top
Dick Spierenburg im Atelier von Lucie Koldova, PK 2017, Stylepark
Dick Spierenburg im Studio der Designerin Lucie Koldova, die in diesem Jahr "Das Haus" auf der imm cologne entworfen hat.
© Koelnmesse
Dick Spierenburg im Studio der Designerin Lucie Koldova, die in diesem Jahr "Das Haus" auf der imm cologne entworfen hat.

imm cologne 2018
Über Messen muss man sprechen!

Unter der Federführung von Dick Spierenburg, dem Creative Director der imm cologne, hat sich die Messe in den letzten neun Jahren spürbar gewandelt. Fabian Peters hat mit dem Designer über innovative Konzepte, talentierte Jungdesigner und seinen Ausflug ins Kölner MAKK gesprochen.
11.01.2018

Die Begeisterung ist Dick Spierenburg, dem Creative Director der imm cologne, deutlich anzumerken, wenn er über das diesjährige "Haus" spricht. "Das Haus" ist ein Mock-up, ein maßstäbliches Gebäudemodell in den Hallen der Messe, das jedes Jahr von einem anderen Designer entworfen wird. 2018 ist es die junge Tschechin Lucie Koldova. Es ist eines der Erfolgsprojekte mit denen Dick Spierenburg die imm cologne seit Beginn seiner Tätigkeit im Jahr 2009 verändert hat. Der studierte Architekt und Designer konnte sich bei der Modernisierung der Traditionsmesse schon auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz stützen: Seit 1995 konzipiert und organisiert er Designveranstaltungen, zunächst in Amsterdam, ab 2006 auch in der Design Post in Köln. Neben seinen Messeprojekten entwickelt er mit Spierenburg Studio Architekturprojekte sowie Ausstellungs- und Präsentationsräume für Museen wie dem Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) und Marken wie Thonet und Linak.

Fabian Peters: Erzählen Sie doch ein wenig über die Anfänge Ihrer Zusammenarbeit mit der Koelnmesse. Wie hat sich und wie haben Sie die imm cologne seitdem verändert?

Dick Spierenburg: Das gemeinsame Ziel war, als ich 2009 anfing, für die Koelnmesse zu arbeiten, die imm cologne von einer reinen Möbelmesse hin zu einer Einrichtungsmesse zu transformieren. Wir wollten alle Themen, die mit Einrichtung und Design zu tun haben, vereinigen. Wir haben stufenweise, aber konsequent jedes Jahr daran gearbeitet, um die Messe zu einem Erlebnis für die Besucher zu machen. Und Erlebnisse schafft man natürlich über die Inhalte.

Eine Weile haftete der imm cologne ja der Ruf an, modernem Design wenig aufgeschlossen zu sein. Das hat sich mittlerweile stark verändert. Wie ist es gelungen, diesen Turnaround zu bewerkstelligen?

Dick Spierenburg: Wir haben das unter anderem durch die Erfindung neuer Einstiegsformate geschafft. Am Anfang stand das "Pure Village", eine Landschaft von Designständen – kompakt, aber gutaussehend. Mit diesem Konzept haben wir es sowohl jungen Marken ermöglicht, an der Messe teilzunehmen, als auch solchen Marken, deren Sortiment nicht zum alten Konzept der imm cologne passte. Außerdem habe ich Schritt für Schritt die Hallenpläne verändert. Nichts ist langweiliger als so ein reines "Manhattan-Raster" aus "Blocks" und "Straßen". Ausprobiert haben wir das beim neuen designorientierten Teil der Messe, den wir "Pure Editions" genannt haben. Zunächst war das nur die Halle 3, später dann kam die Halle 2 hinzu.

Der "Pure"-Bereich ist über die vergangenen Jahre stetig gewachsen. Dieses Jahr kommt nun auch noch das neue Format "Pure Architects" hinzu.

Dick Spierenburg: Ja, das stimmt. Nach dem "Pure Village" entwickelten wir als nächstes die "Pure Editions", wo kreative und innovative Marken sich in einer ganz neuen, viel offeneren Standstruktur präsentieren. Gemeinsam mit Stylepark haben wir zudem die "Featured Editions" organisiert und die Aussteller angeregt, sich mit Installationen für diese Sonderausstellung innerhalb der Messe zu bewerben. Diese Installationen haben wir dann auf Podesten zwischen den Ständen gezeigt.
Und in diesem Jahr kommt nun "Pure Architects" dazu – eine ganze Halle, wo wir Themen aufgreifen, die dem eigentlichen Einrichten, also dem Aufstellen des Mobiliars, vorangehen: Bad, Boden, Wand, technisches Licht. Auch ein Smart Home werden wir dort aufbauen.

"Das Haus", imm cologne 2018, Lucie Koldova, Stylepark
"Das Haus" im Rohbau: Noch bauen die Handwerker an Lucie Koldovas Entwurf, ab 15. Januar 2018 können ihn die Besucher auf der imm cologne erkunden.
© Koelnmesse
"Das Haus" im Rohbau: Noch bauen die Handwerker an Lucie Koldovas Entwurf, ab 15. Januar 2018 können ihn die Besucher auf der imm cologne erkunden.

Als Creative Director bestimmen sie ganz wesentlich den Eindruck, den der Besucher in den Hallen der Messe bekommt. Welche Ziele verfolgen Sie dabei?

Dick Spierenburg: Für mich war schon immer wichtig, dass über Messen geredet werden kann. Zwei Dinge sind dabei entscheidend: Erstens braucht man Aussteller, die wirklich etwas Neues bringen, die wirklich Ideen entwickeln. Dafür ist aber eine gewisse Variabilität des Ausstellungskonzeptes zwingend erforderlich, um nicht nur 1.000 Quadratmeter-Stände anbieten zu können, sondern auch offene Stände von 200 Quadratmeter oder selbst Plattformen von 20 Quadratmetern. Zweitens muss die Messe auch Ausblicke auf die Zukunft des Einrichtens, Wohnens und Lebens bieten. Deswegen habe ich von Beginn an darauf hingearbeitet, dass die imm cologne auch eigene Themen setzt und neue Perspektiven eröffnet. Etwa mit den "Featured Editions", mit dem neuen "Smart Home" und natürlich mit dem "Haus".

Jedes Jahr darf ein anderer Designer das Format "Das Haus" auf der imm cologne gestalten. Nach welchen Kriterien suchen Sie den jeweiligen Designer aus?

Dick Spierenburg: In "Das Haus" möchten wir eine komplette und inspirierende Einrichtung zeigen. Wir haben seit der Premiere 2012 immer nach Designern gesucht, die beim breiten Publikum noch mehr oder weniger unbekannt sind. Denn sie sind unseres Erachtens genau diejenigen, die noch viele Ideen haben und damit überraschen können. Jedes Jahr nehmen wir uns einige Wochen Zeit dafür, um intensiv nach möglichen Kandidaten zu suchen.
In den letzten Jahren ging es noch einmal verstärkt darum, einzelne Themen voranzubringen. Das hat mit Sebastian Herkner angefangen, der sich bei seinem Haus intensiv mit dem Thema "Textilien" auseinandergesetzt hat. Und in diesem Jahr gestaltet mit Lucie Koldova eine Designerin "Das Haus", die eine wirkliche Spezialistin für das Thema "Licht" ist.

Zur imm cologne 2018 haben Sie zusätzlich noch eine "kleine Nebenaufgabe" übernommen und im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) die Lounge und den Bistrobereich für die Ausstellung "Stylepark Selected imm cologne 2018" gestaltet? Wie sind sie dabei vorgegangen?

Dick Spierenburg: Zunächst einmal: Meines Erachtens ist es sehr wichtig, dass während der Messe auch in der Stadt viel los ist. Schließlich wollen die Besucher auch gern außerhalb der Messehallen etwas von der Stadt erleben, ausgehen, andere Menschen treffen – und all das in einer schönen Umgebung. Mit Stylepark Selected at MAKK entsteht nun ein angenehmer Ort, der spannende Inhalte präsentiert, wo man über etwas Interessantes reden kann, wo man aber auch etwas essen und trinken kann und der perfekt ist für Abendveranstaltungen.
Deshalb habe ich zum einen eine Zone für relaxte Treffen bei einem Drink geschaffen – eine Komfortlandschaft mit Sesseln und Sofas. Und zum anderen einen Bereich für das Essen am Tisch und auch im Stehen. Denn im Sitzen tauscht man sich anders aus als im Stehen. Also Stehen, Sitzen und Relaxen, das sind immer die Bereiche, die ich für eine Lounge als wichtig erachte.

imm cologne 2018

Messegelände Köln

15. bis 21 Januar 2018

Öffnungszeiten:

Dienstag, 15.01. bis Samstag, 20.01.  
09:00 bis 18:00 Uhr
Sonntag, 21.01. 
09:00 bis 17:00 Uhr

Fachbesuchertage Montag bis Donnerstag, Publikumstage Freitag bis Sonntag 


Stylepark Selected imm 2018 at MAKK

Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK)
An der Rechtschule
50667 Köln

15. bis 21. Januar 2018

Öffnungszeiten:

Montag, 15.01.  
10:00 – 17:00 Uhr 
Dienstag, 16.01. bis Samstag, 20.01.
10:00 – 22:00 Uhr 
Sonntag, 21.01.
10:00 – 18:00 Uhr