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Damit es an nichts mangele
von Paul Jochen | 13.05.2010

Die Bautafel verkündet einen „architektonisch aufwändigen Design-Neubau". Vor der Einfahrt zur Tiefgarage parken eine schwarze Geländelimousine und ein silberner Sportwagen. Dabei ist das traditionsreiche Auer Mühlbachviertel in München laut Einladung zur Vorbesichtigung des Projekts in der Lilienstraße 10 „kein Münchner Luxus-Ghetto, sondern ein lebendiges und familienfreundliches Viertel."

Bereits vor vier Jahren entwickelte die Immobilien- und Investmentfirma Bauwerk Capital in der dicht besiedelten ehemaligen Kleine-Leute-Vorstadt die „Isarlofts", den letzten verbliebenen Gewerbehof. Nun errichtete in der Lilienstraße 10, 12 und 14 das Münchner Büro a+p Architekten ein Wohngebäude, das auf sieben Etagen insgesamt zehn Wohneinheiten zwischen 164 und 327 Quadratmetern Wohnfläche anbietet. Die Quadratmeterpreise bewegen sich zwischen 5.800 und 7.600 Euro. Zur Lilienstraße gibt sich die Fassade des Neubaus aus Fiber-C Faserzement - das Sockelgeschoss und die Dachlandschaft sind mit vorpatinierten Kupferplatten verkleidet - ebenso zurückhaltend wie selbstbewusst und wahrt unaufgeregt die Balance zwischen einem Sich-Einfügen in die Umgebung und dem Setzen eigener Akzente. Zur Hofseite springt der U-förmige Baukörper geschossweise zurück und schafft großzügige Dachterrassen.

Die „zur Probe" bewohnbare Fünf-Zimmer-Mustereinheit wurde von den Neuen Werkstätten und axelmeiselicht ausgestattet und vermittelt den Komfort und das Gefühl, man befinde sich in einer Fünf-Sterne-Superior-Hotelsuite: geöltes Eichenstab-Massivparkett, Fußbodenheizung, mit fränkischem Jura verkleidete Bäder, bodengleiche und rahmenlos verglaste Duschen, anatomisch geformte Badewanne und Regenbrause. An nichts, was gut und teuer ist, herrscht Mangel.

Der L-förmig geschnittene Hauptraum verbreitet die gediegene Eleganz einer Lounge. Möbliert ist er unter anderem mit Stühlen von Alias - „Taormina" von Alfredo Häberli -, einem Tisch - „Ferro" von Piero Lissoni -, und Sideboards von Porro - „Modern" von Piero Lissoni. Die Sofas - „Groundpiece" von Antonio Citterio - stammen von Flexform, die Teppiche von Ruckstuhl und die Leuchten - „Big Bang" von Enrico Franzolini und Vicente Garcia Jiménez und „Twiggy" von Marc Sadler - von Foscarini. Eine Kommode von Röthlisberger rundet das Ensemble ab. Die maßgeschneidert, ganz in Weiß gehaltene Einbauküche kommt von dem Kücheneinrichter Ludwig Sechs und ist deren „Hausmarke", die Einbaugeräte lieferte Siemens. Die komplette Küche ist im Kaufpreis inbegriffen. Ein Potpourri namhafter Marken.

So Isar- und Zentrumsnah die Lage auch ist, bleibt dennoch die Frage, an welche Zielgruppe sich „L10" eigentlich wendet: Die Nähe zum Deutschen Museum, Müller'schem Volksbad und Programmkino spricht in erster Linie gut situierte Familien mit bildungsbürgerlichem Hintergrund an. Bauwerk Capital selbst spricht davon, mit dem Projekt „ein Wohnhaus nur für Unternehmer beziehungsweise Freiberufler und Führungskräfte mit Familie" zu entwickeln. Eine Alternative dazu wäre die Supermodel-Wohngemeinschaft: Die Wohnung beinhaltet drei Badezimmer, der Master-Bedroom verfügt bereits über eine Ankleide, eine weitere ließe sich problemlos in der Speisekammer einrichten. Und für Partys ist der offene Wohn- und Essbereich samt acht Quadratmetern Balkon überaus prädestiniert. Design veredelt, so viel steht fest.

Wohnbereich, Foto: Sorin Morar
Essbereich, Foto: Sorin Morar
Foto: Sorin Morar
Küche, Foto: Sorin Morar
Lilienstraße 10 in München, © a+p architekten h.dickhoff, a.kellner, b.krämer
Wohnbereich, Foto: Sorin Morar
Schlafzimmer, Foto: Sorin Morar
Schlafzimmer, Foto: Sorin Morar
Bad, Foto: Sorin Morar

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