Reduce, Reuse
Beton ist der Baustoff der Moderne: Mit seiner Mischung aus Wasser, Zuschlägen und bindendem Zement, die sich in jede beliebige Form gießen lässt und eine hohe Tragfähigkeit garantiert, wurde er im 20. Jahrhundert zum Liebling der Bauindustrie. Allerdings gilt Beton als schwieriger Baustoff, da insbesondere das Brennen des benötigten Zementkalks einer der wesentlichen Treiber der Treibhausgasemissionen im Baugewerbe ist. Wie aber kann seine Herstellung optimiert werden? Der Fassadenhersteller Rieder hat dazu einen Glasfaserbeton entwickelt, welcher in weiterer Folge zementfrei werden soll. "Wir haben die Hebel identifiziert, wo wir eingreifen können. Nun setzen wir unseren Plan um, evaluieren die Ergebnisse und entwickeln sie weiter", sagt Wolfgang Rieder, CEO von Rieder.
Der Ideengeber für den neuen Glasfaserbeton ist tausende Jahre alt: das im Pantheon in Rom verwendete Opus caementicium, ein "Gussmauerwerk", dem die römischen Baumeister natürliche Puzzolane – Vulkanasche, Trass und ähnliche Mineralien – beimischten. So wird auch der Zement der Fassadenplatten bei Rieder durch natürliche Puzzolane ersetzt. Dazu wurden zunächst 50 Prozent Zement ersetzt. Die Produkte "concrete skin", "öko skin" und "formparts" sind nun in ausgewählten Farben verfügbar. Bis 2027 ist die Umstellung der gesamten Produktpalette auf ein zementfreies Material vorgesehen.
Zum Einsatz kamen die neuen Fassadenplatten in der Farbe "pine green" und der Textur "slate" auch beim neuen Rieder-Headquarter glemm21 in Maishofen, Österreich. Dort umhüllen sie auf einer Fläche von 400 Quadratmetern das Gebäude und prägen mit ihrer Schieferoptik dessen Erscheinungsbild. Dazu baute das Unternehmen eine stillgelegte Busgarage um: "Nichts Neues zu bauen, sondern Vorhandenes nutzen, ist bekanntlich der beste Weg, um graue Energie einzusparen und keine weiteren Flächen zu versiegeln. Also haben wir das an uns selbst ausprobiert", so Wolfgang Rieder.
Dabei wurde das Bestandsgebäude umgenutzt. Ein Beispiel sind die Betonstützen aus den alten Werken von Wolfgang Rieders Großvater und Vater, ein Betonträger aus alter Produktion oder 150 Tonnen Stahlträger. Sogar eine alte Wandverkleidung aus Zirbenholz, die in einem anderen Gebäude abmontiert wurde, ist nun Teil der Inneneinrichtung. Begleitet wurde der Transformationsprozess von einem spezialisierten Ingenieurbüro. Rieder konnte ein neues Bürogebäude verwirklichen. Das neue Rieder-Headquarter glemm21 entspricht so ganz der Philosophie des Unternehmens, wie Wolfgang Rieder bekräftigt: "Wir wollen nicht nur reden, das Tun ist wichtig, damit der Wandel gelingt."









