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Leben mit der Ostmoderne
von Sandra Hofmeister | 9. August 2011
Skopje, Mazedonien, Foto: Roman Bezjak

Ein Wohnblock in Bratislava, ein Verlagshaus in Sarajevo und ein Fernsehturm in Riga: In seinen Fotografien hält Roman Bezjak Alltagssituationen fest, in denen sich das Hier und Jetzt von Architektur in Osteuropa als geronnene Vergangenheit der sozialistischen Moderne entpuppt. Sein Blick durch die Kamera lässt sich nicht auf heroische Posen oder repräsentative Motive aus den ehemals sowjetischen Ländern ein. Stattdessen fokussiert der Fotograf Wohnblöcke und Kaufhäuser, Straßenzüge und Plätze in Moskau, Tirana oder Tiflis auf Augenhöhe. So entsteht ein vielseitiges Kompendium verschiedener Orte und Alltagssituationen, das nun in einem facettenreichen Bildband zu sehen ist.

Rhythmisierungen und Rasterungen, Wiederholungsstrukturen und monumentale Formen zeigt Bezjak in Alltagssituationen: Seine Aufnahmen greifen unterschiedliche Perspektiven auf, schneiden Gebäude oft an und sind nicht als Dokumentation architektonischer Formen und Projekte gedacht, sondern vermitteln distanzierte Eindrücke des täglichen Lebens. Das facettenreiche Sammelsurium aus Orten, Städten und Häusern lässt Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen. Als Aufnahmen von menschenleeren Kulissen geben viele Fotos eine Ahnung vom Leben und vom Alltag. Sie lassen seine Spuren erkennen – sei es in Form von Satellitenschüsseln auf Hochhausbalkons oder von Trampelfaden, die in ehemals opulenten Grünanlagen von deren Nutzung und Ruin zeugen.

In dem Bildband verdichten sich die einzelnen Aufnahmen zur Archäologie einer Ära, die früher einmal mit hoffnungsvollen Versprechen für die Zukunft verbunden war, was sich längst als uneinlösbares Versprechen herausgestellt hat. Schöner, besser und wunderbarer sollte die Welt einmal durch das Zentralpostamt in Skopje oder die gewaltigen Häuserblöcke in Zagreb werden. Was heute bleibt, sind vor allem viele Fragen: Nachnutzung, Sanierung und Denkmalpflege dieser Gebäude, die großteils dem Verfall preisgegeben sind und als Ruinen von ihrer glorreichen Vergangenheit erzählen, sind ungewiss. Was einmal als Ausdruck einer egalitären Kollektivität gefeiert wurde, ist heute Zeichen der ideologischen Gleichschaltung und der Fremdherrschaft der Sowjets.

Roman Bezjak ist in Slowenien geboren und in Deutschland aufgewachsen. Als freier Fotograf war er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, für Geo, Merian oder den Spiegel tätig, bevor er Professor an der Fachhochschule Bielefeld wurde. Seine Aufnahmen der Bauten der sozialistischen Moderne hat er als Langzeitprojekt erstellt, seit 2005 stets ergänzt und erweitert. Mehr noch als ein Reisesammelsurium aus einzelnen Bauten entstand eine Art Erzählung, die zwei Epochen, die sozialistische Illusion und deren Scheitern, sichtbar macht. Vergangenheit und Gegenwart sind in Bezjaks Fotografien übereinander geschoben – sie zeigen sich als postsozialistische Einheit, die auf eine unsichere Zukunft verweisen.

Sozialistische Moderne
Von Roman Bezjak
Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 2011
Hardcover, 160 Seiten, deutsch / englisch
39,80 Euro
www.hatjecantz.de

Laufende Ausstellung:
Roman Bezjak. Archäologie einer Zeit: Sozialistische Moderne
Von 22. Juni bis 16. Oktober 2011
Sprengel Museum Hannover
www.sprengel-museum.de

Pristina, Kosovo, Foto: Roman Bezjak
Tiflis, Georgien, Foto: Roman Bezjak
Buchdetail, Foto: Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Magdeburg, Deutschland, Foto: Roman Bezjak
Most, Tschechien, Foto: Roman Bezjak
Buchdetail, Foto: Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Buchdetail, Foto: Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Leipzig, Deutschland, Foto: Roman Bezjak
Kharkiv, Ukraine, Foto: Roman Bezjak
Halle / Saale, Deutschland, Foto: Roman Bezjak
Dresden, Deutschland, Foto: Roman Bezjak
Buchdetail, Foto: Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Dnipropetrovsk, Ukraine, Foto: Roman Bezjak
Buchdetail, Foto: Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Buchdetail, Foto: Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Buchdetail, Foto: Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Buchtitel, Foto: Roman Bezjak
Architektur › 2011 › August
Leben mit der Ostmoderne
von Sandra Hofmeister | 9. August 2011
Seit 2005 fotografiert Roman Bezjak Bauten der Ostmoderne. Seine Aufnahmen dienen weniger der Dokumentation, sondern vermitteln das Gesehene alltagsnah und dennoch mit einer gewissen Distanz. Ein Bildband zeigt eine Auswahl dieser Momentaufnahmen einer ungewissen Zukunft.
Ein Wohnblock in Bratislava, ein Verlagshaus in Sarajevo und ein Fernsehturm in Riga: In seinen Fotografien hält Roman Bezjak Alltagssituationen fest, in denen sich das Hier und Jetzt von Architektur in Osteuropa als geronnene Vergangenheit der sozialistischen Moderne entpuppt. Sein Blick durch die Kamera lässt sich nicht auf heroische Posen oder repräsentative Motive aus den ehemals sowjetischen Ländern ein. Stattdessen fokussiert der Fotograf Wohnblöcke und Kaufhäuser, Straßenzüge und Plätze in Moskau, Tirana oder Tiflis auf Augenhöhe. So entsteht ein vielseitiges Kompendium verschiedener Orte und Alltagssituationen, das nun in einem facettenreichen Bildband zu sehen ist.

Rhythmisierungen und Rasterungen, Wiederholungsstrukturen und monumentale Formen zeigt Bezjak in Alltagssituationen: Seine Aufnahmen greifen unterschiedliche Perspektiven auf, schneiden Gebäude oft an und sind nicht als Dokumentation architektonischer Formen und Projekte gedacht, sondern vermitteln distanzierte Eindrücke des täglichen Lebens. Das facettenreiche Sammelsurium aus Orten, Städten und Häusern lässt Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen. Als Aufnahmen von menschenleeren Kulissen geben viele Fotos eine Ahnung vom Leben und vom Alltag. Sie lassen seine Spuren erkennen – sei es in Form von Satellitenschüsseln auf Hochhausbalkons oder von Trampelfaden, die in ehemals opulenten Grünanlagen von deren Nutzung und Ruin zeugen.

In dem Bildband verdichten sich die einzelnen Aufnahmen zur Archäologie einer Ära, die früher einmal mit hoffnungsvollen Versprechen für die Zukunft verbunden war, was sich längst als uneinlösbares Versprechen herausgestellt hat. Schöner, besser und wunderbarer sollte die Welt einmal durch das Zentralpostamt in Skopje oder die gewaltigen Häuserblöcke in Zagreb werden. Was heute bleibt, sind vor allem viele Fragen: Nachnutzung, Sanierung und Denkmalpflege dieser Gebäude, die großteils dem Verfall preisgegeben sind und als Ruinen von ihrer glorreichen Vergangenheit erzählen, sind ungewiss. Was einmal als Ausdruck einer egalitären Kollektivität gefeiert wurde, ist heute Zeichen der ideologischen Gleichschaltung und der Fremdherrschaft der Sowjets.

Roman Bezjak ist in Slowenien geboren und in Deutschland aufgewachsen. Als freier Fotograf war er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, für Geo, Merian oder den Spiegel tätig, bevor er Professor an der Fachhochschule Bielefeld wurde. Seine Aufnahmen der Bauten der sozialistischen Moderne hat er als Langzeitprojekt erstellt, seit 2005 stets ergänzt und erweitert. Mehr noch als ein Reisesammelsurium aus einzelnen Bauten entstand eine Art Erzählung, die zwei Epochen, die sozialistische Illusion und deren Scheitern, sichtbar macht. Vergangenheit und Gegenwart sind in Bezjaks Fotografien übereinander geschoben – sie zeigen sich als postsozialistische Einheit, die auf eine unsichere Zukunft verweisen.

Sozialistische Moderne
Von Roman Bezjak
Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 2011
Hardcover, 160 Seiten, deutsch / englisch
39,80 Euro
www.hatjecantz.de

Laufende Ausstellung:
Roman Bezjak. Archäologie einer Zeit: Sozialistische Moderne
Von 22. Juni bis 16. Oktober 2011
Sprengel Museum Hannover
www.sprengel-museum.de