit Kai-Uwe Bergmann darüber gesprochen, an welche Grenzen BIG bei ihrem Neubau für Audemars Piguet gehen wollen.

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News & Stories › 2015 › Dezember
Die Architektur der Uhr
von Adeline Seidel | 1. Dezember 2015
Der Maßstab, in dem Uhrmacher und Architekten arbeiten, ist ein gänzlich anderer. Doch während es in der Baukunst gilt, Komplikationen zu vermeiden, gilt die Herstellung einer „Grande Complication“ unter Uhrmachern als Auszeichnung.
Schon die Landschaft verströmt ein besonderes Aroma. Von Alpenromatik ist im Vallée de Joux im Schweizer Jura nicht viel zu spüren, selbst wenn die Wiesen im Spätsommer noch in sattem Grün leuchten und der Lac de Joux verlockend in der Sonne glitzert, wenn man über endlos verschlungene Serpentinen bis in das Tal vorgedrungen ist. Schroffe Felsen, feine Gräser, die durch die harte Decke des Boden zum Licht streben, und die kleinen Fensteröffnungen der gedrungenen Häuser lassen erahnen: dieses Hochtal ist ein rauer Ort, hier, auf tausend Meter Höhe, sind die Winter kalt und lang. Womöglich verdankt es sich dieser Mischung aus Abgeschiedenheit und Ruhe, dass eine Handwerkskunst wie die des Uhrmachers, die ohne Geschick, Präzision und einem besonderen Sinn für das Feine und Filigrane undenkbar wäre, sich gerade hier bis aufs höchste Niveau hat entwickeln können.

Bereits im 18. Jahrhundert avancierte die Uhrmacherei – bevorzugt in den langen Wintermonaten – zur willkommenen Einnahmequelle der Talbewohner. Was mit Heimarbeit und Zulieferdiensten begann, führte über die Jahre dazu, dass erste Uhrmacher-Unternehmen entstanden. Bis heute werden im Vallée de Joux in Handarbeit nicht einfach Uhren, sondern ausgeklügelte und raffinierte feinmechanische Zeitmesser gefertigt. Besonders edle Exemplare findet man bei der 1875 gegründeten und noch immer familiengeführten Uhrenmanufaktur Audemars Piguet.

In der Welt der Uhrmacher regiert die Stille. Es ist eine introvertierte Welt, ein eigener Kosmos. Mag das fertige Produkt auch noch so sehr beeindrucken, blickt man hinter die Kulissen und auf all die winzig kleinen Teile, aus denen so ein Wunderwerk sich zusammensetzt, so kennt die Faszination keine Grenzen mehr. Wer all die Zahnräder und Antriebselementen, all die Federn, die aus Edelsteinen bestehenden Lager, all die filigranen Zeiger und Ziffern betrachtet, der stellt überrascht fest, dass sie zuweilen wie Bauwerke oder ganze Städte aus dem Lande Liliput wirken. Wer weiß, vielleicht sind Uhrmacher ja Baumeister, die an einer Architektur der Zeit arbeiten.
Manche Uhrwerke erinnern auf den ersten Blick an ummauerte Miniaturstädte: Auf unterschiedlichen Ebenen bilden die Einzelteile Quartiere, die mittels Brücken und federnden Stegen miteinander verbunden sind und einen in sich schwingenden Organismus bilden. Wenn man dann noch einen Blick durch das Okular des Uhrmachers in das Gehäuse werfen darf, so glaubt man vollendes, man entdecke eine ganz eigene Welt.Jedes einzelne Bauteil entsteht in Handarbeit. Aus einem ersten Vorschnitt fertigt der Uhrmacher Schritt für Schritt die einzelnen Teile mit all ihren Rundungen und Kanten. Um die geforderte Präzision zu erreichen, kommt zwar auch modernste Messtechnik zum Einsatz, ein guter Uhrmacher kennt aber auch so jede Krümmung und besitzt ein untrügliches Gespür für die richtigen Proportionen. Es dauert viele Jahre, bis ein Uhrmacher so erfahren ist, dass er sich an komplexere Systeme wagen darf. Gekrönt wird jede Uhrmacherkarriere, wenn er eine „Grande Complication“ zu fertigen versteht – ein Uhrwerk, das neben dem normalen Gehwerk mit Stunde, Minute und Sekunde noch weitere Funktionen aufweist, beispielsweise Repetition, Kalender, Mondphasenanzeige und Astrolabium.Das strenge Raster auf dem Ziffernblatt der „Royal Oak“ hat in seiner Plastizität durchaus Gemeinsamkeiten mit barocken Stadtgrundrissen, etwa der in Quadrate eingeteilten Stadt Mannheim. Was man mit bloßen Auge für eine Prägung halten mag, wird in Wirklichkeit aus dem Material gefräst, wobei, der Blick durch die Uhrmacherlupe offenbart es, auf der Oberfläche feine kreisförmige Muster entstehen.Die Antriebskraft der komplexen Uhrenmechanik entsteht aus einem feinen Band aus Federstahl. Spiralförmig aufgewickelt, findet die Antriebsfeder ihren Platz im Federhaus – dem Zentrum der Uhr. Auch wenn die Feder für das Auge oft nicht sichtbar ist, so ist sie doch mit demjenigen verbunden, der die Uhr aufzieht, indem er die Krone dreht.Im Vergleich zu der filigranen Mechanik, die es enthält und schützt, wirkt das Uhrgehäuse sehr robust. Fast möchte man es mit einer Vorhang-Fassade vergleichen, ummantelt es doch auch die Konstruktion und die innere Architektur der Uhr. Die Gestaltung der Hülle vermittelt, nicht viel anders als bei einem Gebäude, aber auch ein „Image“, gibt Kunde vom Charakter der Uhr. Bei der „Royal Oak“ ist das Widerstandskraft, bei anderen Modellen, beispielsweise, der „Millenary“ eher eine kultivierte Verspieltheit.Auf dem Dachboden des ältesten Gebäudes von Audemars Piguet findet man das, was man in einer Manufaktur erwartet: Schätze mit Geschichte. Es riecht nach dem Holz der Schränke und Werkbänke und die bedächtige Stille, die sich ausbreitet, lässt jeden, der den Raum betritt, unwillkürlich leiser sprechen. Die Dielen knarren und man verlangsamt den Schritt ob der Ordnung, die hier herrscht und der man voll Ehrfurcht begegnet. Hier lagern die Ersatzteile von Modellen, die teilweise mehr als hundert Jahre alt sind. Hier werden die alten Schätze, wenn nötig, auch repariert und aufgearbeitet. Man bildet sich ein, man befinde sich in einem jener Uhrmacherateliers, wie sie in den Anfängen von Audemars Piguet gewesen sind.Taktvolle Grille

Der Künstler und Komponist Robin Meier hat im Rahmen der ersten Audemars Piguet Art Commission ein faszinierendes Environment geschaffen: „Synchronicity“ erkundet Formen spontaner Selbstorganisation und kollektiver Intelligenz. Es ist lebende Skulptur und Labor zugleich.

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Unruhe im stillen Tal

Uhrmacher und Architekt haben einiges gemein: Präzision bis ins Detail, ein Sinn für Ästhetik und das Ausreizen konstruktiver und technischer Grenzen. Adeline Seidel hat mit Kai-Uwe Bergmann darüber gesprochen, an welche Grenzen BIG bei ihrem Neubau für Audemars Piguet gehen wollen.

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