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Komplexität meistern
Anna Moldenhauer: Die Lindner Group ist ein langjähriger Partner des Flughafens Frankfurt. Wie hat sich diese Zusammenarbeit bis hin zum aktuellen Großprojekt im neuen Terminal 3 entwickelt?
Rainer Aman: Das geht tatsächlich weit zurück. Ein erster wichtiger Meilenstein war ein Auftrag im Terminal 2 Mitte der 1990er-Jahre, bei dem wir größere Flächen und Wandverkleidungen realisiert haben. Seitdem gab es zahlreiche Folgeprojekte, oft im laufenden Bestand, was stets anspruchsvoll war. Parallel haben wir andere Projekte am Flughafen bearbeitet, wie für Lufthansa oder Heinemann, und dabei weitere Berührungspunkte mit Fraport entwickelt. Ein großer Entwicklungsschritt war dann der Ausbau im Bereich A, gefolgt von weiteren größeren Projekten, etwa um 2012. Die eigentliche Dimension, wie wir sie heute sehen, entstand jedoch mit dem Terminal 3. Hierfür haben wir 2015 mit den Arbeiten begonnen, 2017 kam die Anfrage für die Generalübernehmer-Leistung am Flugsteig G dazu. Das war ein Projekt, das alles bisherige deutlich übertroffen hat.
Die Lindner Group war als Generalübernehmer für das Pier G der zentrale Ansprechpartner für den Bauherrn. Was war aus Ihrer Sicht entscheidend, um diese Aufgabe erfolgreich umzusetzen?
Rainer Aman: Entscheidend war ein sehr starkes Team, intern wie extern. Wir hatten von Anfang an das gemeinsame Ziel, das Projekt erfolgreich umzusetzen. Die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert – gleichzeitig war es eine enorme Herausforderung, ein Projekt dieser Größenordnung zu koordinieren, sowohl in der Planung als auch in der Ausführung. Hier arbeiteten wir als Teil einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE), bestehend aus Adolf Lupp GmbH + Co KG (Rohbau), Caverion Deutschland GmbH (Gebäudetechnik) und R + S Solutions GmbH (Elektroleistungen).
Besonders beeindruckend ist, dass das Projekt trotz Pandemie, Lieferengpässen und steigender Kosten planmäßig und ohne Einbußen im Budgetplan abgeschlossen wurde. Wie ist das gelungen?
Rainer Aman: Ein wichtiger Faktor war die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Bauherrn. Anders als üblich wurden die Aufgaben nicht in zahlreiche Einzelgewerke vergeben, sondern zu größeren Einheiten gebündelt. Die Abstimmungsrunden waren klar strukturiert und effizient – mit kurzen Entscheidungswegen und Ansprechpartnern auf beiden Seiten. Probleme wurden offen angesprochen und gemeinsam gelöst. Zudem hatten wir früh klare Zuständigkeiten definiert, auch innerhalb der Bietergemeinschaft. Das hat viele spätere Reibungsverluste verhindert.
Sie haben unter anderem Decken-, Boden- und Wandsysteme umgesetzt, oft mit großen Spannweiten und besonderen Anforderungen. Können Sie ein Beispiel für eine solche Sonderlösung nennen?
Franziska Wischnewski: Ein zentrales Beispiel ist die Decke in der Check-in-Halle. Wir sprechen hier von Deckenfeldern mit rund 4,5 × 4,5 Metern, die in etwa 18 Metern Höhe montiert wurden. Die Herausforderung bestand darin, die vorhandene Stahlkonstruktion zu nutzen und gleichzeitig gestalterische sowie funktionale Anforderungen zu erfüllen. Wir haben das gesamte System selbst entwickelt, von der Konstruktion bis zur Statik, und vorab umfangreich getestet. Für die Montage kam schließlich eine spezielle Krantechnik zum Einsatz, die eine präzise Platzierung der Elemente ermöglichte, ohne den laufenden Bauprozess zu beeinträchtigen.
Rainer Aman: Ursprünglich war vorgesehen, ein komplettes Gerüst über der Hallenfläche zu errichten. Das wäre jedoch sehr aufwendig gewesen. Die Entwicklung der alternativen Hebetechnik war daher ein entscheidender Schritt.
Wie war die Koordination auf der Baustelle organisiert – gerade bei so komplexen Abläufen?
Franziska Wischnewski: Das erforderte eine sehr detaillierte Planung und intensive Abstimmung im Vorfeld. Die Logistik war dabei ein zentraler Punkt, von der Anlieferung bis zur Montage. Wir haben eigene Bereiche für Vorfertigung und Zwischenlagerung eingerichtet und eng mit allen Gewerken zusammengearbeitet. Die offene Kommunikation war dabei entscheidend.
Prof. Christoph Mäckler, der Architekt des neuen Terminal 3, hat in einem Interview für die Lindner Group besonders hervorgehoben, dass Ihre Lösungen funktional sind und zugleich eine eigene gestalterische Qualität besitzen. Wie gelingt diese Balance?
Rainer Aman: Ein Beispiel sind die Heiz-Kühldecken, die ebenfalls speziell entwickelt wurden. Hier ging es darum, technische Anforderungen mit einer eigenständigen Gestaltung zu verbinden. Wir haben eng mit dem Architekturbüro zusammengearbeitet, Muster entwickelt und früh funktionsfähige Prototypen präsentiert. Die Kombination aus technischer Kompetenz und gestalterischem Anspruch war somit von Beginn an maßgeblich.
Auch die Bodensysteme spielen eine wichtige Rolle. Was war hier besonders?
Rainer Aman: In der Check-in-Halle wurde ein Schwerlastboden verbaut, der extremen Belastungen standhält – etwa durch Fahrzeuge oder spezielle Geräte. Gleichzeitig ist eine Fußbodenheizung integriert. Solche Systeme entwickeln und testen wir intern umfangreich, unter realistischen Bedingungen. Insgesamt haben wir am Terminal 3 rund 30.000 Quadratmeter Lindner Bodensysteme verbaut. Dazu kamen weitere umfangreiche Ausbauleistungen, die auf die unterschiedlichen funktionalen Anforderungen der Bereiche abgestimmt wurden: Unter anderem rund 2.000 Türen in verschiedensten Ausführungen, 5.000 Quadratmeter Verglasungen sowie Isoliertechnik-/ Brandschutz- und Metallbauarbeiten. Ein Großteil der verbauten Produkte wurden direkt in unseren Lindner Produktionsstätten gefertigt.
Welche zentralen Learnings haben Sie aus dem Projekt mitgenommen?
Franziska Wischnewski: Für mich ist das wichtigste Thema die Kommunikation. Bei Projekten dieser Größe ist es entscheidend, offen, ehrlich und lösungsorientiert zusammenzuarbeiten.
Rainer Aman: Ergänzend würde ich sagen: eine sehr detaillierte Planung im Vorfeld. Wir haben gelernt, dass man noch intensiver planen muss, als man zunächst denkt – gerade bei komplexen Schnittstellen.
Was macht das Arbeiten bei Lindner für Sie persönlich aus?
Rainer Aman: Vor allem die Vielfalt der Projekte, die kollegiale Zusammenarbeit und die Entwicklungsmöglichkeiten. Viele Kolleginnen und Kollegen sind seit vielen Jahren im Unternehmen – das schafft Kontinuität und starke Teams.
Und wie geht es mit dem Flughafenprojekt weiter?
Rainer Aman: Am Flugsteig G sind bereits Teilbereiche wie der Check-in und die Gepäckförderanlage in Betrieb. Wir begleiten die Entwicklung des Flughafens Frankfurt bereits seit circa 30 Jahren und können hier auf eine sehr gute Partnerschaft zurückblicken. Ein Großprojekt wie der Flughafen Frankfurt entwickelt sich immer weiter, wie im Detail, wird sich die nächsten Jahre und Jahrzehnte zeigen. So ist auch das Konzept des Terminal 3: flexibel und an neue Gegebenheiten schnell anpassbar. Für alles was kommt, stehen wir gerne als verlässlicher Partner wieder bereit.













