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Für die Light + Building 2020 ist Vernetzung unter dem Stichwort "Smart Urban", eines der aktuellen Top-Themen, wenn es um das Gebäude geht.

Stylepark Light + Building 2020
Stadt der Menschen

Die Daten fließen nicht nur weltumspannend: Auch vor der eigenen Haustür verändert die Vernetzung den Alltag. "Smart Urban" ist eines der Top-Themen der Light + Building 2020.
27.01.2020

Der Alltag wird schlau: Eine App verrät, ob das elektrische Carsharing-Auto an der nächsten Straßenecke schon aufgeladen ist. Oder ob es mit dem Bus doch schneller geht. Abends fährt die Straßenlaterne erst zur vollen Stärke hoch, sobald die Geschäfte ihre Schaufensterbeleuchtung ausgeschaltet haben. Die Müllabfuhr leert die Tonnen im Hof nicht nach festem Plan, sondern wenn der Sensor für den Füllstand Alarm schlägt. Das sind nur drei von vielen Beispielen für die intelligente Vernetzung unserer Stadtquartiere. Für die Light + Building 2020 ist Vernetzung unter dem Stichwort "Smart Urban", eines der aktuellen Top-Themen, wenn es um das Gebäude geht. Die Weltleitmesse für Licht und Gebäudetechnik sieht in ihrem zwanzigsten Jahr das smarte Leben in der Stadt als Chance: Die sichere und effiziente Vernetzung von Menschen, Orten und Infrastrukturen kann den Alltag erleichtern und helfen, Energie zu sparen. Manche der denkbaren Anwendungen fallen noch in die Kategorie "Zukunftsvision", andere können wir heute schon erleben. Man stelle sich folgendes Szenario vor: Wenn die Straßenleuchte feststellt, dass das E-Mobil vor dem Haus abgestellt wird, werden Parkgebühren zugewiesen, der Ladevorgang initiiert, der Gehweg dynamisch bis zum Wohnhaus ausgeleuchtet, die Haustüre via Gesichtserkennung geöffnet, die tagesspezifische Lichtstimmung genauso wie die Lieblingsmusik initialisiert.

Auch Thomas Welter setzt große Hoffnungen in die intelligente Infrastruktur. "Die technologischen Möglichkeiten können dazu führen, dass wir knappe Ressourcen besser nutzen", sagt der Bundesgeschäftsführer des Bundes Deutscher Architekten (BDA). Er denkt dabei nicht nur an den Stromverbrauch, wenn etwa der Energieüberschuss in einem Gebäude das momentane Defizit in einem anderen ausgleicht. Für Welter ist der verfügbare Platz in einer Stadt eine ebenso wichtige Ressource. Intelligente Parkraumbewirtschaftung und modulare Mobilität etwa können dazu beitragen, dass der ruhende Verkehr weniger Fläche verbraucht: die intelligente Stadt als Stadt der Menschen, nicht der parkenden Autos. Welche Lösungen und Produkte es heute schon gibt für die Realisierung der dafür notwendigen Elektro-Infrastruktur am und im Gebäude, das zeigt die Light + Building 2020 in ihrer Sonderschau "Power for Mobility".

"Ein anderer Aspekt der Vernetzung ist die Frage, wie wir die Angebote, die eine Stadt für ihre Bürger bereitstellt, transparenter und schneller zugänglich machen können", sagt Thomas Welter. Das betreffe die Angebote der öffentlichen Hand genauso wie die der privaten Wirtschaft. Dafür müssten Informationen digitalisiert, Datenbanken zusammengeschaltet werden. Damit spricht er einen zentralen Aspekt des Smart Urban an: Nicht nur die Daten müssen vernetzt werden, auch die verschiedenen Akteure, die Verwaltung, die Unternehmen, die Bewohner eines Quartiers müssen ihren Teil beitragen. Er warnt jedoch davor, die Möglichkeiten des Smart Urban bis zum Äußersten auszureizen. "Der Aufwand für technische Gebäudeausstattung nimmt stetig zu, noch verstärkt durch die Digitalisierung." Zudem veralte die technische Ausstattung viel schneller als die Konstruktion eines Gebäudes. Während eine gute Konstruktion Jahrzehnte halten könne, sei die Technik manchmal schon nach fünf oder zehn Jahren überholt. Das belaste das Budget und treibe den Ressourcenverbrauch in die Höhe. "Die Kunst ist es, nur das umzusetzen, was einen erheblichen Mehrwert bringt, so dass es sich auch lohnt", sagt der BDA-Bundesgeschäftsführer. Es gilt also, bei der Vernetzung der Gebäude und Infrastruktur Augenmaß walten zu lassen – doch sinnvoll umgesetzt, ist die Vernetzung im Sinne des Smart Urban ein gutes Werkzeug, unsere Stadtquartiere fit für die Zukunft zu machen. (JJ)


Aufgrund der verstärkten Verbreitung des Coronavirus in Europa hat sich die Messe Frankfurt für die Verschiebung der Light + Building entschieden. Die Weltleitmesse für Licht und Gebäudetechnik findet zwischen Mitte und Ende September 2020 in Frankfurt am Main statt.

Light + Building 2020: Top-Thema "Connecting"