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"Bonjour Tristesse" schrieb ein Sprayer an Álvaro Sizas Wohnhaus, das er im Rahmen der IBA 1984 in Kreuzberg errichtete. Unter diesem Namen wurde es berühmt.
"Bonjour Tristesse" schrieb ein Sprayer an Álvaro Sizas Wohnhaus, das er im Rahmen der IBA 1984 in Kreuzberg errichtete. Unter diesem Namen wurde es berühmt.
© Álvaro Siza Archive, Porto
"Bonjour Tristesse" schrieb ein Sprayer an Álvaro Sizas Wohnhaus, das er im Rahmen der IBA 1984 in Kreuzberg errichtete. Unter diesem Namen wurde es berühmt.

Familienporträt

Die Ausstellung, die die Tchoban Foundation in Berlin Álvaro Siza widmet, ist viel mehr, als eine reine Werkschau.
20.02.2019

Die Berliner Tchoban Foundation – Museum für Architekturzeichnung zeigt die Zeichnungen eines der großen Architekten der Moderne. In Zusammenarbeit mit dem benachbarten Aedes Architekturforum präsentiert man in den Museumsräumen eine breite Übersicht über das zeichnerische Schaffen des Pritzkerpreisträgers von 1992, Álvaro Siza.

Sizas Architektur trug nie unbedingten Funktionalismus als Glaubenssatz vor sich her, sondern bekannte sich immer zu ihren lokalen Bezugspunkten – und zu ihrem raumkünstlerischen Ansatz. Kaum einem modernen Architekten ist es so wie ihm gelungen, Innen- und Außenräume zu erfinden, die in diesem Maße durch ihre Wohnlichkeit bestechen, durch die Geborgenheit, die sie zu vermitteln vermögen. 

Immer fühlte sich Siza der Moderne als sozialem Projekt verpflichtet. Einige seiner berühmtesten Bauten verwirklichte er im Sozialwohnungsbau – den berühmten Reihenhauskomplex Bouça in Porto (1973-1977) etwa, der hofartige Räume zwischen den Häusern entstehen lässt. Oder seine Siedlung Schilderswijk-West (1983-1993) in Den Haag, für die er sich intensiv mit der niederländischen Wohnbautradition auseinandersetzte. Nicht zuletzt sein gekurvter Wohnbau in Kreuzberg vis-á-vis der Oberbaumbrücke, den er im Rahmen der IBA 1984 errichtete – ein Verweis auf die Bauten Poelzigs und Mendelsohns. 

Siza zählt zu den Architekten, die ihre Entwürfe stets mit dem Mittel der Handzeichnung entwickeln. Deshalb ist die Ausstellung der Tchoban Foundation, die aus dem Archiv des Architekten und seiner Familie schöpfen darf, ein sehr intimer Blick in die Werkgenese des Meisters. Persönlich ist die Schau aber noch aus einem weiteren Grund. Zeigt sie doch auch die freien Zeichnungen Sizas und ebenso solche seiner jung verstorbenen Frau Maria Antónia, seines Sohnes und seines Enkels. (fap)

Siza – Ungesehenes & Unbekanntes
Tchoban Foundation. Museum für Architekturzeichnung
Christinenstraße 18a
10119 Berlin
20. Februar bis 26. Mai 2019

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 14 bis 19 Uhr
Samstag und Sonntag: 13 bis 17 Uhr