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Auf der Light + Building 2020 wird deutlich werden: Die Branche setzt vermehrt auf Sensoren und smarte Technologien.

STYLEPARK LIGHT + BUILDING 2020
Füttern Sie Ihr Licht!

Wie LED die gesamte Lichtbranche revolutioniert, kann man auf der Light + Building 2020 hautnah erleben: Digitale Vernetzung, hochflexible Lichtsysteme und revolutionäre Designs werden in Frankfurt am Main gezeigt. Ein Ausblick.
von Adeline Seidel | 24.02.2020

Erinnern Sie sich noch an den Film "HER" von Regisseur Spike Jonze? "HER" erzählt die Liebesgeschichte zwischen Theodore und der Künstlichen Intelligenz namens Samantha. Neben aller Romantik offenbart der Film anhand seiner Bildsprache und des Set-Designs unser mögliches Lebensumfeld der Zukunft. Gerade weil es keine fliegenden Autos, Laserschwerter oder dystopische Stadtgetürme gibt, sondern sich das Digitale ganz selbstverständlich mit dem Physischen und Alltäglichen verwebt: So werden die retro anmutenden technischen Geräte mit der Stimme gesteuert, Smartphones hält man nicht in der Hand, sondern sind nur noch ein Knopf im Ohr. Und wenn Theodore sein Apartment betritt, geht wie von Zauberhand die Beleuchtung an – jeweils individuell angepasst an seine Stimmung. Licht spiegelt also die Emotionen im Raum, verändert diese und macht die Gefühle räumlich erfahrbar. In Form des "Human Centric Lighting", kurz HCL, ist diese Vision bereits Realität: Mit einem natürlichen Verlauf der Lichtfarbe- und -temperatur wird der Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen ideal unterstützt, was sich nachweislich positiv auf Produktivität und Wohlbefinden auswirkt.

Licht als Datenträger

Auf der Light + Building 2020, der Weltleitmesse für Licht und Gebäudetechnik in Frankfurt am Main, wird deutlich werden: Die Branche setzt vermehrt auf Sensoren und smarte Technologien. Immer häufiger werden in modernen Büros Sensoren verbaut. Sie sorgen für einen energetisch effizienteren Betrieb smarter Gebäude und bieten dem individuellen Nutzer maximale Gestaltungsfreiheit. So registrieren Sensoren Anwesenheit und messen das aktuelle Tageslicht, um das künstliche Licht entsprechend anzupassen. Die Leuchten kennen individuelle Präferenzen, sodass wirklich das ganz persönliche Licht den Arbeitsplatz erhellt. Mit dem Siegeszug der LED gerät eine zweite Entwicklungsstufe in greifbare Nähe: Li-Fi, kurz für Light Fidelity. Dabei handelt sich um eine Technologie zur drahtlosen Datenübertragung mittels Licht. "LiFi gilt als eine vielversprechende Technologie für die mobile Kommunikation im Innenbereich, bei der das nicht lizenzierte optische Spektrum verwendet wird. Licht ist im Vergleich zum Radio sicherer vor unbefugtem Zugriff und robust gegen Störungen durch Funkwellen", so das Fraunhofer Institut für Nachrichtentechnik / Heinrich Hertz Institut in Berlin, das zu dieser Technologie forscht.

Hallo, ich bin Dein Licht

Die aktuellen Erhebungen zur Zukunft des Lichts sind vielfältig. So untersucht die Architektin, Designerin und Künstlerin Jenny Sabin in ihrem Projekt "Ada" Licht als Medium, durch das Raum und Mensch in Kontakt treten. Die experimentelle Architektur "Ada" ist eine reaktionsfähige Beleuchtung einschließlich eines Netzwerks adressierbarer LEDs. Diese reagieren in Echtzeit auf die kontinuierlichen Datenströme und geben Stimmungsdaten mit Farben und Helligkeiten innerhalb der Pavillonstruktur wieder. Hierfür arbeitet der Pavillon, der in Zusammenarbeit mit Microsoft entstand, mit künstlicher Intelligenz. Die leichte, gestrickte Struktur aus datengesteuerten Komponenten verwendet Textilien und photolumineszierende Fasern, die Licht absorbieren, sammeln und aussenden. In Zusammenarbeit mit Forschern und Ingenieuren von Microsoft Research wird Ada von individuellen und kollektiven Stimmungsdaten angetrieben, die im Microsoft Research Building 99 in Redmond, Washington, gesammelt werden. Über Sensoren und Kameras können die Besucher mit Ada interagieren, denn die KI-Algorithmen verarbeiten Gesichtsmuster, Stimmlagen und Geräusche. Ada feiert eine Architektur, die "glücklich ist, dich zu sehen" und "zu dir zurücklächelt".

Mit einem sinnlichen Zugang zu Licht arbeitet die Designerin Yael Akirav aus Israel: Ihre Lampen wollen bewegt und berührt werden, um zu leuchten. Unter dem Namen "Conductive Origami" experimentiert die talentierte Gestalterin mit leitendem Filament, das mittels 3D-Druck direkt auf Textilien angewendet wird und die Leuchte zum Strahlen bringt.

Licht gegen Interaktion

Wagen wir noch einen weiteren Schritt in eine – wenn auch spekulative – Zukunft: Hin zu Lichtquellen aus der Natur. Visionäre Tüftler arbeiten an einem Licht, dessen Energie aus Pflanzen und Bakterien stammt. Beispielsweise Teresa van Dongen. Die junge Designerin aus Amsterdam erforscht jene Mikroorganismen, die im schlammigen Boden von Flüssen und Seen zu finden sind, und die in ihrem Stoffwechsel beständig Elektronen ausscheiden. Teresa von Dongen arbeitet in ihrem Projekt "Electric life" mit diesen kleinen Freunden, deren Elektronen die Lichtinstallation vollständig antreiben.

Damit das lebende Licht auch weiterhin leuchtet, muss man die kleinen umweltfreundlichen Helfer von Zeit zu Zeit füttern und pflegen: Ein bisschen Leitungswasser mit einigen zusätzlichen Nährstoffen und ein Teelöffel Essig pro Woche reichen den genügsamen Mikroorganismen aus. Teresa van Dongens Leidenschaft für Design und Biologie zelebriert auch ihr Projekt "Ambio". Hierfür nimmt sie jene biolumineszierende Mikroorganismen aus dem Meerwasser, die Ozeanwellen in der Dunkelheit der Nacht blau glühen lassen. Dieses Phänomen entsteht, wenn die Mikroorganismen durch Wellenbewegungen mit Sauerstoff versorgt werden und so Licht aussenden. Teresa van Dongens biolumineszente Lichtinstallation "Ambio" balanciert zwei Gewichte und ein Glasrohr, das zur Hälfte mit einem künstlichen Meerwassermedium gefüllt ist und eine sorgfältig ausgewählte Art dieser einzigartigen lumineszierenden Mikroorganismen enthält. Gibt man der Leuchte hin und wieder einen leichten Stoß, halten die Gewichte Ambio in Bewegung und bringen sie zum Leuchten.

"Ambio", bacterial lamp by Teresa van Dongen

Die Nachttischlampe als Pflanze

Etwas mehr Science Fiction schwingt in dem Projekt "Plant Properties" von Sheila Kennedy und Michael Strano mit. Die Architektin und der Verfahrensingenieur – beide forschen und lehren am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston – haben nanobionische Pflanzen entwickelt, die leuchten. Hierfür wurden Nanopartikel der Glühwürmchen-Luciferase in die Pflanzen integriert. "Auf diese Weise kann die Pflanze einen Teil ihrer Energie nutzen, um eine sichtbare Beleuchtung zu erzeugen", erklärt Sheily Kennedy. Das Projekt steckt noch in den Anfängen: Die Pflanzen sollen in Zukunft ein Licht erzeugen, das hell genug ist um ein Buch zu lesen. Dennoch ist es mit Spannung weiter zu verfolgen – schließlich sind Pflanzen im Wohnumfeld wahre Alleskönner: Sie absorbieren CO2, reinigen mitunter die Luft und reduzieren Stress. Man darf also gespannt sein auf das Licht der Zukunft, und für einen umfassenden Einblick in die aktuellen Entwicklungen lohnt der Besuch der Light + Building 2020 in Frankfurt am Main.


Aufgrund der verstärkten Verbreitung des Coronavirus in Europa hat sich die Messe Frankfurt für die Verschiebung der Light + Building entschieden. Die Weltleitmesse für Licht und Gebäudetechnik findet zwischen Mitte und Ende September 2020 in Frankfurt am Main statt.