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Agustín Hernández, eigenes Büro und Wohnhaus, Mexico City
© Carsten Krohn

Ikone des Brutalismus

Sein Architekturbüro in Mexiko-Stadt konstruierte Agustín Hernández wie einen Baum. Erschlossen wird der Anfang der siebziger Jahre entstandene Bau über einen Steg.
von Carsten Krohn | 20.12.2018

Auf die Frage, was ihn zu diesem Bauwerk inspiriert habe, antwortet Agustín Hernández: „Die präkolumbische Architektur Mexikos“. Er spricht leise und strahlt Zufriedenheit aus. Der Weg durch das Gebäude ist dramatisch und der Zugang nicht ungefährlich, denn der Steg zum Eingang ist ohne Brüstung gebaut, und der steile Abhang liegt viele Meter tief. Das Eingangstor aus Metall schiebt sich wie bei einem Raumschiff in die Wand, und die Besucher gelangen über abgefederte Stufen hinauf in einen höhlenartigen Raum mit der gleichen Betonoberfläche wie am Außenbau. 

Überall stehen Modelle, die mehr an Skulpturen als an Häuser erinnern. Hernández erläutert an einem Modell die Architektur einer Militärakademie, dessen Anlage er wie die monumentalen Pyramidenstädte von Chichén Itzá, Monte Albán und Teotihuacán baute. Er zeigt, wie ein pyramidenförmiges Bauwerk den Endpunkt einer ein Kilometer langen Achse bildet. Die abstrakte Megaform ist archaisch und futuristisch zugleich. 

Agustín Hernández, eigenes Büro und Wohnhaus, Mexico City
© Carsten Krohn

Wir werden dann in den privaten Bereich im oberen Teil des Gebäudes geführt, ausgestattet mit Marcel-Breuer-Sesseln und Möbeln, die Hernández selbst entwarf. Hier ist der Teppich nicht nur am Boden sondern auch an der Wand verlegt, und es bietet sich ein Panoramaausblick über das stark durchgrünte Villenviertel. Der Weg führt schließlich durch eine Geheimtür im Schlafzimmer weiter nach oben in einen Raum, der als architektonischer Höhepunkt betrachtet werden kann, denn er öffnet sich nicht nur zu einer Dachterrasse, sondern auch unmittelbar zum Himmel. Der Bau ist im Zentrum mit einer zylindrischen Öffnung vertikal durchstoßen, so dass durch eine runde, als Tisch dienende Glasplatte die Wendeltreppe in der Eingangshalle zu sehen ist. Wie die Monumente der Maya tritt das Bauwerk in eine bewusste Relation zum Kosmos. „Architektur ist Kunst“, sagt Agustín Hernandez, und definiert sie als eine Organisation, die Organisches in Geometrie übertrage, um den Raum an „ein ideales und emotionales Leben anzupassen“. 

Agustín Hernández, eigenes Büro und Wohnhaus, Mexico City
© Carsten Krohn
Agustín Hernández, eigenes Büro und Wohnhaus, Mexico City
© Carsten Krohn
Agustín Hernández, eigenes Büro und Wohnhaus, Mexico City
© Carsten Krohn
Agustín Hernández, eigenes Büro und Wohnhaus, Mexico City
© Carsten Krohn
Agustín Hernández, eigenes Büro und Wohnhaus, Mexico City
© Carsten Krohn