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TaunusTurm, Frankfurt am Main

STYLEPARK SIGEL
Die neue Zugehörigkeit

Wie verändert sich die Arbeitswelt aus Sicht des international aktiven US-amerikanischen Immobilienunternehmens Tishman Speyer? Robert Volhard sprach mit Florian Reiff, der in Deutschland die Geschäfte führt.
von Robert Volhard | 29.09.2020

Robert Volhard: Herr Reiff, das Coronavirus hat in den letzten Monaten vieles durcheinandergewirbelt. Das betrifft auch die Nutzung von Büroflächen. Welche Auswirkungen hat das auf Ihr Unternehmen?

Florian Reiff: Das Ganze fühlt sich wie ein riesiges Experiment an, dessen Ausgang wir noch nicht komplett absehen können. Eines kann ich aber mit Sicherheit sagen: Wer sich nicht auf den Wandel einstellt, der wird Probleme bekommen. Dabei gibt es natürlich regionale Unterschiede. In Kalifornien geht die Belegungsrate von Büroräumen derzeit gegen Null, in New York liegt sie bei etwa fünf Prozent. In London sind es etwa 13 Prozent und in Frankfurt am Main liegt sie bei 50 bis 60 Prozent. Das ist natürlich nur ein Snapshot der aktuellen Situation.

Wie gehen Sie damit um?

Florian Reiff: Unsere lokalen Teams sprechen regelmäßig mit unseren Nutzern und erhalten eine Menge Feedback. Vieles ist wie gesagt noch nicht abzusehen, aber wir können gewisse Trends erkennen. Momentan sehen viele Firmen die Vorteile des Homeoffice. Das ist aber keine langfristige Antwort. Das ist aber keine langfristige Antwort. Beklagt wird bereits die fehlende Innovationskraft, und dass die Unternehmenskultur auf der Strecke bleibt. Wie wollen Sie im Homeoffice eine Neueinstellung in die Unternehmenskultur einführen oder Mentor sein für junge Kolleginnen und Kollegen?

Florian Reiff

Sie haben gerade die regionalen Unterschiede angesprochen. Momentan entwickeln Sie mit BIG das Hochhausprojekt "The Spiral" in New York, das sich gerade im Bau befindet. Mit dem "Omniturm" haben Sie 2019 ebenfalls ein von BIG entworfenes Hochhaus in Frankfurt am Main fertig gestellt. Wie verhält es sich mit diesen beiden Projekten?

Florian Reiff: Bei beiden Projekten ging es darum, zukunftsfähige Bürogebäude zu entwickeln. Dabei spielt das Thema Mischnutzung eine große Rolle. In Frankfurt betrifft das vor allem das Thema Wohnen. Wir haben in der Vermarktung gesehen, dass der "Omniturm" wegen der vorhandenen Wohnungen anders wahrgenommen wird und dadurch eine emotionale Komponente enthält. Das findet sich auch in der Architektursprache und Raumgestaltung wieder. Ein Beispiel ist die Lobby, die einen Holzboden hat und dadurch einladender, nahbarer wirkt.

Und bei "The Spiral" in New York?

Florian Reiff: Für dieses Projekt hat Bjarke Ingels das Motto "From the High Line to the skyline" geprägt. Das heißt, New Yorks grüne Highline wickelt sich in Form von begrünten Dachterrassen um den Turm. Die Qualität des Außenraums wird bei der zukünftigen Planung von Büroflächen sicherlich verstärkt eine Rolle spielen.

Die Planung für zukunftsfähige Bürogebäude betrifft aber nicht nur das Thema Mischnutzung und Außenräume. Es geht auch verstärkt um neue Konzepte für die Strukturierung und Gestaltung der Büroflächen. Wir bei Stylepark beobachten zum Beispiel, dass viel weniger Arbeitsplätze angeboten werden. Stattdessen werden die Meetingbereiche immer größer. Gibt es bei Ihnen eine ähnliche Entwicklung?

Florian Reiff: Ein Büro ist heutzutage nicht mehr nur dazu da, um dort für ein Unternehmen seine Arbeit zu erledigen. Es geht eher darum, ein Gefühl der Zugehörigkeit zu erzeugen. Ich gehe ins Büro, weil ich zum Unternehmen dazugehören möchte. Das spiegelt sich auch in unseren Gesprächen mit den Nutzern wieder. Es gibt Unternehmen, die gerade dabei sind ihre Arbeitsbereiche teilweise aufzulösen, um stattdessen Kommunikationsflächen zu schaffen, weil man diese Bereiche virtuell nicht ersetzen kann. Es wird also in Zukunft eine stärkere Mischung beider Bereiche geben. Einerseits hat sich gezeigt, dass die virtuelle Arbeit durchaus auch Vorteile hat, anderseits kann ich inoffizielle Meetings oder Gespräche an der Kaffeemaschine nicht ersetzen. Die soziale Komponente hat deshalb einen erheblichen Einfluss auf die Gestaltung zukünftiger Büroräume.

The Spiral, New York City

Bieten Sie Ihren Nutzern auch Konzepte für die Neustrukturierung Ihrer Büroräume an?

Florian Reiff: Im Zuge der Überwindung der Pandemie stellt sich natürlich die Frage, wie die neue Normalität aussieht. Viele Unternehmen wünschen sich deshalb flexible und vor allem globale Lösungen, weil sie teilweise noch gar nicht wissen, wie sich ihr Businessmodell verändert. Es gibt sogar Firmen, die sich um die eigene Organisation gar nicht mehr kümmern wollen. In solchen Fällen bieten wir an, neben Flächen mit langfristigen Laufzeiten auch Büros mit flexiblen, kürzeren Zeiträumen zu mieten und darüber hinaus das Ganze für das Unternehmen zu kuratieren, also aktiv zu betreiben.

Das heißt Sie bieten ein Servicemodell in Form von Coworking an.

Florian Reiff: Ja, allerdings hatten wir schon vor Covid-19 einen Coworkingbrand, der sich "Studio" nennt. Das Kuratieren privater Büros geht darüber hinaus, wir nennen es "Studio Private". Wir stellen dafür einen Manager zur Verfügung, der sich um die Büroorganisation des jeweiligen Unternehmens kümmert. Das reicht von flexiblen Umbauten, Bereitstellung der Möblierung bis hin zur Wartung der Kaffeemaschine. Diese Entwicklung hat sich durch Covid-19 beschleunigt.

Ich hätte eine Frage zum Thema Erschließung: Hochhäuser funktionieren diesbezüglich ja primär über Fahrstühle. Deren Nutzung sollte aufgrund von Covid-19 aber eher vermieden werden. Wie gehen Sie damit um?

Florian Reiff: Im Moment sind wir bei Belegungsraten, wo das noch keine allzu große Rolle spielt. Entscheidend wird sein, wie Büros in Zukunft bespielt werden und wie flexibel die jeweiligen Arbeitsmodelle sind. Wenn nicht alle zur gleichen Zeit im Büro sein müssen, entzerrt sich die Situation.

Ein Aufzugshersteller wie Schindler arbeitet gerade daran, seine Aufzüge mit UV-C-Strahlung auszurüsten, um eine gewisse Hygiene zu gewährleisten. Es gibt also durchaus technische Ansätze, um das Problem zu lösen.

Florian Reiff: Ja, das stimmt. Wir testen gerade ein berührungsloses Zugangssystem im TaunusTurm in Frankfurt am Main, das mit dem Smartphone über Bluetooth funktioniert. Das Smartphone erkennt dabei automatisch, ob es sich wirklich um den richtigen Nutzer handelt. Die digitalen Möglichkeiten beinhalten aber nicht nur Hygiene- oder Sicherheitsaspekte, sondern können auch eine soziale Komponente haben. Wir bieten zum Beispiel eine App mit dem Namen ZO. an, mit der man verschiedene Angebote in Anspruch nehmen kann, die das soziale Beisammensein über die Arbeit hinaus betreffen. Mit der App kann man zum Beispiel einen Yogakurs buchen oder eine Lesung organisieren. Die Verzahnung von Arbeit und sozialer Interaktion wird immer wichtiger bei Büroflächen.

Omniturm, Frankfurt am Main
The Spiral, New York City