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Wenn aus Dachziegeln ein Barhocker wird
von Leyla Basaran | 22. Januar 2014
Die chaotisch wirkenden Hochschulstände auf der imm cologne machen deutlich: "Hier wird gearbeitet und experimentiert!". Foto © hfg Offenbach
Überwältigt von der Fülle neuer, aber doch wenig experimenteller Möbel und Wohnideen verschiedenster Hersteller auf der imm Cologne gelangen wir in Halle 1 zur Jungdesigner-Plattform „Pure One“, wo die Nominierten und Gewinner des [D³] Contests sowie die Hochschulen ihre Projekte zeigen und damit einen Hinweis geben, wohin sich das Design in Zukunft entwickeln könnte.
Gespannt auf das Experimentelle, Ungewöhnliche und erfrischend Neue, ist man auf den ersten Blick enttäuscht: Das Auge findet keine Ruhe, denn die Stände wirken wie eine Lagerhalle, wie Arbeitsplätze, die während des Schaffensprozesses verlassen wurden, chaotisch und unaufgeräumt. Auf den zweiten Blick wird deutlich, das hat Konzept: „Hier wird gearbeitet, hier passiert was!“.
Der Eindruck von Unvollständigkeit und Interaktion ist durchaus gewollt. Denn hier zählt nicht nur das finale Produkt. Den Nachwuchsgestaltern ist es wichtig, dem Besucher den ganzen Kreativprozess darzustellen und zu visualisieren.

Inmitten dieser Ansammlung von experimentierfreudigen Projekten der Hochschulen gibt sich der [D³] Contest-Bereich abgeschlossen, ordentlich und aufgeräumt. Vormodelle, Skizzen oder Prozesse sucht man hier vergebens. Der jährlich veranstaltete Jungdesignerwettbewerb, der vom Rat für Formgebung kuratiert wird, hat in diesem Jahr 20 nominierte Arbeiten von Design-Studenten und Jung-Designer aus aller Welt hervorgebracht, drei davon wurden prämiert.

Ordnung beim [D³] Contest

Den ersten Preis holte Christoph Goechnahts mit seiner Keilhakenleiste „Ordnungshalber“. Goechnahts erklärt, dass er die Hakenleiste von den Shakern, den Anhängern einer christlichen Freikirche in den USA, neu interpretiert habe. Die „Zitterer“ machten zahlreiche Erfindungen wie die Wäscheklammer oder Kreissäge, immer mit der Grundregel, dass Gebrauchsgegenstände nicht mit einer überflüssigen Ornamentik von Arbeit und Andacht ablenken. Ähnlich minimalistisch zeigt sich auch Goechnahts Leiste und verläuft wie ihr Vorbild raumumlaufend und bildet somit einen Horizont im Raum. Freiheit in der Benutzung bieten, aber andererseits dazu anregen, sich auf das Wesentliche zurückzubesinnen. Eine subtile Kritik an der Überflussgesellschaft unserer heutigen Zeit?

Ordnung ist auch beim zweitplatzierten Projekt „reverso“ von Yann Mathys das zentrale Thema. Sein interaktives Trennwandsystem teilt nicht nur ein Raum in zwei Einheiten, sondern versteckt auch das, was nicht gesehen werden soll. Der Vorhang aus Tyvek-Schuppen lässt sich in seiner Struktur und damit in seiner Transluzenz verändern, indem man mit der Hand darüber fährt. Es ist das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit dem Thema „Papier“. Ein Schönheitsfehler ist jedoch das gewählte Material Tyvek: es mutet zwar wie Papier an, ist aber ein Kunststoff. Ein Raumteiler, der keiner besonderen Belastung ausgesetzt ist, wäre auch mit Papier machbar gewesen und darüber hinaus, beispielsweisedurch eine Materialwahl von recyceltem Papier mit stabiler Kraftliner-Beschichtung, auch noch nachhaltig.

Gewinner setzen auf Interaktion

Weder die Shaker, noch Gedanken zur Raumaufteilung haben Lena Schlumbohm zu ihrer Schreibtischleuchte „Jella“ inspiriert, mit der sie den 3. Platz des [D³] Contests belegt hat. „Jella“ und die zwei weiteren Auszeichnungen verbindet jedoch die Möglichkeit, dass der Benutzer mit den Objekten interagieren kann. So besteht die Leuchte nicht aus einem einzigen starren Teil, sondern aus einem stählernen Standfuß und einem beweglichen Leuchtarm. Da Leuchtarm und Fuß magnetisch sind, lassen sich verschiedenste Arbeitsplatzsituationen je nach Belieben beleuchten.
Die Option, seine Möbel den individuellen und sich ständig ändernden Wohnsituationen anzupassen, spielt offensichtlich für viele der jungen Designer eine große Rolle, da sie wohl oftmals durch geringen Wohnraum und häufige Umzüge auf mobile und leichte Möbel angewiesen sind.

Doch auch die Nominierten des [D³] Contests haben erstaunliche Dinge und nicht minder zu beachtende Ideen vorzuweisen. Ruben Becker etwa stellte sich die Frage, wie leicht eine Holzkonstruktion sein darf, um noch zu funktionieren. Das Ergebnis ist der Tisch „kleinergleich5“, der es mit seinen 4,5 Kilogramm inklusive einer stabilisierenden Waffelstruktur unter der Platte dem Besitzer ermöglicht, ihn ohne Probleme alleine zu tragen und ihn in verschiedenen Räumen zu nutzen. Somit ist er nicht nur flexibel einsetzbar, sondern auch umweltfreundlich durch einen reduzierten Holzverbrauch dank Leichtbauweise.

Auch Tsuyoshi Hayashi achtet auf den naturschonenden Aspekte bei seinen Entwürfen: Seine „Kawara Bench“ besteht aus ausrangierten japanischen Dachziegeln, die er als Abfallprodukt kostenlos von den Fabriken erhält. Er fertigt für die Keramikziegel passende Holzgestelle, die Ziegel kommen oben drauf, fertig sind Bänke und Barstühle. Das Thema „Upcycling“ spielt für den jungen Japaner eine große Rolle: Warum neue Sitzauflagen herstellen, wenn die asiatische Dachverkleidung mit ihrer ergonomischen Form dafür brauchbar ist? Gewonnen hat er den [D³] Contest leider nicht, aber der japanischen Dachziegel neues Leben eingehaucht und uns mit seiner Wiederverwertungsidee beeindruckt hat er wohl.

In Fehlproduktionen liegen ungeahnte Möglichkeiten

Zurück zu den Hochschulen, wo das Motto „der Weg ist das Ziel“ zu Tage tritt. Am Stand der „Hochschule der bildenden Künste Saar“ brummt es: Ein aufwendiger 3D-Drucker schichtet weiche Porzellanmasse in Schnüren aufeinander. Das Ergebnis ist ein Sammelsurium kleiner, undefinierbarer Porzellanteile, die eine erstaunliche Formenvielfalt zeigen. Die Studenten aus Saar haben den 3D-Drucker eigens entwickelt, um nicht nur Kunststoffe, sondern auch Porzellan drucken zu können. Ausgereift ist die Maschine allerdings noch nicht und muss stetig weiterentwickelt werden, doch genau das reizt die Studenten. Die Gestaltungshilfsmittel wie Werkzeuge, Maschinen und Computerprogramme spielen für sie eine ebenso wichtige Rolle wie das Produkt. Die Fehldrucke ergeben ungewöhnliche Formen und Strukturen, die sie zu weiteren Herstellungsprozessen und Entwürfen inspirieren. Auch hier ein interessanter Ansatz also: Warum also misslungene Modelle verwerfen und nicht schauen, welche Möglichkeiten in ihnen schlummern?

Warum nicht Nudeln in 3D drucken?

Auch die Studenten der „Hochschule für Gestaltung Offenbach“ legen viel Wert auf den Produktionsprozess. Eines ihrer Beispiele ist allerdings wesentlich schmackhafter als Porzellan: Nudelteig. Kann Schönes auch schmecken? Diesen Fragen gingen die Designer nach und stellten bestimmte Anforderungen: Ihre Pasta musste schöner als die herkömmliche Teigware und einfach zu produzieren sein. Aber auch – und das war die große Herausforderung – auf einer Suppe schwimmen können. Denn schöne Suppeneinlagen braucht man nicht verstecken. So entstanden durch verschiedene Teig-Falttechniken Nudeln in Blütenformen, die wie Seerosen auf einer Suppe schwimmen und nicht auf den Grund des Tellers sinken. Auch bei den Offenbacher Nachwuchsgestaltern kam die Frage auf: „Warum nicht Nudeln in 3D drucken?“. Was so ungewöhnlich klingt, wird bald Realität, wie es sich im Gespräch herausstellt. Der italienische Lebensmittelkonzern „Barilla“ tüftelt aktuell zusammen mit dem niederländischen Institut „TNO“ an einem 3D- Nudel –Drucker. Anstelle auf den Pasta-Drucker zu warten, ziehen die Studenten jedoch händisch bedienbare Werkzeuge zur Teigbearbeitung vor. Das Ergebnis lässt sich sehen. Und schmecken. Eine kleine, vielleicht auf den ersten Blick triviale Erfindung, die aber einfach sympathisch und lebensnah ist.

Summa summarum: Mit der Rücksicht auf Ressourcen und Natur, dem Gespür für die Herausforderungen des Alltags, den Anspruch an eine ästhetisch zeitgemäße Formensprache und der Offenheit gegenüber neuer Herstellungstechniken zeigen die Nachwuchsdesigner, dass es nicht nur darum geht ein mondänes Möbelstück zu entwickeln, sondern Verantwortung für Mitmenschen und Umwelt zu übernehmen. Und das hat uns letztendlich in Halle 1 der imm cologne dann doch noch einmal überwältigt.


www.imm-cologne.de
www.german-design-council.de
www.hbksaar.de
www.hfg-offenbach.de


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Den ersten Preis des [D³] Contest holte Christoph Goechnahts mit seiner Keilhakenleiste „Ordnungshalber“, die einen Horizont im Raum bildet. Foto © Christoph Goechnahts
Das zweitplatzierten Projekt „reverso“ von Yann Mathys ist ein interaktives Trennwandsystem, dessen Schuppen-Struktur sich verändert, indem man mit der Hand darüber fährt. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Drittplatzierte des [D³] Contests ist Lena Schlumbohm mit ihrer Schreibtischleuchte „Jella“, die aus einem stählernen Standfuß und einem beweglichen Leuchtarm besteht. Fotos © Leyla Basaran & Martina Metzner, Stylepark
Ruben Becker’s Tisch „kleinergleich5“ wiegt dank Leichtbauweise in Waffelstruktur nur 4,5 Kilogramm. Fotos © Leyla Basaran & Martina Metzner, Stylepark
Tsuyoshi Hayashi‘s „Kawara Bench“ besteht aus einem tragenden Holzgestell und ausrangierten japanischen Dachziegeln, die als Abfallprodukte kostenlos von den Fabriken zu erhalten sind. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Studenten aus Saar haben einen 3D-Drucker entwickelt, der weiche Porzellanmasse in Schnüren aufeinander schichtet. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Die 3D-gedruckten Objekte ergeben ein Sammelsurium kleiner, undefinierbarer Porzellanteile, die zu weiteren Entwürfen inspirieren. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Die Studenten der „Hochschule für Gestaltung Offenbach“ entwarfen durch verschiedene Teig-Falttechniken Nudeln in Blütenformen, die wie Seerosen auf einer Suppe schwimmen können. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Den jungen Designern war es wichtig ihre Nudel-Entwürfe mit händisch bedienbaren Werkzeugen zu produzieren. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Links: Die Bauplatten von Rachel Griffins “Face Value table” bestehen aus unterschiedlichen Materialien wie Mamor, Corian und Sperrholz. Foto © Martina Metzner, Stylepark, Rechts: Tsuyoshi Hayashi haucht Dachziegeln aus Japan neues Leben ein. Foto © Tsuyoshi Hayashi
Links: Real oder nicht? Jin Il Parks “Drawing Chair” besteht aus Draht aber auf Bildern hat man den Eindruck man schaue auf Zeichnungen. Rechts: Bei Arnout Meijers „Thanks for the sun“ Leuchtenserie lässt sich die Farbtemperatur variieren. Foto © Leyla Basaran & Martina Metzner, Stylepark
Links: Geometrische Grundformen definieren Wonmin Parks „Haze Series“. Rechts: Auch Joa Herrenknechts „ISLA“ Teppich aus handgewebter Wolle besteht aus geometrischen Formen. Foto © Leyla Basaran, Stylepark
Designerin Stefanie Schisslers Liegebank „Kulle“ besteht aus grauen „Wollfilz-Knubbeln”, die ein Gefühl von Sicherheit und Entspannung vermitteln sollen. Foto © Martina Metzner, Stylepark
News & Stories › 2014 › Januar
Wenn aus Dachziegeln ein Barhocker wird
von Leyla Basaran | 22. Januar 2014
Ob Tische in Holzleichtbauweise, Nudeln in Blütenformen oder alte Ziegel als Bestandteil von Sitzmöbeln: Beim [D³] Contest und den Hochschulständen in Halle 1 der imm cologne setzten die Jungdesigner auf Flexibilität und Nachhaltigkeit. Neue 3D-Druckverfahren beflügeln den Herstellungsprozess.
Überwältigt von der Fülle neuer, aber doch wenig experimenteller Möbel und Wohnideen verschiedenster Hersteller auf der imm Cologne gelangen wir in Halle 1 zur Jungdesigner-Plattform „Pure One“, wo die Nominierten und Gewinner des [D³] Contests sowie die Hochschulen ihre Projekte zeigen und damit einen Hinweis geben, wohin sich das Design in Zukunft entwickeln könnte.
Gespannt auf das Experimentelle, Ungewöhnliche und erfrischend Neue, ist man auf den ersten Blick enttäuscht: Das Auge findet keine Ruhe, denn die Stände wirken wie eine Lagerhalle, wie Arbeitsplätze, die während des Schaffensprozesses verlassen wurden, chaotisch und unaufgeräumt. Auf den zweiten Blick wird deutlich, das hat Konzept: „Hier wird gearbeitet, hier passiert was!“.
Der Eindruck von Unvollständigkeit und Interaktion ist durchaus gewollt. Denn hier zählt nicht nur das finale Produkt. Den Nachwuchsgestaltern ist es wichtig, dem Besucher den ganzen Kreativprozess darzustellen und zu visualisieren.

Inmitten dieser Ansammlung von experimentierfreudigen Projekten der Hochschulen gibt sich der [D³] Contest-Bereich abgeschlossen, ordentlich und aufgeräumt. Vormodelle, Skizzen oder Prozesse sucht man hier vergebens. Der jährlich veranstaltete Jungdesignerwettbewerb, der vom Rat für Formgebung kuratiert wird, hat in diesem Jahr 20 nominierte Arbeiten von Design-Studenten und Jung-Designer aus aller Welt hervorgebracht, drei davon wurden prämiert.

Ordnung beim [D³] Contest

Den ersten Preis holte Christoph Goechnahts mit seiner Keilhakenleiste „Ordnungshalber“. Goechnahts erklärt, dass er die Hakenleiste von den Shakern, den Anhängern einer christlichen Freikirche in den USA, neu interpretiert habe. Die „Zitterer“ machten zahlreiche Erfindungen wie die Wäscheklammer oder Kreissäge, immer mit der Grundregel, dass Gebrauchsgegenstände nicht mit einer überflüssigen Ornamentik von Arbeit und Andacht ablenken. Ähnlich minimalistisch zeigt sich auch Goechnahts Leiste und verläuft wie ihr Vorbild raumumlaufend und bildet somit einen Horizont im Raum. Freiheit in der Benutzung bieten, aber andererseits dazu anregen, sich auf das Wesentliche zurückzubesinnen. Eine subtile Kritik an der Überflussgesellschaft unserer heutigen Zeit?

Ordnung ist auch beim zweitplatzierten Projekt „reverso“ von Yann Mathys das zentrale Thema. Sein interaktives Trennwandsystem teilt nicht nur ein Raum in zwei Einheiten, sondern versteckt auch das, was nicht gesehen werden soll. Der Vorhang aus Tyvek-Schuppen lässt sich in seiner Struktur und damit in seiner Transluzenz verändern, indem man mit der Hand darüber fährt. Es ist das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit dem Thema „Papier“. Ein Schönheitsfehler ist jedoch das gewählte Material Tyvek: es mutet zwar wie Papier an, ist aber ein Kunststoff. Ein Raumteiler, der keiner besonderen Belastung ausgesetzt ist, wäre auch mit Papier machbar gewesen und darüber hinaus, beispielsweisedurch eine Materialwahl von recyceltem Papier mit stabiler Kraftliner-Beschichtung, auch noch nachhaltig.

Gewinner setzen auf Interaktion

Weder die Shaker, noch Gedanken zur Raumaufteilung haben Lena Schlumbohm zu ihrer Schreibtischleuchte „Jella“ inspiriert, mit der sie den 3. Platz des [D³] Contests belegt hat. „Jella“ und die zwei weiteren Auszeichnungen verbindet jedoch die Möglichkeit, dass der Benutzer mit den Objekten interagieren kann. So besteht die Leuchte nicht aus einem einzigen starren Teil, sondern aus einem stählernen Standfuß und einem beweglichen Leuchtarm. Da Leuchtarm und Fuß magnetisch sind, lassen sich verschiedenste Arbeitsplatzsituationen je nach Belieben beleuchten.
Die Option, seine Möbel den individuellen und sich ständig ändernden Wohnsituationen anzupassen, spielt offensichtlich für viele der jungen Designer eine große Rolle, da sie wohl oftmals durch geringen Wohnraum und häufige Umzüge auf mobile und leichte Möbel angewiesen sind.

Doch auch die Nominierten des [D³] Contests haben erstaunliche Dinge und nicht minder zu beachtende Ideen vorzuweisen. Ruben Becker etwa stellte sich die Frage, wie leicht eine Holzkonstruktion sein darf, um noch zu funktionieren. Das Ergebnis ist der Tisch „kleinergleich5“, der es mit seinen 4,5 Kilogramm inklusive einer stabilisierenden Waffelstruktur unter der Platte dem Besitzer ermöglicht, ihn ohne Probleme alleine zu tragen und ihn in verschiedenen Räumen zu nutzen. Somit ist er nicht nur flexibel einsetzbar, sondern auch umweltfreundlich durch einen reduzierten Holzverbrauch dank Leichtbauweise.

Auch Tsuyoshi Hayashi achtet auf den naturschonenden Aspekte bei seinen Entwürfen: Seine „Kawara Bench“ besteht aus ausrangierten japanischen Dachziegeln, die er als Abfallprodukt kostenlos von den Fabriken erhält. Er fertigt für die Keramikziegel passende Holzgestelle, die Ziegel kommen oben drauf, fertig sind Bänke und Barstühle. Das Thema „Upcycling“ spielt für den jungen Japaner eine große Rolle: Warum neue Sitzauflagen herstellen, wenn die asiatische Dachverkleidung mit ihrer ergonomischen Form dafür brauchbar ist? Gewonnen hat er den [D³] Contest leider nicht, aber der japanischen Dachziegel neues Leben eingehaucht und uns mit seiner Wiederverwertungsidee beeindruckt hat er wohl.

In Fehlproduktionen liegen ungeahnte Möglichkeiten

Zurück zu den Hochschulen, wo das Motto „der Weg ist das Ziel“ zu Tage tritt. Am Stand der „Hochschule der bildenden Künste Saar“ brummt es: Ein aufwendiger 3D-Drucker schichtet weiche Porzellanmasse in Schnüren aufeinander. Das Ergebnis ist ein Sammelsurium kleiner, undefinierbarer Porzellanteile, die eine erstaunliche Formenvielfalt zeigen. Die Studenten aus Saar haben den 3D-Drucker eigens entwickelt, um nicht nur Kunststoffe, sondern auch Porzellan drucken zu können. Ausgereift ist die Maschine allerdings noch nicht und muss stetig weiterentwickelt werden, doch genau das reizt die Studenten. Die Gestaltungshilfsmittel wie Werkzeuge, Maschinen und Computerprogramme spielen für sie eine ebenso wichtige Rolle wie das Produkt. Die Fehldrucke ergeben ungewöhnliche Formen und Strukturen, die sie zu weiteren Herstellungsprozessen und Entwürfen inspirieren. Auch hier ein interessanter Ansatz also: Warum also misslungene Modelle verwerfen und nicht schauen, welche Möglichkeiten in ihnen schlummern?

Warum nicht Nudeln in 3D drucken?

Auch die Studenten der „Hochschule für Gestaltung Offenbach“ legen viel Wert auf den Produktionsprozess. Eines ihrer Beispiele ist allerdings wesentlich schmackhafter als Porzellan: Nudelteig. Kann Schönes auch schmecken? Diesen Fragen gingen die Designer nach und stellten bestimmte Anforderungen: Ihre Pasta musste schöner als die herkömmliche Teigware und einfach zu produzieren sein. Aber auch – und das war die große Herausforderung – auf einer Suppe schwimmen können. Denn schöne Suppeneinlagen braucht man nicht verstecken. So entstanden durch verschiedene Teig-Falttechniken Nudeln in Blütenformen, die wie Seerosen auf einer Suppe schwimmen und nicht auf den Grund des Tellers sinken. Auch bei den Offenbacher Nachwuchsgestaltern kam die Frage auf: „Warum nicht Nudeln in 3D drucken?“. Was so ungewöhnlich klingt, wird bald Realität, wie es sich im Gespräch herausstellt. Der italienische Lebensmittelkonzern „Barilla“ tüftelt aktuell zusammen mit dem niederländischen Institut „TNO“ an einem 3D- Nudel –Drucker. Anstelle auf den Pasta-Drucker zu warten, ziehen die Studenten jedoch händisch bedienbare Werkzeuge zur Teigbearbeitung vor. Das Ergebnis lässt sich sehen. Und schmecken. Eine kleine, vielleicht auf den ersten Blick triviale Erfindung, die aber einfach sympathisch und lebensnah ist.

Summa summarum: Mit der Rücksicht auf Ressourcen und Natur, dem Gespür für die Herausforderungen des Alltags, den Anspruch an eine ästhetisch zeitgemäße Formensprache und der Offenheit gegenüber neuer Herstellungstechniken zeigen die Nachwuchsdesigner, dass es nicht nur darum geht ein mondänes Möbelstück zu entwickeln, sondern Verantwortung für Mitmenschen und Umwelt zu übernehmen. Und das hat uns letztendlich in Halle 1 der imm cologne dann doch noch einmal überwältigt.


www.imm-cologne.de
www.german-design-council.de
www.hbksaar.de
www.hfg-offenbach.de


MEHR auf Stylepark:

Möbel mit Stimmungsschwankungen: Frisch und experimentell zeigten sich die Jungdesigner auf dem SaloneSatellite 2013.
(6. Mai 2013)

Hingucker mit Konzept: Die Featured Editions auf der imm cologne begeistern mit Facettenreichtum und Originalität.
(14. Januar 2014)