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Marjan van Aubel

Mit der Sonne gestalten

Marjan van Aubel Studio kreiert Solardesign, das die komplexe Technologie in ästhetische Objekte übersetzt, die unseren Alltag bereichern könnten – wie der "Current Table", ein Tisch dessen Glasoberfläche aus integrierten Farbstoffsolarzellen besteht, die Strom produzieren können, "Sunne", eine Solarleuchte, die Licht in Innenräumen einfängt, speichert und erzeugt sowie das "Current Window", das mit Glaspaneelen aus farbstoffsensibilisierten Solarzellen Strom produziert, der für technische Geräte genutzt werden kann. Einen Einblick in ihre Arbeit gibt sie uns im Interview.
21.11.2022

Anna Moldenhauer: Was hat dein Interesse an der Gestaltung von Solarobjekten geweckt?

Marjan van Aubel: Die Solarpaneele, die wir auf den Dächern installieren, sind nicht wirklich gestaltet, denn es gibt keinen Bedarf hierfür. Da Öl im Vergleich für die Energieerzeugung günstiger war, wurde über Jahrzehnte nicht in die Solarforschung investiert. Die Technologie bietet aber viele faszinierende Möglichkeiten, die ich mit meiner Arbeit aufzeigen möchte. Die Frage wie teuer eine Solartechnik ist, ist heute nicht mehr ausschlaggebend. Es braucht einen anderen Blick auf die Solarenergie, wir müssen uns die Möglichkeiten bewusst machen, die sich ergeben, wenn man die Solarenergie als Material betrachtet. Die Paneele können Teil der Architektur oder des Interieurs sein, sie lassen sich flexibel formen und können auch unterschiedliche Farben zeigen.

Was braucht es, um die Solartechnologie für die Bevölkerung zugänglicher werden zu lassen?

Marjan van Aubel: Die Disziplinen Design und Architektur arbeiten nicht ausreichend zusammen. Es braucht ein besseres Verständnis dafür, wie groß die Bandbreite ist in der Solarmodule zum Einsatz kommen können. Im Moment ist die Solartechnologie ein fertiges Produkt, dass sich nicht für die individuelle Anwendung anpassen lässt. Der eingeschränkte Zugang zu der Technologie sollte sich öffnen.

Wie ist dein Stand der Forschung für farbige Solarzellen?

Marjan van Aubel: Kürzlich habe ich beispielsweise das Solardach des niederländischen Pavillons auf der Expo in Dubai entworfen, der diesen mit Sonnenenergie versorgt. Dessen Skylights bestehen aus transparenten organischen Photovoltaikzellen (OPV). Die organischen Solarzellen sind in der Basis dünne PET-Folien und somit einfach zu transportieren. Sie lassen sich zudem schnell zerlegen und können an einem anderen Platz weiterverwendet werden.

Was ist der Vorteil dieser farbigen Solarzellen?

Marjan van Aubel: Sie können in verschiedene Oberflächen oder Fassaden integriert werden. So kann man eine farbige Fassade haben, die bei der Verwendung herkömmlicher Paneele ein schwarzer Kasten wäre. Sie funktionieren auch anders als die Standard-Silizium-Oberfläche, da sie ein anderes Lichtspektrum benötigen, so dass man an einer Fassade auch mit weniger Licht arbeiten kann. Es gibt Technologien, die nur wenig Licht für die Leistung benötigen, diese Solarzellen arbeiten also auch im Schatten.

Ich habe gesehen, dass du mit der Kuratorin und Designerin Matylda Krzykowski im Het Nieuwe Institut in Rotterdam zusammengearbeitet hast, um die Ausstellung "The Energy Show" zu eröffnen. Was war dir im Zuge dieser Ausstellung wichtig zu vermitteln?

Marjan van Aubel: Die Ausstellung "The Energy Show - Sun, Solar and Human Power", die Matylda und ich kuratiert haben, ist Teil der Solarbiennale gewesen, die die Gestaltungsmöglichkeiten von Solarenergie in den Mittelpunkt gerückt hat. Uns war es wichtig mit den Dutzenden von Beispielen für Solartechnik die Wahrnehmung der BesucherInnen zu verändern, wie Solarzellen aussehen können und welchen Nutzen sie für unseren Alltag haben. Mit der Ausstellung haben wir die unterschiedlichen Branchen zusammengebracht und die Frage gestellt, was wir brauchen um die nachhaltige Energiewende zu beschleunigen.

Was wäre für dich das Ideal?

Marjan van Aubel: Das beschreibe ich in meinem Buch, das gerade erschienen ist "Solar Futures: How to Design a Post-Fossil World with the Sun explores the future of solar energy". Im Grunde geht es darum, dass wir intergrativer mit der Solarenergie umgehen sollten, unabhängiger und mehr mit dem Gedanke des Netzwerkens.

Kürzlich warst du gemeinsam mit Formafantasma Botschafterin für die 21. Ausgabe der Dutch Design Week (DDW). Was habt ihr dort präsentiert?

Marjan van Aubel: Wir haben die Solarenergie für die BesucherInnen zu einem Erlebnis werden lassen – es gab zwei Projekte, zum einen die "Sunne Experience", ein Raum in dem viele "Sunnes" aufgereiht sind, Pendelleuchten, die mit Solarenergie betrieben werden. Wenn man sich durch Installation bewegt, verändern diese ihre Farbe und man konnte den Sonnenaufgang, das Sonnenlicht und den Sonneruntergang über die Leuchten erfahren. Das zweite Projekt war der Pavilion, eine Zusammenarbeit mit V8 Architekten und Kameleon Solar. Die Solarpaneele in Pastellfarben waren so wie eine Leinwand an die Decke des Pavilions gespannt. Die Paneele sind mit einer transparenten Tinte bedruckt, so dass das Licht durch sie durchscheinen kann und die BetrachterIn gleichzeitig ein Farberlebnis haben. Man konnte zudem eine Treppe hinaufsteigen, um die Solarpaneele aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Mit dem Projekt wollten wir auch jüngeren DesignerInnen die Möglichkeiten der Solartechnologie aufzeigen welche Möglichkeiten ihre Gestaltung bietet.

Solar Futures
How to Design a Post-Fossil World with the Sun
Autorin: Marjan van Aubel

Beiträge von: Matylda Krzykowski, Sander Mann
Herausgeber: Jap Sam Books, ermöglicht durch die Unterstützung des Creative Fund NL, Prins Bernhard Cultuurfonds und the Sandberg Institute
288 Seiten
Hardcover
Language: Englisch
ISBN 978-94-92852-65-6
Price 39,95 Euro

Sunne – The solar light that brings the sun indoors – Marjan van Aubel Studio