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Bodo Sperlein und Mark Hüsges
Bodo Sperlein und Mark Hüsges
© Jasmin Schuller
Bodo Sperlein und Mark Hüsges

Stylepark x Loewe
Freude an der Technologie

Mark Hüsges, geschäftsführender Gesellschafter des Fernseh- und Lautsprecherherstellers Loewe und der Designer Bodo Sperlein im Gespräch über vernetztes Home-Entertainment und Fernseher als Einrichtungsgegenstände.
von Jasmin Jouhar | 17.09.2018

Jasmin Jouhar: Wir leben heute mobil und vernetzt. Wir hören Musik über kabellose Lautsprecher und schauen Filme auf dem Smartphone. Welchen Platz hat der Fernseher in dieser Welt?

Mark Hüsges: Sie beschreiben die mobile Nutzung von Unterhaltungselektronik, auf persönlichen Geräten. Der Fernseher dagegen hat seine Daseinsberechtigung im Zuhause. Denn das Heimkino-Erlebnis mit der ganzen Familie, das bietet nur ein richtiger Fernseher. Wer schon mal im Bett auf dem Tablet ferngeschaut hat, weiß, dass das schnell mühsam werden kann. Ganz wichtig: Der Fernseher ist auch die Verlängerung der mobilen Geräte. Er steht nicht mehr für sich allein wie früher.

Der Markt für Fernseher stagniert tendenziell, allerdings wächst der durchschnittliche Preis pro Gerät. Wie positioniert sich Loewe in diesem Umfeld?

Mark Hüsges: Natürlich gibt es in Deutschland nicht allzu viele Haushalte, die sich aus finanziellen Gründen noch keinen Fernseher anschaffen konnten. Wachstum kommt vor allem durch technische Innovationen, etwa beim Streaming. Woher kommen Inhalte und wie werden sie konsumiert? Wie integrieren Menschen den Fernseher in ihr Netzwerk zuhause? Deswegen gewinnt Audio für Loewe an Bedeutung. Der Lautsprecher bekommt auch mehr Aufgaben, etwa mit der Sprachsteuerung, die mich im Alltag unterstützt

Auf der IFA in Berlin treten Sie mit dem Slogan „Mensch im Mittelpunkt“ auf. Was bedeutet das konkret?

Mark Hüsges: Wir gestalten Geräte und Funktionen so, dass der Kunde auch damit umgehen kann. Wir überfordern ihn nicht mit zu vielen technischen Möglichkeiten, sondern orientierten uns am tatsächlichen Nutzen. So bringen wir den Menschen die Freude an der Technologie zurück. Das erreichen wir beispielsweise mit einer zentralen Steuerung, die alle Geräte und Funktionen integriert: Ich möchte nicht fünf Fernbedienungen vor mir liegen haben und dann nicht wissen, welche der vielen Tasten ich drücken muss. Eine Fernbedienung reicht.

© Jasmin Schuller

Wollen die Menschen denn zuhause überhaupt vernetzt leben?

Mark Hüsges: Da müssen wir unterscheiden zwischen der Idee des Smart Home, in dem alles vernetzt ist und der vernetzten Entertainment-Plattform zuhause. Da setzen wir den Schwerpunkt. Doch Smartphone oder Streaming-Dienste komfortabel mit Hardware-Plattformen zu verbinden, ist längst noch nicht Marktstandard. Loewe kann das. Am nächsten Schritt, dem Smart Home, arbeiten wir selbstverständlich auch. Aber da für uns immer der Kunde im Mittelpunkt steht, möchten wir nicht vernetzten um des Vernetzens willen. Wenn es dem Kunden nutzt, dann ja.

Bodo Sperlein: Andere Marken setzen stark auf das Smart Home. Ich denke, manche Loewe-Kunden möchten vielleicht lieber nicht so viele Daten preisgeben. Loewe lässt den Kunden also die Wahl, ob sie ihre Geräte vernetzt nutzen möchten oder nicht. Die Wahl hat man bei anderen Marken gar nicht mehr. Loewe verkauft seine Produkte nicht, um Daten zu sammeln. 

Ist Loewe eine Luxusmarke?

Mark Hüsges: Wir sehen uns als Premium-Unternehmen, wollen aber keine exklusive Luxusmarke sein. Wir wollen den Menschen bezahlbaren Luxus bringen mit begehrenswerten Produkten. Technologie auf dem neuesten Stand in einem haptisch und gestalterischen ansprechenden Objekt, das ideal in das Wohnumfeld passt. 

Bodo Sperlein: Was mir wichtig ist: Loewe schafft Mehrwert durch Design. Uns wurde einmal „Technology with Soul“ attestiert, darüber habe ich mich gefreut. Wir möchten, dass die Kunden sich in ihrem Zuhause wohlfühlen mit den Geräten. Man kennt das ja, das Menschen der Fernseher fast ein bisschen peinlich ist und sie ihn verstecken. 

Mark Hüsges: Wir legen auch Wert drauf, unsere Fernseher mit eigenen Lösungen zuhause platzieren zu können. Ein Standfuß für das Sideboard, eine Aufhängung für die Wand – das bieten wir alles passend zu den Geräten an. Die Kunden haben die Wahl und können die Produkte ihren Bedürfnissen anpassen, auch noch nach dem Kauf. 

Mark Hüsges, Bodo Sperlein, Jasmin Jouhar, Loewe, IFA 2018, Stylepark
© Jasmin Schuller

Welchen Stellenwert haben die Geräte in der Einrichtung?

Bodo Sperlein: Ich werde oft gefragt: Ist der Fernseher tot? Wohl kaum, zeigen Studien doch, dass er nach dem Bett das meistgekaufte Produkt für das Zuhause ist. Und für mich ist er eindeutig ein Teil des Mobiliars.

Mark Hüsges: Ich denke, da gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Wir bieten für die Fernseher klassische Aufstell-Lösungen an. Aber bei uns gibt eben auch sehr möbelartige Gestellvarianten. Dann wird das Gerät zum wohnlichen Einrichtungsgegenstand, den ich gerne zeige. Eyecatcher-Qualitäten haben unsere Produkte auf jeden Fall. 

Zur IFA stellen Sie das Fernseher-Modell Bild 5 in einer Sonderedition mit farbigem Gestell vor. Es ist in Rosé, Gelb und Graublau zu haben. 

Bodo Sperlein: Die Designsprache von Loewe ist schön und zeitlos, sie hat eine gewisse Neutralität. Die Geräte funktionieren in der Altbauwohnung genauso wie im supermodernen Penthouse. Deshalb gab es durchaus Diskussionen, ob wir Farbe wagen sollen. Aber warum nicht? Das ist ein Denkanstoß, wir setzen Trends. Als ich angefangen habe, für Loewe zu arbeiten, habe ich mir vorgenommen, den Fernseher zum Unisex-Produkt zu machen. Damals hat die Branche die Geräte sehr maskulin inszeniert. Heute fotografiert mancher Hersteller seine Produkte in einer rosafarbenen Umgebung. Das wäre vor fünf Jahren noch undenkbar gewesen.

Mark Hüsges, Bodo Sperlein, Loewe, IFA 2018, Stylepark
© Jasmin Schuller
Mark Hüsges, Bodo Sperlein, Loewe, IFA 2018, Stylepark
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