transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369373_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2143 Forward End
STYLEPARK x AUDEMARS PIGUET
Taktvolle Grille
Malaysische Laubheuschrecken können es: Sie stimmen ihren Gesang aufeinander ab und musizieren wie ein Chor. Können Kunst und Natur ebenfalls in einem gemeinsamen Rhythmus schwingen? Kann zwischen Licht, Sound, Glühwürmchen, Grille, Seismograph und Oszillograph spontan ein abgestimmter Klang entstehen? Was überhaupt hat es mit dem Phänomen der Synchronizität auf sich, was motiviert oder verursacht es? Welche Mechanismen sind hier am Werk und was empfindet man bei solchem Einklang?

Ein großes Zelt, darin eine Welt, die sich ihren eigenen Rhythmus schafft: Die Luftfeuchtigkeit ist hoch, es riecht nach Erde, üppiger Vegetation, Natur. Ins rote Licht wachstumsfördernder Lampen getaucht zirpen Grillen; Glühwürmchen leuchten auf und verschwinden im nächsten Moment wieder im Dunkeln; auf einem Bildschirm ändert sich ein farbiges Raster; man erkennt Leuchtdioden, Computer, Pflanzen im Schattenriss. Metronome klacken, Pendel schwingen über einem elektromagnetischen Feld, generieren einen Rhythmus. Ein maschinenartiger Sound erfüllt den Raum und die Tiere in dieser eigenartigen Konzerthalle scheinen darauf zu reagieren.

„Synchronicity: Fireflies, Crickets and Machines“ nennt der Schweizer Künstler und Komponist Robin Meier sein Environment, bei dem er Maschinengeräusche mit dem Zirpen von Laubheuschrecken und dem Leuchten von Glühwürmchen zu einem pulsierenden Ganzen synchronisiert. „Synchronizität“, erklärt er, „ereignet sich in der Natur auf sämtlichen Ebenen vom Quantum bis zum Kosmos“.
Robin Meiers Installation „Synchronicity“ im Rahmen der neuen Audemars Piguet Art Commission auf der Art Basel 2015. Fotos © Robin Meier
Entwickelt hat Robin Meier das in dem Environment gipfelnde Projekt, das im Juni diesen Jahres während der Art Basel erstmals präsentiert wurde, im Rahmen der neuen Audemars Piguet Art Commission und in Zusammenarbeit mit dem renommierten Kurator Marc-Olivier Wahler. Neuartig ist diese Art der Förderung künstlerischer Projekte insofern, als die Schweizer Uhrenmanufaktur nicht einfach die Produktion von Kunstwerken fördert, sondern den komplexen Prozess unterstützt und begleitet, aus dem das finale Werk allererst hervorgeht. Zentral ist dabei, ähnlich wie bei der Entwicklung hochwertiger Uhren, Verbindungen zu Wissenschaftlern und Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen zu knüpfen und für das jeweilige Vorhaben fruchtbar zu machen. „Durch die Förderung der Zusammenarbeit mit verschiedensten internationalen Fachleuten und Wissenschaftlern“, so Meier, „bietet die Commission meinem künstlerischen Ansatz eine Plattform und fördert den Dialog zwischen den unterschiedlichen Disziplinen. Unser gemeinsames Anliegen ist es, die Grundlagen spontaner Organisation und kollektiver Intelligenz in der Natur zu enträtseln.“ Die jährlich vergebenen „Art Commissions“ werden künftig an den verschiedenen internationalen Veranstaltungsorten der Art Basel zu besichtgen sein: 2016 in Honkong, 2017 in Miami Beach und 2018 wieder in Basel.

Im Fall von Meiers „Synchronicity“ war es die Schweizer Stiftung Papilioram, die sich für den Erhalt des Regenwalds und der Artenvielfalt einsetzt, die gemeinsam mit Meier die Art Comission leitete. Am Projekt beteiligt waren aber auch der Künstler Andre Gwerder, der Zoologe Manfred Hartbauer, der an der Universität Graz die Malaysischen Laubheuschrecken züchtete, sowie andere hochspezialisierte Fachleute für Gentechnik, Informatik, Bioakustik und Kognitionswissenschaft. Die Audemars Piguet Art Commission, so Meier, habe es ihm ermöglicht, dem Phänomen der Synchronizität unter zwei gedanklichen Gesichtspunkten nachzugehen: „dem expliziten, messbaren und dem impliziten, subjektiven.“

Robin Meier konzentriert sich in all seinen Klangwerken und Installationen hauptsächlich auf Formen der Selbstorganisation und einer aus natürlichen oder künstlichen Quellen erwachsender kollektiven Intelligenz. Dabei erkundet er, wie aus Chaos Ordnung entsteht. Auch Marc-Oliver Wahler, der Meier für das Projekt vorgeschlagen hat, hat der Umgang mit Zeit gereizt: „Zeit“, erläuterte er im Gespräch, „ist so etwas wie das grundlegende Material eines Künstlers“. Meiers Kunstwerk verkörpere „Komplexität, Zeit und kreative Virtuosität“. Synchronizität – das bemerkt, wer in diese kleine Welt eintaucht, schnell – muss hier ganz buchstäblich als ein Zustand begriffen werden, in dem Lebewesen sich in dem, was sie tun, aufeinander abstimmen. Unisono statt gegeneinander zu agieren – die Natur macht es vor. Der Mensch muss noch üben.

www.robinmeier.net
Am Projekt beteiligt auch der Künstler Andre Gwerder, der Zoologe Manfred Hartbauer, der an der Universität Graz die Malaysischen Laubheuschrecken züchtete, sowie andere hochspezialisierte Fachleute für Gentechnik, Informatik, Bioakustik und Kognitionswissenschaft. Fotos © Robin Meier
Robin Meier konzentriert sich in all seinen Klangwerken und Installationen hauptsächlich auf Formen der Selbstorganisation und einer aus natürlichen oder künstlichen Quellen erwachsender kollektiven Intelligenz. Foto © Robin Meier




Video © Audemars Piguet
Unruhe im stillen Tal

Uhrmacher und Architekt haben einiges gemein: Präzision bis ins Detail, ein Sinn für Ästhetik und das Ausreizen konstruktiver und technischer Grenzen. Adeline Seidel hat mit Kai-Uwe Bergmann darüber gesprochen, an welche Grenzen BIG bei ihrem Neubau für Audemars Piguet gehen wollen.

› zum Artikel
Die Architektur der Uhr

Architekten und Uhrmacher haben einiges gemein – allein der Maßstab, in dem sie arbeiten, ist ein gänzlich anderer. Doch während es in der Baukunst gilt, Komplikationen zu vermeiden, gilt die Herstellung einer „Grande Complication“ unter Uhrmachern als Auszeichnung.

› zum Artikel
News & Stories › 2015 › Dezember
Taktvolle Grille
von Robert Volhard | 2. Dezember 2015
Der Künstler und Komponist Robin Meier hat im Rahmen der ersten Audemars Piguet Art Commission ein faszinierendes Environment geschaffen: „Synchronicity“ erkundet Formen spontaner Selbstorganisation und kollektiver Intelligenz. Es ist lebende Skulptur und Labor zugleich.
Malaysische Laubheuschrecken können es: Sie stimmen ihren Gesang aufeinander ab und musizieren wie ein Chor. Können Kunst und Natur ebenfalls in einem gemeinsamen Rhythmus schwingen? Kann zwischen Licht, Sound, Glühwürmchen, Grille, Seismograph und Oszillograph spontan ein abgestimmter Klang entstehen? Was überhaupt hat es mit dem Phänomen der Synchronizität auf sich, was motiviert oder verursacht es? Welche Mechanismen sind hier am Werk und was empfindet man bei solchem Einklang?

Ein großes Zelt, darin eine Welt, die sich ihren eigenen Rhythmus schafft: Die Luftfeuchtigkeit ist hoch, es riecht nach Erde, üppiger Vegetation, Natur. Ins rote Licht wachstumsfördernder Lampen getaucht zirpen Grillen; Glühwürmchen leuchten auf und verschwinden im nächsten Moment wieder im Dunkeln; auf einem Bildschirm ändert sich ein farbiges Raster; man erkennt Leuchtdioden, Computer, Pflanzen im Schattenriss. Metronome klacken, Pendel schwingen über einem elektromagnetischen Feld, generieren einen Rhythmus. Ein maschinenartiger Sound erfüllt den Raum und die Tiere in dieser eigenartigen Konzerthalle scheinen darauf zu reagieren.

„Synchronicity: Fireflies, Crickets and Machines“ nennt der Schweizer Künstler und Komponist Robin Meier sein Environment, bei dem er Maschinengeräusche mit dem Zirpen von Laubheuschrecken und dem Leuchten von Glühwürmchen zu einem pulsierenden Ganzen synchronisiert. „Synchronizität“, erklärt er, „ereignet sich in der Natur auf sämtlichen Ebenen vom Quantum bis zum Kosmos“.
Entwickelt hat Robin Meier das in dem Environment gipfelnde Projekt, das im Juni diesen Jahres während der Art Basel erstmals präsentiert wurde, im Rahmen der neuen Audemars Piguet Art Commission und in Zusammenarbeit mit dem renommierten Kurator Marc-Olivier Wahler. Neuartig ist diese Art der Förderung künstlerischer Projekte insofern, als die Schweizer Uhrenmanufaktur nicht einfach die Produktion von Kunstwerken fördert, sondern den komplexen Prozess unterstützt und begleitet, aus dem das finale Werk allererst hervorgeht. Zentral ist dabei, ähnlich wie bei der Entwicklung hochwertiger Uhren, Verbindungen zu Wissenschaftlern und Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen zu knüpfen und für das jeweilige Vorhaben fruchtbar zu machen. „Durch die Förderung der Zusammenarbeit mit verschiedensten internationalen Fachleuten und Wissenschaftlern“, so Meier, „bietet die Commission meinem künstlerischen Ansatz eine Plattform und fördert den Dialog zwischen den unterschiedlichen Disziplinen. Unser gemeinsames Anliegen ist es, die Grundlagen spontaner Organisation und kollektiver Intelligenz in der Natur zu enträtseln.“ Die jährlich vergebenen „Art Commissions“ werden künftig an den verschiedenen internationalen Veranstaltungsorten der Art Basel zu besichtgen sein: 2016 in Honkong, 2017 in Miami Beach und 2018 wieder in Basel.

Im Fall von Meiers „Synchronicity“ war es die Schweizer Stiftung Papilioram, die sich für den Erhalt des Regenwalds und der Artenvielfalt einsetzt, die gemeinsam mit Meier die Art Comission leitete. Am Projekt beteiligt waren aber auch der Künstler Andre Gwerder, der Zoologe Manfred Hartbauer, der an der Universität Graz die Malaysischen Laubheuschrecken züchtete, sowie andere hochspezialisierte Fachleute für Gentechnik, Informatik, Bioakustik und Kognitionswissenschaft. Die Audemars Piguet Art Commission, so Meier, habe es ihm ermöglicht, dem Phänomen der Synchronizität unter zwei gedanklichen Gesichtspunkten nachzugehen: „dem expliziten, messbaren und dem impliziten, subjektiven.“

Robin Meier konzentriert sich in all seinen Klangwerken und Installationen hauptsächlich auf Formen der Selbstorganisation und einer aus natürlichen oder künstlichen Quellen erwachsender kollektiven Intelligenz. Dabei erkundet er, wie aus Chaos Ordnung entsteht. Auch Marc-Oliver Wahler, der Meier für das Projekt vorgeschlagen hat, hat der Umgang mit Zeit gereizt: „Zeit“, erläuterte er im Gespräch, „ist so etwas wie das grundlegende Material eines Künstlers“. Meiers Kunstwerk verkörpere „Komplexität, Zeit und kreative Virtuosität“. Synchronizität – das bemerkt, wer in diese kleine Welt eintaucht, schnell – muss hier ganz buchstäblich als ein Zustand begriffen werden, in dem Lebewesen sich in dem, was sie tun, aufeinander abstimmen. Unisono statt gegeneinander zu agieren – die Natur macht es vor. Der Mensch muss noch üben.

www.robinmeier.net
Unruhe im stillen Tal

Uhrmacher und Architekt haben einiges gemein: Präzision bis ins Detail, ein Sinn für Ästhetik und das Ausreizen konstruktiver und technischer Grenzen. Adeline Seidel hat mit Kai-Uwe Bergmann darüber gesprochen, an welche Grenzen BIG bei ihrem Neubau für Audemars Piguet gehen wollen.

› zum Artikel
Die Architektur der Uhr

Architekten und Uhrmacher haben einiges gemein – allein der Maßstab, in dem sie arbeiten, ist ein gänzlich anderer. Doch während es in der Baukunst gilt, Komplikationen zu vermeiden, gilt die Herstellung einer „Grande Complication“ unter Uhrmachern als Auszeichnung.

› zum Artikel