Von der Linie zum Raum
Mit Kengo Kuma Der Fluss der Linien durch das Objektiv von Erieta Attali rückt die Tchoban Foundation den Entwurfsprozess in den Mittelpunkt. Im Zentrum steht die Entstehung von Architektur im Zusammenspiel von Zeichnung, Material und Wahrnehmung. Zu sehen sind 86 Handzeichnungen von Kengo Kuma, die einen seltenen Einblick in seine Denk und Arbeitsweise geben. Es handelt sich dabei nicht um Skizzen im klassischen Sinne, sondern um eigenständige Arbeiten, in denen sich räumliche Strategien, Bewegungen und konstruktive Überlegungen verdichten. Die auf wenige Mittel reduzierte, meist monochrome Ausführung in Bleistift oder Kohle lenkt den Blick gezielt auf die Linie als zentrales gestalterisches und atmosphärisches Element.
Kumas Architektur, international bekannt für ihre Sensibilität im Umgang mit Material, Licht und Kontext, erscheint hier als kontinuierlicher Transformationsprozess. Projekte wie das Nationalstadion in Tokio oder das V and A Dundee verdeutlichen, wie lokale Bedingungen, kulturelle Bezüge und räumliche Wahrnehmung zu einer differenzierten architektonischen Sprache zusammenfinden. Die Fotografien von Erieta Attali erweitern diese Perspektive um eine räumlich atmosphärische Ebene. Ihre Arbeiten sind keine bloßen Dokumentationen, sondern präzise gesetzte Interpretationen gebauter Situationen. Im Fokus stehen Übergänge, Lichtverhältnisse und Materialoberflächen, wodurch nachvollziehbar wird, wie sich die in den Zeichnungen angelegten Linien in reale Räume übertragen. Im Zusammenwirken von Zeichnung und Fotografie entsteht ein offener Denkraum, in dem Architektur als dynamisches Gefüge erfahrbar wird. Beide Positionen folgen einem prozessualen Verständnis von Form und Raum und lösen sich von statischen Typologien zugunsten einer fließenden räumlichen Organisation. Architektur erscheint hier als fortlaufende Konstellation von Linien, Kräften und Atmosphären. Kuratiert von Nadejda Bartels ist die Schau zugleich eine Reflexion über die Rolle der Zeichnung im digitalen Zeitalter wie über die Wechselwirkungen zwischen Entwurf, Darstellung und gebauter Realität.
Die Ausstellung ist vom 13. Juni bis 13. September 2026 in der Tchoban Foundation in Berlin zu sehen. Bereits am 12. Juni findet in der Aedes Metropolitan Laboratory eine Podiumsdiskussion mit Kengo Kuma, Erieta Attali, Sergei Tchoban und Barry Bergdoll statt, die unterschiedliche Perspektiven auf Architektur, Bild und Theorie zusammenführt.
Zu den aktuellen Projekten von Kengo Kuma and Associates gehört das Waterfront Cultural Center with Harbor baths auf Paper Island in Kopenhagen in Kooperation mit Vilhelm Lauritzen Architects. Die Fertigstellung ist im Laufe des Jahres geplant.
Kengo Kuma – Der Fluss der Linien durch das Objektiv von Erieta Attali
Tchoban Foundation. Museum für Architekturzeichnung
Christinenstraße 18a
10119 Berlin
13. Juni bis 13. September 2026
Öffnungszeiten: Mo–Fr: 14–19 Uhr, Sa–So: 13–17 Uhr
Podiumsdiskussion: 12. Juni 2026, 16 Uhr
Aedes Metropolitan Laboratory
Christinenstr. 18–19, 10119 Berlin
Mit Kengo Kuma, Erieta Attali, Sergei Tchoban und Barry Bergdoll








