Macht und Ohnmacht
Anna Moldenhauer: Ihre Skulpturen zeigen unter anderem überdimensionierte Objekte aus unserem Alltag, die uns zwar vertraut sind, aber durch die neue Dimension und Platzierung ungewohnt viel Raum einnehmen. Was reizt Sie an diesem Perspektivwechsel?
Frank Brechter: Durch Vergrößerung oder das Aufhängen von Objekten an der Wand hebe ich die ausgewählten Gegenstände auf eine andere Ebene: Alltägliche Dinge werden zu Symbolen. Gerade die Vergrößerung hilft dabei, die Aufmerksamkeit auf bestimmte Details zu lenken. Wenn ich hingegen mit Verkleinerungen arbeite, geht es darum, Strukturen oder Systematiken sichtbar zu machen. Durch die kleinere Darstellung entsteht eine Art Draufsicht auf etwas eigentlich Großes. Die Arbeit mit den unterschiedlichen Größenverhältnissen hängt vermutlich auch mit meinem Werdegang zusammen – ich habe immer mit großen Flächen gearbeitet und war viele Jahre lang als freier Bühnenmaler, Bühnenplastiker und Kulissenbauer im Theater tätig. Außerdem nutze ich einige der Techniken, die ich am Theater gelernt habe, in meiner eigenen künstlerischen Arbeit.
Was interessiert Sie an den Objekten des Alltags?
Frank Brechter: Mir ist vor allem wichtig, dass die Betrachterinnen und Betrachter einen Zugang zu den Arbeiten finden. Deshalb arbeite ich gerne mit Objekten, die allgemein bekannt sind und im Alltag präsent. Nehmen wir zum Beispiel eine Scheibe Toast: Kaum jemand kann sich dazu nicht verhalten. Wenn ich diese plakativ vergrößert an die Wand hänge, entstehen sofort Assoziationen. Man fragt sich: Wo ist die Butter, wo der Käse? Entspricht der Bräunungsgrad den eigenen Vorlieben? Ich suche gezielt nach Motiven mit einer gewissen Nähe zur Popkultur, in denen sich möglichst viele Menschen wiederfinden können. In meiner Arbeit erzähle ich wenig über mich selbst. Natürlich steckt viel von mir darin, aber das möchte ich nicht offenlegen. Mir ist wichtiger, dass meine Kunst mit den Betrachtenden kommuniziert und etwas über deren Wahrnehmung und Erfahrungen erzählt. Dafür brauche ich Motive, zu denen man unmittelbar eine Beziehung aufbauen kann.
Sie arbeiten nicht mithilfe von Fotos oder Skizzen. Trotzdem sind die Objekte hyperrealistisch und unglaublich detailgenau. Sie wirken sehr authentisch. Haben Sie ein fotografisches Gedächtnis?
Frank Brechter: Nein, ein fotografisches Gedächtnis habe ich nicht. Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit ist die Recherche. Da ich mich mit konkreten Gegenständen beschäftige, kann ich sie direkt im Alltag studieren. Ich schaue mir beispielsweise einen Toast sehr genau an und versuche zu verstehen, nach welcher Systematik er aufgebaut ist und welche Details entscheidend sind. In diesem Fall wären das etwa die Struktur des Teigs oder die beim Backen entstehenden Luftblasen. Diese haben eine bestimmte Anordnung, und genau solche Merkmale sind wichtig. Sie prägen meinen Eindruck des Objekts und werden deshalb in die Arbeit übertragen. Andere Details müssen nicht exakt mit dem Original übereinstimmen, denn entscheidend sind die charakteristischen Elemente, die die Illusion erzeugen, es handele sich um den echten Gegenstand. Ich betrachte die Objekte also zunächst sehr genau, lege die Vorlagen dann aber weg. Ich arbeite weder mit einer Skizze noch mit einem Foto, sondern versuche, die Arbeit aus der Erinnerung heraus entstehen zu lassen. Würde ich direkt nach Fotografien arbeiten, wären die Werke zwar korrekt, aber ihnen würde etwas fehlen. Gerade kleine Ungenauigkeiten oder Fehler sind mir wichtig. Wenn man nah herangeht, erkennt man die Pinselstriche und den Entstehungsprozess. Aus größerer Entfernung hingegen entsteht die Illusion einer exakten Nachbildung. Dieses Spannungsverhältnis interessiert mich.
Das leuchtet ein – Perfektion allein bedeutet nicht unbedingt Lebendigkeit. Wenn man etwas eins zu eins kopiert, entsteht nur eine Reproduktion. Durch die kleinen Abweichungen wird daraus etwas Eigenständiges.
Frank Brechter: Ich warte eigentlich auf den Moment, in dem irgendein Algorithmus meine Arbeiten als KI-generiert einstuft. Das ist vermutlich eine Gefahr, mit der man künftig immer häufiger konfrontiert wird.
In der Vorbereitung habe ich gelesen, dass Sie ursprünglich Grafikdesign an der Lazi Akademie in Stuttgart studiert haben. Hat diese Ausbildung Ihren Blick für Präzision geprägt, oder sehen Sie da keinen direkten Zusammenhang?
Frank Brechter: Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das viel damit zu tun hat. Zwar habe ich Design studiert, aber nie als Designer gearbeitet. Während des Studiums habe ich schnell gemerkt, dass dies nicht der berufliche Weg ist, den ich einschlagen möchte. Gleichzeitig habe ich dort Fähigkeiten erworben, von denen ich heute profitiere. Als Künstler muss man oft auch Grafiker, Webdesigner, Texter und vieles mehr sein. Von diesen Fähigkeiten konnte ich einiges aus dem Studium mitnehmen.
In meiner Wahrnehmung wirken die von Ihnen gewählten Objekte, sei es eine Flasche, eine Zigarette, der Toast oder die Fliegenklatsche inklusive Fliege, wie ein Ausschnitt einer größeren Erzählung. Für die Betrachterin oder den Betrachter gibt es keine Schwelle. Sie können sich selbst überlegen, wie die Situation begonnen hat und wie sie weitergeht. Es bleibt viel Raum für Interpretation und Fantasie.
Frank Brechter: Die Ideen zu hören, ist auch für mich eine große Freude. Gerade weil ich selbst nur wenig erkläre, entstehen oft die interessantesten Reaktionen. Natürlich erwarten viele Besucherinnen und Besucher, dass der Künstler eine Deutung vorgibt. Ich halte mich damit jedoch zurück, denn die spannendsten Erzählungen entstehen häufig genau dann, wenn ich nichts erkläre. Ein gutes Beispiel ist die überdimensionale Tablettenpackung, die ich einmal gebaut habe. Mir war es wichtig, keine sofort erkennbare, ikonische Tablette darzustellen. Als die Arbeit in meinem Atelier hing und die ersten Gäste kamen, passierte etwas Interessantes: Viele von ihnen meinten sofort, ihr eigenes Medikament darin zu erkennen. Dabei erzählten sie oft nebenbei persönliche Geschichten über ihre Gesundheit oder ihren Alltag. Da wurde mir bewusst, dass die Arbeit auf eine Weise funktioniert, die ich selbst gar nicht erwartet hatte. Die BetrachterInnen projizieren ihre eigenen Erfahrungen hinein und lassen das Werk so zu etwas sehr Persönlichem werden.
Haben Sie diesen Effekt bei der Auswahl Ihrer Motive bewusst im Blick?
Frank Brechter: Vieles entsteht intuitiv. Zunächst einmal muss ein Motiv für mich selbst interessant sein. Natürlich spüre ich bei manchen Motiven das Potenzial, dass sie viele Menschen ansprechen, allerdings verbinde ich mit den Objekten auch eigene Erinnerungen. Ich greife zudem gerne Motive auf, die man im Grunde als klassische Bildthemen bezeichnen könnte, etwa Swimmingpools oder Zigaretten. Gerade das reizt mich. Ich interessiere mich dafür, wie man sie neu interpretieren kann oder ihnen durch die handwerkliche Umsetzung eine weitere Bedeutungsebene verleiht. Ein gutes Beispiel dafür ist die Zigarette, denn in jeder der bislang drei Arbeiten gibt es eine kleine Abweichung: Die Zigaretten werden kürzer. Sie ist für mich zu einem Symbol der Lebenszeit geworden. Die letzte Zigarette, die ich einmal schaffen werde, wird fast vollständig heruntergebrannt sein, bis kurz vor den Filter. Das ist meine persönliche Ebene innerhalb der Arbeiten. Generell versuche ich, mit meiner Arbeit ein übergeordnetes Gesamtbild zu schaffen. Die Auswahl der Motive folgt dabei einer inneren Logik, denn oft geht es nicht nur um einen einzelnen Wirsing oder eine Zitronenscheibe. Betrachtet man die Gesamtheit der Motive, möchte ich eine bestimmte Haltung oder Sichtweise vermitteln.
Dann wage ich einmal eine Interpretation: Was ich in Ihren Arbeiten wahrnehme, ist zum einen eine starke Präsenz von Fragilität und Vergänglichkeit. Lebensmittel können verderben, Tiere sind vergänglich, und selbst alltägliche Gegenstände tragen Spuren von Zeit und Veränderung in sich. Über die brennende Zigarette als Memento Mori haben wir bereits gesprochen. Gleichzeitig gibt es eine kritische Ebene, Fragen nach unserem Konsumverhalten und dem Umgang mit Lebewesen. Da ist etwa die Fliegenklatsche als Werkzeug, mit dem wir unerwünschte Insekten beseitigen. Oder die Arme des Oktopus, ein intelligentes Tier, das zugleich als Nahrungsmittel betrachtet wird. Zwischen diesen beiden Ebenen, der Vergänglichkeit und der kritischen Betrachtung, steht eine gewisse Komik. Ihre Arbeiten funktionieren nicht mit erhobenem Zeigefinger; sie vermitteln eine positive, vertraute Emotion. Die Schwelle über die dahinterliegenden Themen nachzudenken ist damit niedrig.
Frank Brechter: Das, was Sie beschrieben haben, trifft auf jeden Fall zu. Nehmen wir zum Beispiel die jüngste Arbeit, die die Hälfte eines Steaks zeigt. Die einen sagen: "Oh, lecker", die anderen sehen darin vielleicht Menschenfleisch. Ähnlich ist es bei meiner Arbeit "Besteck", bei der ich das Messer an die Gabel gelehnt habe. Für mich ist das eine romantische Arbeit, mit Essen hat sie nichts zu tun. Ich habe meinen Galeristen daher gebeten, dass diese Arbeiten nicht an einen Gastronomen verkauft werden.
Um zu verhindern, dass Ihre Arbeit in einem falschen Kontext der Tiefe beraubt als Dekoration wahrgenommen wird?
Frank Brechter: Genau. Mir ist es bewusst, dass meine Arbeiten durchaus dekorativ wirken können, aber das fände ich sehr schade.
Abgesehen vom künstlerischen Aspekt sind Ihre Arbeiten oft auch eine Art Übersetzung von Design. Das gilt etwa für das Besteck, den Tablettenblister, die Glasflaschen oder die Fliegenklatsche. Welche Rolle spielt die Gestaltung der Objekte für Sie?
Frank Brechter: Zerbrochene Glasflaschen sind zum Beispiel etwas sehr Alltägliches, gerade in Großstädten. Für mich sind sie ein Zeichen von Gewalt, schwierigen Umständen oder Ausnahmezuständen. Diese Assoziation funktioniert mit einer Bierflasche deutlich stärker als mit einer Colaflasche. Zerbrochene Colaflaschen sieht man selten auf der Straße, zerbrochene Alkoholflaschen dagegen sehr häufig. Deshalb fiel die Wahl auf dieses Motiv. Beim Tablettenblister war die Entscheidung hingegen eher ästhetischer Natur. Das habe ich in dem Moment gar nicht so bewusst getroffen. Das Besteck, das ich verwendet habe, stammt tatsächlich aus meinem eigenen Haushalt. Es entspricht einfach meinem persönlichen Geschmack: Es ist reduziert und geradlinig gestaltet. Oft spielen aber auch praktische Überlegungen eine Rolle. Die Frage ist immer: Wie lässt sich ein Objekt überhaupt umsetzen?
Sie arbeiten je nach Projekt in unterschiedlichen Räumen, mal in größeren Studios, mal in kleineren Werkstätten, je nach Material und Umfang. Was ist für Sie die grundlegende Überlegung bei der Materialwahl?
Frank Brechter: Das hängt immer vom Material und den darzustellenden Gegenständen ab. Das von mir gebaute Besteck besteht beispielsweise nicht aus Metall, sondern aus anderen Materialien wie Gips. Als handwerklich arbeitender Künstler muss ich auch berücksichtigen, welche Formen sich mit meinen Mitteln herstellen lassen. Ein Griff mit einer eher ovalen Grundform ist deutlich einfacher umzusetzen als ein flacher, stark geschwungener. Für andere Formen hätte ich möglicherweise andere Materialien oder Verfahren benötigt. Bei der Gabel etwa sind die Zinken gebogen. Dafür brauche ich ein biegsames Material, für das sich Aluminium anbietet. Die Schneide des Messers ist hingegen aus Holz gefertigt. Warum? Weil sich Holz gut formen lässt. Die Messerschneide hat bestimmte Ausbuchtungen und ich überlege dann, wie ich diese möglichst einfach und präzise herstellen kann. In diesem Fall nehme ich Holz und arbeite die Form heraus. Das sind zunächst praktische Überlegungen. Ich arbeite allein und lege großen Wert darauf, kein externes Handwerk zu beauftragen. Die Arbeiten sollen vollständig von mir stammen, das gehört zu meinem Anspruch als Künstler. Gleichzeitig bedeutet das natürlich auch, dass ich mit begrenzten Ressourcen arbeiten muss und meine Entscheidungen entsprechend ausrichte.
Können Sie ein Beispiel nennen für etwas, das Sie im Theater oder in Ihrem handwerklichen Werdegang gelernt haben und heute in Ihre künstlerische Praxis übertragen?
Frank Brechter: Zunächst einmal habe ich grundlegende handwerkliche Techniken und Materialien erlernt, also Holzverarbeitung und Metallbearbeitung. In diesem Zusammenhang konnte ich auch verschiedene Maltechniken kennenlernen, die ich heute noch nutze. Vieles habe ich tatsächlich durch das Experimentieren am Objekt gelernt. Eine Bühnenbildnerin fragte mich damals, ob ich auch plastisch arbeiten könne. Bis dahin hatte ich vorwiegend Holz- und Stahlkonstruktionen, also klassische Bühnenelemente, gebaut. Mit der Arbeit an dreidimensionalen Objekten aus Styropor hatte ich dagegen kaum Erfahrung. Es ging darum, einen fünf Meter hohen High Heel zu bauen. Ich sagte: "Selbstverständlich kann ich das." Ich bestellte einen riesigen Styroporblock, informierte mich über die Grundlagen und begann zu arbeiten. Das dreidimensionale Arbeiten hat mir großen Spaß gemacht, die Ergebnisse kamen gut an und führten zu neuen Aufträgen. Eines der Folgewerke waren beispielsweise Skulpturen für die Bundesgartenschau, auf die man sich setzen konnte. Wenn Arbeiten im Außenbereich präsentiert werden, merkt man schnell, wie stabil ein Objekt tatsächlich sein muss. Lange Zeit habe ich mich nicht als Künstler verstanden und stattdessen für Kreative gearbeitet, die entweder ihr Handwerk nicht selbst ausführen konnten oder große Projekte umgesetzt haben. Ich bin dankbar, dass mein Weg so verlaufen ist und nicht andersherum.
Gibt es einen Alltagsgegenstand, der Sie nicht interessiert?
Frank Brechter: Eigentlich nicht. Natürlich gibt es immer wieder Vorschläge von außen, was ich einmal bauen könnte. Weniger interessant finde ich Motive, die sehr offensichtlich auf sexuelle Anspielungen setzen. Das erscheint mir zu eindimensional. Ansonsten würde ich aber keinen Gegenstand kategorisch ausschließen.
"Auge links, Auge rechts" zeigt ein Fragment des menschlichen Körpers und gehört zu den wenigen Arbeiten aus Ihrem Œuvre, in denen der Mensch selbst sichtbar wird, nicht seine Gegenstände, Lebensmittel oder die Spuren des menschlichen Handelns. Warum ist der menschliche Körper bislang kein größeres Thema geworden?
Frank Brechter: Die Darstellung des Menschen beschäftigt mich sehr, gleichzeitig stellt sie eine besondere Herausforderung dar. Als Bildhauer würde ich sagen, dass der menschliche Körper die Königsdisziplin ist. Bei einem Wirsing oder einer Zigarette fallen kleine Ungenauigkeiten kaum auf. Beim Menschen erkennt man Fehler dagegen sofort. Deshalb taste ich mich Schritt für Schritt an dieses Thema heran. Ich experimentiere beispielsweise mit Hautstrukturen und verschiedenen Möglichkeiten ihrer Umsetzung. Da die Augen dabei eine zentrale Rolle spielen, habe ich mich zunächst auf sie konzentriert. Ich erstelle immer wieder kleinere Studien und Versuche auf dem Weg zu einer möglichen Darstellung des Menschen. Allerdings habe ich noch keine klare Vorstellung davon, in welcher Form das geschehen soll. Außerdem möchte ich nicht in Konkurrenz zu Künstlerinnen und Künstlern treten, die den menschlichen Körper bereits zu ihrem zentralen Thema gemacht haben. Mich interessiert vielmehr, wie ich diesen Themenbereich auf eine Weise bearbeiten kann, die zu meinem eigenen Gesamtwerk passt und ihm eine eigene Perspektive hinzufügt. Die Augen fand ich zudem sehr passend, da sie sich gut in die anderen Motive einfügen. Ich musste unter anderem an Konsum denken, an das Sprichwort von den "zu großen Augen", wenn man mehr möchte, als man eigentlich braucht.
Woran merken Sie, dass eine Arbeit abgeschlossen ist?
Frank Brechter: Für mich ist eine Arbeit abgeschlossen, wenn ihre innere Systematik stimmt und nichts mehr ergänzt werden muss. Dann wirkt sie vollständig.
Woran arbeiten Sie derzeit?
Frank Brechter: Derzeit beschäftige ich mich vor allem mit der Erstellung eines Katalogs. Ich möchte einen Überblick über mein bisheriges Werk zusammenstellen und arbeite mit Autorinnen und Autoren zusammen, um meinen Ausdruck in Worte zu fassen. Daneben entsteht gerade eine neue Werkgruppe: großformatige Polaroids, die als Skulpturen aus Gips gestaltet sind. Mich interessieren insbesondere missglückte Polaroid-Aufnahmen. Das Thema hat für mich auch einen persönlichen Bezug: Zwischen 1997 und 2011 habe ich sehr viel mit Polaroid fotografiert. In unserer heutigen Zeit, die stark von digitalen Bildern geprägt ist, fasziniert mich die Unmittelbarkeit des Polaroids erneut. Es bildet einen Moment direkt ab und macht ihn greifbar. Diese Qualität möchte ich in mein Werk integrieren. Parallel dazu interessiert mich die Verbindung von Gegenständlichkeit und Abstraktion. Das Polaroid selbst bleibt als klar erkennbares Objekt erhalten, während die Bildfläche durch chemische Fehler, Farbverläufe und Muster abstrakte Elemente enthält. Wenn bei einem Polaroid die Chemie "verläuft" oder die Entwicklung nicht vollständig gelingt, entstehen oft ganz charakteristische Farben und Strukturen. Zurzeit beschäftige ich mich damit, wie sich diese Effekte technisch auf Skulpturen übertragen lassen. Außerdem experimentiere ich mit fotografischen Verfahren wie der Cyanotypie und versuche, Motive auf die Bildflächen zu übertragen.
Wissen Sie schon, welche Motive in diesen Arbeiten zu sehen sein werden?
Frank Brechter: Ich denke, es werden vor allem Menschen zu sehen sein, die ich selbst einmal auf Polaroid fotografiert habe, häufig unterwegs oder auf Partys. Beim konkreten Motiv bin ich noch nicht festgelegt. Die Idee hatte ich tatsächlich schon lange im Kopf, wusste aber nicht, wie ich sie technisch umsetzen sollte. Beim Polaroid ist mir beispielsweise das geriffelte, rautenförmige Detail wichtig. Für mich wäre es undenkbar gewesen, einen glatten, weißen Rahmen zu verwenden. Erst dieses Jahr ist mir eine Methode eingefallen, um das zu realisieren. Außerdem habe ich das Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist.
Aktuelle Gruppenausstellung:
"URBS ANIMALIS"
Bis 15.11.2026
Künstlerverein Walkmühle Wiesbaden












