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Mit dem 2025 gewonnenen Wettbewerb für Modellhaltestellen in Dortmund zeigen Gruber + Popp Architekt:innen BDA, wie sich das für Verkehrsbauten ungewohnte Material Holz modular einsetzen lässt.

An der Schnittstelle

Die Architektur Galerie Berlin zeigt vom 16. Januar bis zum 21. Februar 2026 die Schau "Next Stop": Gruber + Popp Architekt:innen BDA präsentieren ihre Ideen für Verkehrsbauten, die zur Verbesserung der Infrastruktur in Deutschland beitragen könnten. Was dafür essentiell ist, sagt uns Bernhard Popp im Interview.
14.01.2026

Wie kann die Infrastruktur in Deutschland verbessert werden, um zur Mobilitätswende beizutragen? Wie lassen sich differenzierte Bedürfnisse der NutzerInnen an diese besser berücksichtigen? Gruber + Popp Architekt:innen BDA haben sich auf Bildungs- und Verkehrsbauten spezialisiert und stellen im Rahmen einer Schau in der Architektur Galerie Berlin sechs Projekte vor, die dem Gemeinwohl und der Klimaresilienz dienen. Bernhard Popp gibt uns vorab einen Einblick in das Thema und ihre Arbeit.

Anna Moldenhauer: Was ist essenziell, um eine Infrastruktur zu bieten, die gemeinwohlorientiert und klimaresilient ist?

Bernhard Popp: Essenziell für das Gelingen der Mobilitätswende ist eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. 22 Prozent der Treibhausgasemissionen werden vom Autoverkehr verursacht. Der Umstieg auf Bahn und Bus wird einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung von Klimazielen und Lebensqualität leisten. Verkehrsbauten müssen als liebevolle Orte gestaltet werden. Dabei muss sich die Planung an den Bedarfen und Bedürfnissen der Fahrgäste orientieren. Diese vergleichsweise kleine räumliche Schnittstelle zwischen Menschen und Beförderungsmitteln darf im Gesamtbauwerk U-Bahn nicht nur als technische Infrastruktur verstanden werden. Über gut gestaltete Räume können wir eine positive Einstellung gegenüber den Verkehrsbetrieben erreichen. Dann werden diese Angebote gern genutzt. Bei gut gestalteten und gepflegten Orten und Fahrzeugen erleben wir weniger Zerstörung oder Verunreinigung. Das führt zu weniger Ausfällen und in der Konsequenz dazu, dass Bus und Bahn pünktlicher fahren können.

Warum sind Bauten des öffentlichen Nahverkehrs gegenwärtig oft Unorte, an denen man sich nicht gerne aufhält?

Bernhard Popp: Ein Grund dafür ist, dass meist Sicherheit und Fahrbetrieb im Vordergrund stehen, nicht aber die Aufenthaltsqualität der Fahrgäste. Sicher liegt es auch an der Größe der Aufgabe. Immer wenn Druck und Tempo groß sind, stehen im Pflichtenheft vor allem Funktionalität, Bauzeit und technische Qualität. Gestaltung hält da nur auf. Die Verkehrsbetriebe sollten die Erfüllung der Aufgabe nicht als Ingenieursleistung verstehen, sondern viel häufiger ArchitektInnen engagieren, um Stationen mit Wohlfühlqualität zu entwickeln.

Warum ist Holz als Material für Verkehrsbauten ein Baustein der Mobilitätswende?

Bernhard Popp: Baustoffe wie Beton und Stahl, die bisher üblicherweise zum Einsatz kommen, werden vielfach als hart und ungastlich wahrgenommen. Holz hingegen wird als warmes, natürliches und lebendiges Baumaterial empfunden. Die Wahl robuster Baustoffe liegt zunächst nahe, denn bei Infrastrukturbauten schulden wir eine hohe Lebensdauer. Deswegen ist Holz für das Tragwerk, wie bei unserem Entwurf für die Stadtbahnstationen in Dortmund, vielleicht eine überraschende Wahl. Die Dauerhaftigkeit von Holz wird jedoch unterschätzt, wie viele hundert Jahre alten Stationen der ersten S-Bahnen zeigen, die heute noch stehen und gut funktionieren. Ich empfehle mehr Mut. Wir dürfen uns wieder mehr trauen und dem Material Holz mehr zutrauen.

Wie ermöglichen Sie der Zielgruppe eine Beteiligung an der späteren Gestaltung?

Bernhard Popp: Eine Möglichkeit der direkten Beteiligung ist die Abstimmung durch die Bürger. Bei dem Busterminal Martinsried gab es ein Online-Voting. Die BewohnerInnen von Planegg haben abgestimmt, dass unser Entwurf realisiert werden soll. Diese Form der Transparenz und Einflussnahme finde ich eine gute Sache bei Infrastrukturprojekten, die Orte und Zusammenleben für viele Jahrzehnte prägen. Bei unserem Entwurf für ein neues Wartehallenkonzept der BVG in Berlin haben wir ein vierstufiges Workshopverfahren durchgeführt, bei dem zahlreiche Stimmen und Expertisen gehört wurden. Besonders interessant ist, welch umfangreiches Wissen über Wünsche und Bedürfnisse der NutzerInnen vorhanden ist. Alle Verkehrsbetriebe verfügen über Fahrgastbefragungen und tägliches Feedback von ihren KundInnen. Das ist von unschätzbarem Wert. Dieses Wissen sollte immer Bestandteil des Pflichtenhefts und der Aufgabenstellung sein.

NEXT STOP – Architekturen für die Mobilitätswende
Ausstellung von Gruber + Popp Architekt:innen BDA in der Architektur Galerie Berlin

Eröffnung: 15. Januar 2026, 19 Uhr
Begrüßung: Ulrich Müller Architektur Galerie Berlin
Einführung: Prof. Jan R. Krause Hochschule Bochum

Gespräch: 19. Februar 2026, 19 Uhr

Steffen Fiedler Berliner Verkehrsbetriebe BVG
Dr. Carolin Genz TU Wien
Doris Gruber Gruber + Popp Architekt:innen BDA
Christian Scheler Studio 1komma2
Daniel Schröder MCube – Münchner Cluster für die Zukunft der Mobilität in Metropolregionen
Moderation: Sally Below sbca

Ausstellung: 16. Januar bis 21. Februar 2026

Di-Fr 14 – 19 Uhr
Sa 12 – 18
Architektur Galerie Berlin
Karl-Marx-Allee 96
10243 Berlin

Eintritt frei