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STYLEPARK x ZUMTOBEL
Supermarkt, Superlicht
Milch, Brot, Wasser, Kartoffeln, Äpfel: Im Supermarkt werden die Dinge des Alltags verkauft. Die Kunden sind nicht zum Vergnügen da, sie arbeiten ihren Einkaufszettel ab oder beruhigen die Kinder. Nein, es ist im Allgemeinen kein Ort zum Verweilen – und doch ist das richtige Licht auch im Lebensmittelhandel kein banales Thema. Ralf Knorrenschild, Senior Vice President bei Zumtobel und als solcher auf Lichtlösungen spezialisiert, berät Architekten und Shopgestalter und sollte also wissen, welche Lichtstimmung im Supermarkt die Beste ist. Welche Rolle dabei die Brühwurst-Verordnung spielt und warum heller nicht unbedingt besser ist, verrät er in unserem Interview.
Ralf Knorrenschild, Senior Vice President von Zumtobel. Foto © Zumtobel
Jasmin Jouhar: Lebensmittel sind eine besonders empfindliche Ware. Was bedeutet das für die Beleuchtung?

Ralf Knorrenschild: Als Konsument möchte ich die Ware gut erkennen können, ich möchte die Qualität bewerten. Daher muss ich Lebensmittel möglichst natürlich und wirklichkeitsgetreu beleuchten. Im Supermarktbereich setzen wir heute bis zu 90 Prozent LED-Beleuchtung ein, ein Vorteil davon ist, dass frische Ware wie Obst und Gemüse, Fleisch und Wurst nicht mehr von der Wärmestrahlung des Lichts beschädigt wird. Die Ware wird weder zu warm noch vergilbt sie wie vor einigen Jahren durch die ultraviolette Strahlung von Entladungslampen. Das Licht der LEDs ist schonender.

Wie wichtig ist dabei die Lichtfarbe?

Ralf Knorrenschild: Sehr wichtig natürlich, Obst und Gemüse brauchen zum Beispiel eine andere Lichtfarbe als Wurst, Käse oder Brot um gut auszusehen. Bei Zumtobel bieten wir auch Leuchten mit einer speziellen Technologie an, die wir „Tunable Food“ nennen. Damit lässt sich etwa die Lichtfarbe je nach Aufgabe direkt an der Leuchte steuern. Wenn der Supermarkt dann sein Sortiment neu ordnet, müssen die Leuchten nicht umgebaut werden, sondern man kann einfach die Lichtfarbe und Farbwiedergabe, direkt an der Leuchte, entsprechend der Anforderungen ändern. Das bietet ein Höchstmaß an Flexibilität.

Sie haben kürzlich die Architekten LAB5 beim Neubau einer Interspar-Filiale in Budapest beraten. Können Sie etwas zum Lichtkonzept sagen?

Ralf Knorrenschild: Das Konzept sollte auf die lokalen Bedingungen reagieren, vor allem auf die Kundennachfrage. Der regionale Bezug ist bei Supermärkten generell sehr wichtig. Bei diesem Projekt ging es zum Beispiel darum, der Weinabteilung eine besondere Atmosphäre zu geben, denn die hatte sich in Budapest bereits als sehr wichtig erwiesen. Das sollte im Neubau atmosphärisch noch stärker unterstützt werden: Der Kunde sollte sich wohlfühlen, die Stimmung sollte eher wie in einer kleinen Vinothek sein. So wurde ein abgeschlossener Bereich entworfen, verkleidet mit geschwungenen Holzlamellen, die dem Ganzen einen natürlichen oder wenigstens: naturnahen und haptischen Touch verliehen haben. Die LED-Leuchten und -Spots, die diese Atmosphäre mit ihrem Licht gezielt unterstützen, wurden dann dezent, ja beinahe unsichtbar zwischen diesen Lamellen eingesetzt.
Das architektonische Konzept des Budapester Spar-Marktes besteht aus schnellen und langsameren Routen durch den Laden - für Kunden mit mehr oder weniger Zeit. Die Beleuchtung mit der TGRfood Technologie unterstützt dieses Konzept. Foto © Zumtobel
Wenn die Beleuchtung so gut integriert ist, dann sind Sie sicher früh in den Planungsprozess eingestiegen?

Ralf Knorrenschild: Je früher wir in den Planungsprozess einbezogen werden, desto besser können wir die Beleuchtung in das Konzept integrieren. Ganz generell gilt ja, dass am Besten alle Gewerke früh anfangen, sich miteinander abzustimmen. Sie kennen es vielleicht vom privaten Wohnungsbau: Wenn ich in ein neues Haus einziehe, und im Wohnzimmer hängt ein einzelnes Kabel in der Mitte aus der Decke, dann habe ich wesentlich weniger Möglichkeiten, mit der Beleuchtung Akzente zu setzen oder die Atmosphäre zu bestimmen. Besser ist es, wenn ich vorher sagen kann, wo ich wie viele Kabel in Decke, Wand oder im Fußboden brauche.... Dasselbe gilt auch für einen Supermarkt. Wir machen gerne einen Workshop mit den Architekten und Ladenbauern und fragen, was die Wünsche sind. Dazu arbeiten wir dann verschiedene Lösungsszenarien aus.

Neben der Weinabteilung – welche Aufgaben sollte das Licht noch erfüllen bei dem Projekt in Ungarn?

Ralf Knorrenschild: Häufig ist der Frischebereich die Visitenkarte eines Lebensmittelhändlers. Nicht nur, weil dieser Bereich sehr margenstark ist, sondern weil ein hochwertiges Obst- und Gemüseangebot mit der richtigen Inszenierung die Gesamtwirkung des Geschäfts beeinflusst, zumal er oft im Eingangsbereich liegt. Das war auch beim Budapester Projekt ein Schwerpunkt.

Obst und Gemüse brauchen eine andere Lichtfarbe als Wurst oder Käse. Zumtobel bietet dafür die „Tunable Food“-Technologie an, bei der die Lichtfarbe direkt am Strahler individuell eingestellt werden kann. Foto © Zumtobel
Welche Beleuchtungsformen haben Sie konkret eingesetzt?

Ralf Knorrenschild: In den typischen Regalgängen sind Lichtbandleuchten installiert, die mittig zwischen den Regalen verlaufen und mit sehr effizienten LEDs ausgestattet wurden. Dadurch werden die Regale auf ihrer ganzen Höhe brillant und gleichmäßig ausgeleuchtet, und der Kunde kann sich einfach orientieren: Man kann die Preisschilder und das Kleingedruckte auf den Verpackungen lesen. Zusätzlich gibt es an mehreren Stellen im Markt Akzentbeleuchtung, etwa an den Gefriertruhen, bei den Molkereiprodukten oder an den Stirnseiten der Regale, wo Aktionsware ausgestellt wird. Dort verstärken einzelne Strahler die Beleuchtung. Hier entscheidet sich der Kunde, ob er in einen Gang hineingeht oder nicht. In der Caféteria hingegen haben wir atmosphärisches Licht eingesetzt, hier soll der Kunde zum Verweilen eingeladen und sozusagen „entschleunigt“ werden.
Die LED Spotlights der Serien FACTOR (links und rechts) und VIVO (mitte) sorgen für Akzente in der ansonsten ausgewogenen Hallenbeleuchtung des Supermarktes. Foto © Zumtobel
Welches sind denn die drei größten Fehler, die passieren können, wenn Lebensmittel beleuchtet werden?

Ralf Knorrenschild: Ich darf zum Beispiel die Originalfarbe von Fleisch und Wurst nur minimal verfälschen – dazu gibt es in Deutschland sogar eine Verordnung, die „Brühwurst-Verordnung“. Der Kunde erwartet authentische Produkte, deswegen ist Verfälschung ein großer Fehler. Außerdem sollte man die Blendung reduzieren, damit sich der Kunde gut orientieren kann. Schlecht wäre, wenn mich großer Strahler wie in einem Studio anleuchten und ich nichts mehr sehen kann. Und natürlich darf das Licht die Ware nie beschädigen oder negativ beeinflussen. Deswegen hat der Metzger den Kindern früher gerne mal die oberste Scheibe vom Wurststapel rübergereicht, denn die Ware hat sich schnell verfärbt und ist unansehnlich geworden.

Je heller das Geschäft, desto besser?

Ralf Knorrenschild: Nicht unbedingt. Wichtig ist die Positionierung: Handelt es sich um einen Discounter oder einen Supermarkt? So weiß der Kunde gleich, welche Qualität ihn erwartet und welches Sortiment. Ein stimmiges Konzept ist viel wichtiger als die reine Beleuchtungsstärke – schon von draußen.

Wie unterscheiden sich denn Lichtkonzepte für Discounter und für Supermärkte mit hochwertigerem Sortiment?

Ralf Knorrenschild: Bei Discountern wie Penny, Aldi oder Lidl finden Sie eine eher diffuse Allgemeinbeleuchtung, eher weniger Akzente oder herausgehobene Bereiche. Hier nimmt der Kunde die Ware auch mal selbst aus dem Karton. Die Botschaft dahinter: Hier ist es schlicht und günstig. Bei Supermärkten geht es dagegen darum, die Verweildauer zu erhöhen. Da gibt es Restaurants, eine Beratung an der Käsetheke, da wird Brot frisch gebacken. Damit ist auch die Beleuchtung aufwändiger als im Discounter. Eine schöne Sache sind hinterleuchtete Regale, damit kann man Waren attraktiv darstellen. Wichtiger als gleichmäßige Helligkeit ist die Akzentuierung, das speziell abgestimmte Licht, die Atmosphäre.
Die Maison Ladurée in Paris ist eine exklusive Patisserie. Hier kam Zumtobels „Supersystem" mit 200 Spots in Kombination mit dem Lichtmanagementsystem „Luxmate Emotion“ zum Einsatz. Foto © Damien Guicheteau
Thema Energieverbrauch: Gibt es Sparpotenzial?

Ralf Knorrenschild: In Frankreich ist es längst üblich, mit Oberlichtern zu arbeiten. Da wird Tageslicht mit Kunstlicht gemischt, je nach Tageszeit. Dank LED sparen wir heute allerdings sowieso schon rund 50 Prozent Energie im Vergleich zu konventioneller Beleuchtung – bei gleicher Lichtmenge und meist besserer Lichtqualität. Aktuelle Systeme haben rund 50.000 Stunden Lebensdauer, was in einem Supermarkt um die 12 bis 15 Jahre bedeutet.

Bei der Beleuchtung geht es viel um subjektive Wahrnehmung – ob sich der Kunde angesprochen fühlt oder eben nicht. Kann man das Thema überhaupt objektiv betrachten, kann man Regeln für die richtige Beleuchtung aufstellen?

Ralf Knorrenschild: Allgemeingültige Regeln gibt es sicher nicht. Wir haben eine Studie zur Wahrnehmung durchgeführt und daraufhin eine zielgruppenspezifische Beleuchtung entwickelt. Die Studie heißt „Limbic Lighting“ und zeigt, dass ein auf die Zielgruppe zugeschnittenes Lichtkonzept zu einem gesteigerten Verkauf führen kann. Wir haben festgestellt, dass Entscheidungen unbewusst fallen: Wenn ich mich wohl fühle und – auch unterbewusst – keinen Stress erlebe, dann verweile ich länger und bin eher in Stimmung, etwas zu kaufen, als wenn mich meine Umgebung negativ beeinflusst – mich stresst.

www.zumtobel.com
Individuelle Beleuchtung: Jeder Spot ist einzelnd verstellbar, so dass je nach Bedarf, zu jeder Tages- oder Nachtzeit, verschiedene Lichtstimmungen inszeniert werden können. Foto © Damien Guicheteau
Sieben emotionale Typen

Eine große Studie hat die emotionalen Reaktionen der Kundschaft auf verschiedene Lichtinszenierungen im Retailbereich untersucht. Katharina Sommer fasst die Ergebnisse und deren Auswirkungen auf die Lichtgestaltung im Laden zusammen.

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Sieben emotionale Typen

Eine große Studie hat die emotionalen Reaktionen der Kundschaft auf verschiedene Lichtinszenierungen im Retailbereich untersucht. Katharina Sommer fasst die Ergebnisse und deren Auswirkungen auf die Lichtgestaltung im Laden zusammen.

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Das Licht folgt dem Menschen

Interaktive Technologien machen es möglich: Das Licht im Laden reagiert auf die Anwesenheit des Kunden. Wie das in einem Issey-Miyake-Shop in Antwerpen umgesetzt wurde, darüber hat Jasmin Jouhar mit dem niederländischen Lichtspezialisten Luuk van Laake gesprochen.

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Minimalistische Eleganz

Reduziertes Design und flexible Anwendungsmöglichkeiten: Die zweite Generation des Supersystems von Zumtobel basiert auf kombinierbaren, aufeinander abgestimmten Modulen, die eine riesige Palette von Lichtinszenierungen möglich machen.

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Zwei Showrooms von acdc

In zwei Läden in Schottland und den Vereinigten Staaten haben die Lichtplaner von acdc die weitreichenden Anwendungsmöglichkeiten der Produktpalette von Zumtobel demonstriert: Vom glänzenden Porsche bis zum leuchtenden Whiskey.

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Produkte
Zumtobel: Factor @ Stylepark
Zumtobel
Factor
EOOS
Zumtobel: Onico Stromschienensystem @ Stylepark
Zumtobel
Onico Stromschienensystem
Zumtobel: Diamo @ Stylepark
Zumtobel
Diamo
Zumtobel: Onico Einbauleuchte @ Stylepark
Zumtobel
Onico Einbauleuchte
Zumtobel: Intro klein @ Stylepark
Zumtobel
Intro klein
Christopher Redfern
Ettore Sottsass
Zumtobel: Supersystem II @ Stylepark
Zumtobel
Supersystem II
Aysil Sari
Zumtobel: Vivo M @ Stylepark
Zumtobel
Vivo M
EOOS
Zumtobel: Vivo @ Stylepark
Zumtobel
Vivo
EOOS
Zumtobel: Ondaria Aufbauleuchte @ Stylepark
Zumtobel
Ondaria Aufbauleuchte
Stefan Ambrozus
Zumtobel: Ondaria tunableWhite Aufbauleuchte @ Stylepark
Zumtobel
Ondaria tunableWhite Aufbauleuchte
Stefan Ambrozus
Zumtobel: Vivo XS @ Stylepark
Zumtobel
Vivo XS
EOOS
Architektur › 2016 › Mai
Supermarkt, Superlicht
von Jasmin Jouhar | 19. Mai 2016
Kartoffeln, Wurst und Milch – auch für die alltäglichen Dinge im Supermarkt gibt es gutes oder schlechtes Licht. Jasmin Jouhar hat mit Ralf Knorrenschild von der Zumtobel Group gesprochen, welche Herausforderung die richtige Beleuchtung im Supermarkt darstellt und welche Rolle dabei die Brühwurst-Verordnung spielt.
Milch, Brot, Wasser, Kartoffeln, Äpfel: Im Supermarkt werden die Dinge des Alltags verkauft. Die Kunden sind nicht zum Vergnügen da, sie arbeiten ihren Einkaufszettel ab oder beruhigen die Kinder. Nein, es ist im Allgemeinen kein Ort zum Verweilen – und doch ist das richtige Licht auch im Lebensmittelhandel kein banales Thema. Ralf Knorrenschild, Senior Vice President bei Zumtobel und als solcher auf Lichtlösungen spezialisiert, berät Architekten und Shopgestalter und sollte also wissen, welche Lichtstimmung im Supermarkt die Beste ist. Welche Rolle dabei die Brühwurst-Verordnung spielt und warum heller nicht unbedingt besser ist, verrät er in unserem Interview.Jasmin Jouhar: Lebensmittel sind eine besonders empfindliche Ware. Was bedeutet das für die Beleuchtung?

Ralf Knorrenschild: Als Konsument möchte ich die Ware gut erkennen können, ich möchte die Qualität bewerten. Daher muss ich Lebensmittel möglichst natürlich und wirklichkeitsgetreu beleuchten. Im Supermarktbereich setzen wir heute bis zu 90 Prozent LED-Beleuchtung ein, ein Vorteil davon ist, dass frische Ware wie Obst und Gemüse, Fleisch und Wurst nicht mehr von der Wärmestrahlung des Lichts beschädigt wird. Die Ware wird weder zu warm noch vergilbt sie wie vor einigen Jahren durch die ultraviolette Strahlung von Entladungslampen. Das Licht der LEDs ist schonender.

Wie wichtig ist dabei die Lichtfarbe?

Ralf Knorrenschild: Sehr wichtig natürlich, Obst und Gemüse brauchen zum Beispiel eine andere Lichtfarbe als Wurst, Käse oder Brot um gut auszusehen. Bei Zumtobel bieten wir auch Leuchten mit einer speziellen Technologie an, die wir „Tunable Food“ nennen. Damit lässt sich etwa die Lichtfarbe je nach Aufgabe direkt an der Leuchte steuern. Wenn der Supermarkt dann sein Sortiment neu ordnet, müssen die Leuchten nicht umgebaut werden, sondern man kann einfach die Lichtfarbe und Farbwiedergabe, direkt an der Leuchte, entsprechend der Anforderungen ändern. Das bietet ein Höchstmaß an Flexibilität.

Sie haben kürzlich die Architekten LAB5 beim Neubau einer Interspar-Filiale in Budapest beraten. Können Sie etwas zum Lichtkonzept sagen?

Ralf Knorrenschild: Das Konzept sollte auf die lokalen Bedingungen reagieren, vor allem auf die Kundennachfrage. Der regionale Bezug ist bei Supermärkten generell sehr wichtig. Bei diesem Projekt ging es zum Beispiel darum, der Weinabteilung eine besondere Atmosphäre zu geben, denn die hatte sich in Budapest bereits als sehr wichtig erwiesen. Das sollte im Neubau atmosphärisch noch stärker unterstützt werden: Der Kunde sollte sich wohlfühlen, die Stimmung sollte eher wie in einer kleinen Vinothek sein. So wurde ein abgeschlossener Bereich entworfen, verkleidet mit geschwungenen Holzlamellen, die dem Ganzen einen natürlichen oder wenigstens: naturnahen und haptischen Touch verliehen haben. Die LED-Leuchten und -Spots, die diese Atmosphäre mit ihrem Licht gezielt unterstützen, wurden dann dezent, ja beinahe unsichtbar zwischen diesen Lamellen eingesetzt.
Wenn die Beleuchtung so gut integriert ist, dann sind Sie sicher früh in den Planungsprozess eingestiegen?

Ralf Knorrenschild: Je früher wir in den Planungsprozess einbezogen werden, desto besser können wir die Beleuchtung in das Konzept integrieren. Ganz generell gilt ja, dass am Besten alle Gewerke früh anfangen, sich miteinander abzustimmen. Sie kennen es vielleicht vom privaten Wohnungsbau: Wenn ich in ein neues Haus einziehe, und im Wohnzimmer hängt ein einzelnes Kabel in der Mitte aus der Decke, dann habe ich wesentlich weniger Möglichkeiten, mit der Beleuchtung Akzente zu setzen oder die Atmosphäre zu bestimmen. Besser ist es, wenn ich vorher sagen kann, wo ich wie viele Kabel in Decke, Wand oder im Fußboden brauche.... Dasselbe gilt auch für einen Supermarkt. Wir machen gerne einen Workshop mit den Architekten und Ladenbauern und fragen, was die Wünsche sind. Dazu arbeiten wir dann verschiedene Lösungsszenarien aus.

Neben der Weinabteilung – welche Aufgaben sollte das Licht noch erfüllen bei dem Projekt in Ungarn?

Ralf Knorrenschild: Häufig ist der Frischebereich die Visitenkarte eines Lebensmittelhändlers. Nicht nur, weil dieser Bereich sehr margenstark ist, sondern weil ein hochwertiges Obst- und Gemüseangebot mit der richtigen Inszenierung die Gesamtwirkung des Geschäfts beeinflusst, zumal er oft im Eingangsbereich liegt. Das war auch beim Budapester Projekt ein Schwerpunkt.

Welche Beleuchtungsformen haben Sie konkret eingesetzt?

Ralf Knorrenschild: In den typischen Regalgängen sind Lichtbandleuchten installiert, die mittig zwischen den Regalen verlaufen und mit sehr effizienten LEDs ausgestattet wurden. Dadurch werden die Regale auf ihrer ganzen Höhe brillant und gleichmäßig ausgeleuchtet, und der Kunde kann sich einfach orientieren: Man kann die Preisschilder und das Kleingedruckte auf den Verpackungen lesen. Zusätzlich gibt es an mehreren Stellen im Markt Akzentbeleuchtung, etwa an den Gefriertruhen, bei den Molkereiprodukten oder an den Stirnseiten der Regale, wo Aktionsware ausgestellt wird. Dort verstärken einzelne Strahler die Beleuchtung. Hier entscheidet sich der Kunde, ob er in einen Gang hineingeht oder nicht. In der Caféteria hingegen haben wir atmosphärisches Licht eingesetzt, hier soll der Kunde zum Verweilen eingeladen und sozusagen „entschleunigt“ werden.
Welches sind denn die drei größten Fehler, die passieren können, wenn Lebensmittel beleuchtet werden?

Ralf Knorrenschild: Ich darf zum Beispiel die Originalfarbe von Fleisch und Wurst nur minimal verfälschen – dazu gibt es in Deutschland sogar eine Verordnung, die „Brühwurst-Verordnung“. Der Kunde erwartet authentische Produkte, deswegen ist Verfälschung ein großer Fehler. Außerdem sollte man die Blendung reduzieren, damit sich der Kunde gut orientieren kann. Schlecht wäre, wenn mich großer Strahler wie in einem Studio anleuchten und ich nichts mehr sehen kann. Und natürlich darf das Licht die Ware nie beschädigen oder negativ beeinflussen. Deswegen hat der Metzger den Kindern früher gerne mal die oberste Scheibe vom Wurststapel rübergereicht, denn die Ware hat sich schnell verfärbt und ist unansehnlich geworden.

Je heller das Geschäft, desto besser?

Ralf Knorrenschild: Nicht unbedingt. Wichtig ist die Positionierung: Handelt es sich um einen Discounter oder einen Supermarkt? So weiß der Kunde gleich, welche Qualität ihn erwartet und welches Sortiment. Ein stimmiges Konzept ist viel wichtiger als die reine Beleuchtungsstärke – schon von draußen.

Wie unterscheiden sich denn Lichtkonzepte für Discounter und für Supermärkte mit hochwertigerem Sortiment?

Ralf Knorrenschild: Bei Discountern wie Penny, Aldi oder Lidl finden Sie eine eher diffuse Allgemeinbeleuchtung, eher weniger Akzente oder herausgehobene Bereiche. Hier nimmt der Kunde die Ware auch mal selbst aus dem Karton. Die Botschaft dahinter: Hier ist es schlicht und günstig. Bei Supermärkten geht es dagegen darum, die Verweildauer zu erhöhen. Da gibt es Restaurants, eine Beratung an der Käsetheke, da wird Brot frisch gebacken. Damit ist auch die Beleuchtung aufwändiger als im Discounter. Eine schöne Sache sind hinterleuchtete Regale, damit kann man Waren attraktiv darstellen. Wichtiger als gleichmäßige Helligkeit ist die Akzentuierung, das speziell abgestimmte Licht, die Atmosphäre.
Thema Energieverbrauch: Gibt es Sparpotenzial?

Ralf Knorrenschild: In Frankreich ist es längst üblich, mit Oberlichtern zu arbeiten. Da wird Tageslicht mit Kunstlicht gemischt, je nach Tageszeit. Dank LED sparen wir heute allerdings sowieso schon rund 50 Prozent Energie im Vergleich zu konventioneller Beleuchtung – bei gleicher Lichtmenge und meist besserer Lichtqualität. Aktuelle Systeme haben rund 50.000 Stunden Lebensdauer, was in einem Supermarkt um die 12 bis 15 Jahre bedeutet.

Bei der Beleuchtung geht es viel um subjektive Wahrnehmung – ob sich der Kunde angesprochen fühlt oder eben nicht. Kann man das Thema überhaupt objektiv betrachten, kann man Regeln für die richtige Beleuchtung aufstellen?

Ralf Knorrenschild: Allgemeingültige Regeln gibt es sicher nicht. Wir haben eine Studie zur Wahrnehmung durchgeführt und daraufhin eine zielgruppenspezifische Beleuchtung entwickelt. Die Studie heißt „Limbic Lighting“ und zeigt, dass ein auf die Zielgruppe zugeschnittenes Lichtkonzept zu einem gesteigerten Verkauf führen kann. Wir haben festgestellt, dass Entscheidungen unbewusst fallen: Wenn ich mich wohl fühle und – auch unterbewusst – keinen Stress erlebe, dann verweile ich länger und bin eher in Stimmung, etwas zu kaufen, als wenn mich meine Umgebung negativ beeinflusst – mich stresst.

www.zumtobel.com
Sieben emotionale Typen

Eine große Studie hat die emotionalen Reaktionen der Kundschaft auf verschiedene Lichtinszenierungen im Retailbereich untersucht. Katharina Sommer fasst die Ergebnisse und deren Auswirkungen auf die Lichtgestaltung im Laden zusammen.

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Das Licht folgt dem Menschen

Interaktive Technologien machen es möglich: Das Licht im Laden reagiert auf die Anwesenheit des Kunden. Wie das in einem Issey-Miyake-Shop in Antwerpen umgesetzt wurde, darüber hat Jasmin Jouhar mit dem niederländischen Lichtspezialisten Luuk van Laake gesprochen.

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Minimalistische Eleganz

Reduziertes Design und flexible Anwendungsmöglichkeiten: Die zweite Generation des Supersystems von Zumtobel basiert auf kombinierbaren, aufeinander abgestimmten Modulen, die eine riesige Palette von Lichtinszenierungen möglich machen.

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Zwei Showrooms von acdc

In zwei Läden in Schottland und den Vereinigten Staaten haben die Lichtplaner von acdc die weitreichenden Anwendungsmöglichkeiten der Produktpalette von Zumtobel demonstriert: Vom glänzenden Porsche bis zum leuchtenden Whiskey.

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